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Kommentar

Demokratie beschützen heißt Kultur beschützen

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Am vergangenen Samstag war ich Gast auf einer Podiumsdiskussion in Berlin. Dazu eingeladen hatten die Omas gegen Rechts. Für alle zur Erinnerung: Bei der Gruppe handelt es sich um eine der größten Frauenbewegungen, die aktuell auf die Straße gehen.

Während der Veranstaltung haben wir über rechte Bedrohung der Kultur, Presse und Gesellschaft gesprochen – unter anderem mit dem Journalisten Peter Laudenbach. Er hat über einhundert rechte Angriffe auf die Kunstfreiheit in Deutschland dokumentiert und sich mit deren Folgen beschäftigt. 

Ich erzähle euch davon, weil ich in dem Gespräch sofort an die jüngsten Vorfälle in Greifswald denken musste. Hier hat die Initiative Bürgerentscheid Greifswald (IBG) gegen mehrere Kultur- und Bildungseinrichtungen für junge Menschen gehetzt. Die IBG initiierte vor etwa einem Jahr einen Bürgerentscheid in Greifswald mit dem Ziel, die Aufnahme von Geflüchteten in der Stadt zu verhindern.

In den sozialen Medien diffamierte die IBG unter anderem das Jugendzentrum Klex, das Kultur- und Initiativenhaus Straze sowie das internationale Kultur- und Wohnprojekt Ikuwo. Diese seien „versiffte Buden“, „Brutstätten linker Subkulturen“ oder „kommunistische Kaderschmieden“. 

Tatsächlich leisten diese Einrichtungen einen erheblichen Anteil von Kultur- und Bildungsarbeit in Greifswald. Die Orte bieten ein geschütztes Umfeld, sind Raum für Ideen, setzen sich für Vielfalt ein und bringen ganz einfach Leben in die Stadt.

Solche Begegnungsorte braucht jede Region. Solche Begegnungsorte braucht jede Demokratie. Sicher ist auch, dass antidemokratische Gruppierungen und Parteien wie die IBG oder die AfD solchen Kultur- und Bildungsangeboten wohl zuerst den Hahn zudrehen würden, wenn sie durch die Kommunalwahl in die Lage kämen, ernsthafte Entscheidungen zu treffen. Das machen sie durch Aktionen wie in Greifswald nur allzu deutlich.

Und ich bin ehrlich gesagt überrascht, wie zurückhaltend und still viele Kulturschaffende im Land sind. Egal ob kleiner Club oder großes Festival. Egal ob Begegnungsraum in der Stadt oder offenes Atelier auf dem Land. Dazu ein Appell an alle Kunst- und Kulturschaffenden im Land: Lasst euch eure mühsam aufgebaute Kulturlandschaft nicht nehmen. Wehrt euch gegen Angriffe von Rechts. Schließt euch zusammen. Macht euch Mut. Verteidigt die Demokratie – verteidigt eure Projekte. Nutzt eure Communities!

Ihr könnt dabei helfen, dass dieser Aufruf möglichst viele Kulturschaffende in MV erreicht. Ein paar Beispiele: das Fusion Festival in Lärz, das La Grange in Bergen auf Rügen, die Fellfresse in Wismar, das Freiland Festival in Broock, das Komplex in Schwerin, das Immergutfestival in Neustrelitz, das AJZ in Neubrandenburg, die Kachelofenfabrik in Neustrelitz, das Peter-Weiss-Haus in Rostock oder das Theater Vorpommern.


Die Liste von Kulturschaffenden ist lang. Ihre Bedeutung für Mecklenburg-Vorpommern ist enorm. Wir wollen alle behalten!

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Autor:innen

Geboren in Vorpommern, aufgewachsen in Mecklenburg. Einziger KATAPULT-Redakteur mit Traktorführerschein UND Fischereierlaubnis. Layouter und Chefredakteur.

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