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Hanf-Landwirtschaft

Auf dem Weg zur Cannabis-Hochburg

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Lesedauer: ca. 4 Minuten

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Seit 2014 baut Rafael Dulon mit seinem Unternehmen „Hanf Farm“ im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Nutzhanf an, berät interessierte Betriebe, unterstützt bei der Hanf-Anmeldung, organisiert die regionale Ernte und entwickelt landwirtschaftliche Maschinen speziell für die Hanfernte und -aufbereitung. Das Wirkungsgebiet des Unternehmens erstreckt sich von Güstrow über Neustrelitz bis hin zur Grenze zu Brandenburg. Dulons Wunsch: die regionale Entwicklung fördern, nachhaltige Rohstoffe produzieren und einen neuen Industriezweig, direkt aus Meck-Vorp, begründen.

In Deutschland sind aktuell 73 Sorten von Cannabis sativa als Nutzpflanzen zugelassen und können von landwirtschaftlichen Unternehmen angebaut und geerntet werden. Die notwendige Zulassung durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung bekommt eine Sorte nur, wenn ihr Anteil des Wirkstoffs THC unter 0,2 Prozent liegt. Hanfsorten, die wegen ihrer berauschenden Wirkung geraucht werden, entstammen meist der Pflanze Cannabis indica und dürfen aktuell nicht auf legalem Weg in Deutschland angebaut werden. Im Jahr 2021 wurde bundesweit auf 6.444 Hektar Ackerfläche Nutzhanf angebaut. Im Vergleich zu anderen Bundesländern liegt Meck-Vorp mit 642 Hektar Cannabis auf Platz drei. Hanf belegt zwar nur 0,06 Prozent der gesamten Ackerfläche im Land, dennoch liegt Deutschlands größtes Biohanf-Cluster in MV, genauer im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.

Insgesamt haben in diesem Jahr 28 Betriebe im Land Hanfanbau betrieben. Nur in den Kreisen Nordwestmecklenburg, Vorpommern-Rügen sowie den Städten Rostock und Schwerin wurde kein Nutzhanf angebaut. Der industrielle Cannabisanbau ist in Mecklenburg-Vorpommern allerdings nichts Neues. Bereits 1936 wurde in Friedland eine Hanfröste gebaut, in der Dichtungsmaterial hergestellt wurde. Auch in der DDR war Hanf eine weitverbreitete Nutzpflanze und konnte bis 1973 legal angebaut werden.

Warum Nutzhanf angebaut wird

Erst seit 1996 erlaubt das deutsche Betäubungsmittelgesetz das Anbauen von Nutzhanf wieder. Nahezu alle Teile einer Cannabispflanze lassen sich verwerten. Hanffasern werden genutzt, um daraus Textilien, Papier oder nachhaltiges Dämm- und Baumaterial herzustellen. Aus den Samen werden medizinische Produkte, Kosmetik, Nahrungsergänzungsmittel, Öl oder Tierfutter produziert. Hanfblätter finden Verwendung in Tees und anderen Lebensmitteln.

Nicht alle landwirtschaftlichen Betriebe sind jedoch an der Ernte von Nutzhanf interessiert. Manchmal wird die Pflanze auch als Zwischenfrucht ausgebracht. Das bedeutet: Die Samen werden gesät, die Pflanzen wachsen zu einer bestimmten Größe heran und werden anschließend als biologischer Dünger in den Boden eingearbeitet.

Die Pflanzen erreichen – je nach Sorte – eine Höhe von bis zu fünf Metern und sind nach etwa 100 Tagen erntereif. Faserhanf wird dann bereits Ende Juli geerntet, Körnerhanf hingegen wird erst im September eingefahren.

Legalisierung und Meldepflicht

Für den legalen Hanfanbau müssen landwirtschaftliche Betriebe eine Menge bürokratischen Aufwand auf sich nehmen. Der Anbau muss bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung fristgerecht gemeldet werden. Außerdem müssen die Betriebe einen Nachweis über die Aussaat einer zugelassenen Sorte erbringen. Beginnen die Pflanzen zu blühen, muss ebenfalls eine Meldung abgegeben werden.Sind die Pflanzen erntereif, kann die Ernte erst beginnen, wenn die Bundesanstalt durch Stichproben eine Freigabe erteilt.

Weil der Hanfanbau vergleichsweise viel Papierkram mit sich bringt, schließen sich Betriebe häufig zusammen. Ein Unternehmen koordiniert die erforderlichen Meldungen und die Ernte, die anderen Betriebe beschäftigen sich mit Aussaat und Versorgung der Pflanzen. Diese Form von Vertragsanbau wird auch von Dulons Hanf Farm in der Mecklenburgischen Seenplatte betrieben. Im Jahr 2020 bewirtschafteten 13 Landwirtschaftsbetriebe im Landkreis zusammen 625 Hektar von landesweit insgesamt 756 Hektar Nutzhanf.

Wo Hanf wächst, wachsen auch Probleme

Für die Ernte und Aufbereitung werden spezielle Maschinen benötigt, die für die Betriebe Mehrkosten verursachen. Wenn ein Betrieb keine entsprechenden Erntemaschinen besitzt, muss auf Leihmaschinen zurückgegriffen werden. Wenn dann tatsächlich geerntet werden darf und alle Maschinen im Land bereits auf den Feldern arbeiten, müssen Betriebe mit Wartezeiten rechnen. Dann kann die Qualität der Ernte aufgrund von steigender Feuchtigkeit leiden.

Eine weitere Eigenheit des Hanfanbaus liegt in der öffentlichen Aufmerksamkeit. Regelmäßig gehen bei Polizei und Medien Meldungen zu den Hanffeldern ein. Rafael Dulon informiert die regionalen Behörden aus diesem Grund beständig über seine Anbaugebiete und kann so erfolgreich Großeinsätze der Polizei verhindern. Dulon berichtet außerdem, dass seine Felder häufig als Fotokulisse herhalten müssen. Für den Hanfpionier und seine Mitarbeiter:innen ist das kein Problem – es sei denn, die Interessierten halten mitten auf stark befahrenen Straßen und beeinträchtigen so die Sicherheit des Verkehrs. Probleme mit Vandalismus oder Diebstahl gebe es aber nur selten, berichtet Dulon.

Auch 2022 wird in Meck-Vorp wieder Nutzhanf angebaut werden. Die Zahl der interessierten Betriebe steigt jährlich. „Hanf Farm“ plant außerdem den Bau neuer Verwertungsanlagen, möchte Arbeitsplätze schaffen und Betriebe in ganz Deutschland in Sachen Hanfanbau aufklären.

Dieser Artikel erschien in Ausgabe 4 von KATAPULT MV. 

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Autor:innen

Geboren in Vorpommern, aufgewachsen in Mecklenburg. Einziger KATAPULT-Redakteur mit Traktorführerschein UND Fischereierlaubnis. Layouter und Chefredakteur.

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