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Schulkultur

Mit Engagement gegen Rassismus, auch an der Schule

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„Wir wollen damit ein Zeichen für Toleranz und gegen Rassismus setzen.“ So begründet Lehrer Florian Kunick von der Berufsfachschule maxQ in Neubrandenburg den vom Kollegium initiierten Projekttag an der Schule. Und so fanden gestern unter dem Motto „Toleranz und Demokratie lernen und leben“ fünf verschiedene Workshops für die Schüler:innen der auf Gesundheitsberufe – zum Beispiel Pflegefachkräfte – spezialisierten Einrichtung statt. Die Ideen für die einzelnen Stationen des Projekttages kamen von den Schüler:innen selbst, erzählt Kunick. Diese wurden in den Klassen gesammelt und anschließend im Kollegium ausgewertet und entschieden.

Alltagsnahe Erfahrungen sammeln

Unter dem Titel „Was ist denn hier los?“ konnten die Schüler:innen einem Rollenspiel aus dem Pflegealltag beiwohnen. Dabei wurde ein Konflikt aus dem Bereich der interkulturellen Pflege gezeigt, mit anschließender Diskussionsrunde. Der Anteil der Menschen aus anderen Kulturen in der Pflege steige zukünftig, weiß Kunick. Deshalb sei es für die Schüler:innen, die vor allem in der ambulanten und stationären Pflege beschäftigt sein werden, wichtig, Kompetenzen in der interkulturellen Pflege zu sammeln. Alles in allem gehe es ja immer um einen wertschätzenden Umgang mit Menschen.

Die Neubrandenburger Schüler:innen konnten sich in einem zweiten Workshop auch einmal direkt mit dem Thema Ausgrenzung beschäftigen. So wurden die Schüler:innengruppen geteilt und ein Raum der Schule in einen hellen und einen dunklen Bereich getrennt. Während der eine Teil der Gruppe in den hellen Bereich mit Musik und einladender Raumgestaltung durfte, ging es für den anderen Teil in den dunklen Bereich mit zugehängten Fenstern und zahlreichen an der Wand befestigten Zetteln mit Beleidigungen. Wie fühlt sich Diskriminierung eigentlich an? Sie sollten dazu eigene Erfahrungen sammeln, erklärt Kunick.

Der Lehrer glaubt, dass das Vorhandensein von Toleranz- oder auch Demokratieverständnis insgesamt stark davon abhängig sei, aus welcher „Blase“ die Kinder und Jugendlichen kommen – was vorgelebt wird, im Elternhaus, aber auch im sozialen Umfeld. Für die Schule sollten Inhalte, die Toleranz, Demokratie und Antirassismus thematisieren, möglichst mit Interaktion und Erfahrungen für die Lernenden verbunden sein. Es sei wichtig, Erfahrungen selbst zu sammeln.

GEW: Fehlende Ressourcen erschweren Demokratiearbeit an Schulen

Dass die Vermittlung demokratischer Werte und von Toleranz an den Bildungseinrichtungen in MV eine Rolle spielt, dafür setzt sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ein. Es gebe einen Bedarf. Vielerorts komme es „immer wieder zu rassistisch motivierten Vorfällen, von der Beschimpfung bis hin zu Gewalttaten“, berichtet GEW-Landesvorsitzende Annett Lindner. Das hänge nicht allein mit der sozioökonomischen Herkunft der Schüler:innen zusammen, sondern habe viele verschiedene Ursachen. Dem kann durch Demokratiepädagogik und politische Bildung entgegengewirkt werden. Dafür brauche es allerdings „ausreichend personelle und sächliche Ressourcen“, so Lindner. Dafür sorge das Land MV aus ihrer Sicht seit Jahren nicht. Ein Beispiel dafür sei die Schulsozialarbeit, die an jeder Schule fest verankert und finanziert gehöre.

54 Courage-Schulen in MV

An einigen Schulen in Mecklenburg-Vorpommern werden Toleranz und Antirassismus bereits offiziell gelebt. 54 sogenannte Courage-Schulen gibt es in MV. Sie gehören dem Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ an, in welchem sich Schüler:innen und Pädagog:innen aktiv gegen Diskriminierung einsetzen wollen. Erst am Dienstag ist die 54. Schule, das Lilienthal-Gymnasium in Anklam, dazugekommen. Deutschlandweit sind im Netzwerk 3.684 Bildungseinrichtungen engagiert.

Nach Angabe des Netzwerks entscheiden die Schulen selbst, welche Projekte durchgeführt und mit welchen Themen sich beschäftigt werden soll. Den Schulen zur Seite stehen dabei sowohl Koordinator:innen auf regionaler Ebene als auch verschiedene Kooperationspartner:innen und Pat:innen. Der Landesverband der GEW ist ein solcher Kooperationspartner in MV, bietet nach eigenen Angaben „eine Verbreitungsplattform, unterstützt Kampagnen und berichtet“ über Projekte an Schulen. Dabei seien gerade die Mitglieder der GEW MV, also die Lehrkräfte, diejenigen, die an den Schulen entscheidend mitgestalten. Dementsprechend sei es natürlich wichtig, „Demokratiepädagogik auch in die Ausbildung von Lehrkräften zu implementieren“, findet GEW-Vorsitzende Lindner.

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Redakteurin bei KATAPULT MV.

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