Zum Inhalt springen

Modellversuch Fahrradstraße

Durchfahrtssperre für Autos an der Langen Straße

Von

Artikel teilen

Fahrräder können nebeneinander fahren, Autofahrer:innen dürfen nicht überholen und müssen sich dem Radverkehr unterordnen: So soll der Verkehr in der Rostocker Langen Straße ab Mai für ein Jahr probeweise geregelt sein. Angeschoben hat den Modellversuch Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos).

Nun plant das städtische Mobilitätsamt außerdem, die Straße Vogelsang in beide Richtungen für Autos zu sperren und nur noch Fahrräder und Rettungsfahrzeuge passieren zu lassen. Autos können dann vom Kröpeliner Tor kommend nur noch an der Ecke zum Neuen Markt wenden und zurückfahren. Um von der Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV) in die östliche Altstadt zu gelangen, müssen Autos auf die Straße Am Strande im Norden oder die August-Bebel-Straße im Süden ausweichen.

Wie genau die Durchfahrtssperre aussehen soll, steht noch nicht fest. Schilder, bunte Markierungen und Piktogramme auf der Fahrbahn sollen außerdem auf die neue Regelung aufmerksam machen.

Eine Möglichkeit der Durchgangssperre vom Vogelsang zur Langen Straße (Foto: Amt für Mobilität Rostock)

„Die Durchfahrtssperre könnte der Game Changer für die Fahrradstraße Lange Straße werden“, sagt Marie Heidenreich vom Radentscheid Rostock. Ohne Umbaumaßnahmen würde sich für den Verkehr in der Langen Straße nicht viel ändern: Schon jetzt ist das Überholen von Fahrrädern durch Autos verboten, da der Mindestabstand zu Radler:innen nicht eingehalten werden kann. Doch daran halten sich wenige. Der verringerte Autoverkehr soll die Anzahl an Unfällen reduzieren und das Sicherheitsgefühl der Radfahrer:innen erhöhen. Gleichzeitig bleiben alle Geschäfte, Parkhäuser und Parkplätze in der Langen Straße mit dem Auto erreichbar.

Ziel der Gesamtmaßnahme ist es, den Radverkehrsanteil zu steigern und die Verkehrswende hin zu emissionsarmer, umweltfreundlicher Mobilität in Rostock voranzutreiben.
Pressemitteilung Hanse- und Universitätsstadt Rostock

Die Lange Straße ist ein Problemkind der Rostocker Fahrradstrecken: Durch die seitlich zur Fahrbahn ein- und ausparkenden Autos kam es oft zu gefährlichen Situationen für Radfahrer:innen auf dem Radstreifen. 2018 wurde er daher für Fahrräder gesperrt, diese sollen sich seitdem die Fahrbahn im Mischverkehr mit Autos teilen. Dann kann der Mindestabstand von 1,50 Metern zu überholenden Autos nicht eingehalten werden – was nicht alle Autofahrer:innen vom Überholen abhält.

Der Radentscheid demonstrierte 2018 mit Poolnudeln, dass nach der Sperrung der Fahrradspur der Mindestabstand beim Überholen nicht eingehalten werden kann. (Foto: Radentscheid Rostock)

Die Folge: Unsicherheit und Angst bei den Zweiradfahrer:innen, Unverständnis und Ungeduld aufseiten der Autofahrer:innen. Mitunter wichen Radfahrer:innen auf den gesperrten Radweg oder die Fußwege aus und gefährdeten so sich selbst oder Fußgänger:innen.

Erster Verkehrsversuch für sicheren Radverkehr in Rostock

Während der einjährigen Projektphase werden quantitative und qualitative Verkehrsdaten erhoben und die Auswirkungen auf den Verkehr dokumentiert. Die Lange Straße soll laut Madsen eine „Blaupause für zahlreiche weitere Fahrradstraßen in Rostock“ werden. Bisher gibt es laut Verkehrssenator Holger Matthäus (Grüne) drei Fahrradstraßen in Rostock: den Groß Kleiner Weg von Lichtenhagen nach Warnemünde, die Verbindungsstraße vom S-Bahnhof Lütten Klein nach Schmarl und Am Bahnhof Bramow. Neben der Langen Straße befinde sich auch die Ulmenstraße in der KTV vor der Umsetzung, weitere Fahrradstraßen seien in Planung.

MV braucht mehr als nur eine Zeitung pro Region. Holt euch ein KATAPULT-MV-Abo!

Schon 5.533 Abonnent:innen

196,6 %

🎉 Ziel I:

19.000 Euro

Ziel II: 57.000 Euro

(11.400 Original-Abos)

Fußnoten

  1. Hanse- und Universitätsstadt Rostock (Hg.): OB Claus Ruhe Madsen will Lange Straße zur Fahrradstraße machen, auf: rathaus.rostock.de (22.6.2021).
  2. Hanse- und Universitätsstadt Rostock (Hg.): Modellprojekt Lange Straße – Fahrradstraße, auf: rathaus.rostock.de (27.1.2022).

Autor:innen

ist Redakteurin in Rostock.

Neueste Artikel

Keine Rotorblätter mehr aus Rostock

Bei einer Betriebsversammlung wurden die Angestellten des Rotorblattwerks des Herstellers Nordex heute über die endgültige Schließung ihres Standorts informiert. Ab Ende Juni werden damit an der Warnow keine Rotorblätter mehr gefertigt. Nach NDR-Informationen besteht für die Angestellten nun die Möglichkeit, in eine Transfergesellschaft zu wechseln und eine Abfindung anzunehmen. Das zweite Nordex-Werk, welches Gondeln für Windräder fertigt, bleibt erhalten.

Es war der Trockenmörtel

Die Untersuchungen um die 2017 abgesackte A 20 bei Tribsees haben ergeben: Die eingebauten Säulen aus Trockenmörtel, die den Untergrund stabilisieren sollten, waren überlastet.

Neonazis nutzen illegal öffentliche Flächen

Rechtsextremisten haben im Dorf Jamel offenbar mehrere Flächen vereinnahmt, die der Gemeinde Gägelow gehören. Eines der Grundstücke dient als Lager, ein anderes als illegale Mülldeponie. Zumindest in einem Fall ist die Verwaltung bereits aktiv geworden.