Zum Inhalt springen

Befragung in Rostock

E-Roller ersetzen CO2-neutrale Verkehrsmittel

Von

Welche Verkehrsmittel ersetzen E-Roller laut einer Befragung von Nutzenden in Rostock, Mehrfachnennung möglich: Füße 70 Prozent; ÖPNV 38 Prozent; Rad 19 Prozent; Auto 19 Prozent

Artikel teilen

„Man kann (..) von einer deutlichen Kannibalisierung der umwelt- und stadtverträglichsten Fortbewegungsarten sprechen.“ Zu diesem Ergebnis kommt das Mobilitätsamt in seiner Studie zur Nutzung von E-Rollern in Rostock. 

Die Strecken, die die Befragten im Herbst letzten Jahres mit den E-Rollern zurückgelegt haben, wurden vor der Ansiedlung der Flitzer zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt – den umweltfreundlichsten Fortbewegungsmitteln. Damit stoßen gemietete Elektroscooter mehr CO2 aus als die Verkehrsmittel, die sie ersetzen. Denn auch E-Scooter – insbesondere gemietete – sind mitnichten  CO2-neutral. E-Roller leisten somit keinen Beitrag zur sogenannten Verkehrswende, den nachhaltigen Umstieg vom Auto auf umweltschonende Verkehrsmittel.

CO2-Emissionen von Verkehrsmitteln in Gramm pro Personenkilometer: eigenes E-Bike 34; eigener E-Roller 42; Miet-E-Bike 83; Miet-E-Roller 107; eigenes Auto 135.

Ganze 70 Prozent der Befragten hätten den Fahrtweg mit dem Scooter früher zu Fuß zurückgelegt. So landete auch auf Platz drei der Gründe für die Nutzung von E-Rollern: keine Lust zu Fuß zu gehen. Mit 70 Prozent wurde am häufigsten die Schnelligkeit genannt, mit 35 Prozent am zweithäufigsten die Verfügbarkeit der Geräte. 

Die Rostocker Befragung bestätigt die Befunde anderer Untersuchungen, nach denen E-Roller nicht umweltschonend sind. Dennoch empfehlen die Macher:innen der Studie, das Angebot an E-Rollern zusammen mit privaten Anbietern auszubauen – zumindest in Kombination mit anderen Leihangeboten und dem öffentlichen Nahverkehr. Der Grund: Die Hoffnung, dass junge Menschen sich erst später oder gar kein privates Auto anschaffen, wenn sie ihre flexible Verkehrsmittelwahl bewahren.

Kooperation zwischen Amt und Anbietern

Ein weiterer möglicher Grund: Das Mobilitätsamt führte die Studie zusammen mit zwei E-Roller-Anbietern aus Rostock durch. Diese riefen ihre Kund:innen via App beziehungsweise E-Mail zur Teilnahme an der Befragung auf. Im Gegenzug boten die Anbieter einen finanziellen Anreiz. Welche die beiden Anbieter sind und welche Anreize jeweils geboten wurden, geht aus der Studie nicht hervor. 

1.716 Personen nahmen innerhalb von 14 Tagen im Oktober und November 2021 an der Onlinebefragung teil. 88 Prozent der Befragten wohnen in Rostock, fünf im Landkreis und sieben woanders.

„Junge Männer wollen Spaß“

Doch die Studienmacher:innen sehen die Tendenz hinsichtlich Alter und Geschlecht kritisch: Die Studienteilnehmer:innen sind vorwiegend zwischen 20 und 39 Jahre alt, zwei Drittel sind unter 30. Außerdem waren 74 Prozent der Befragten männlich.

Kann man anhand der Ergebnisse der Rostocker Nutzerbefragung also resümieren: „Junge Männer wollen Spaß“? Ja, doch die Auswertung zeigt auch, dass e-Tretroller zu einem multimodalen Mobilitätsverhalten bei Jüngeren beitragen.
Ergebnisse einer Nutzerbefragung des Mobilitätsamts Rostock

Doch ob lediglich mehr Männer an der Umfrage teilgenommen haben oder tatsächlich hauptsächlich Männer E-Roller leihen, geht aus der Befragung nicht hervor. Die Art der finanziellen Anreize könnte eine Rolle gespielt haben.

Befragte der Studie zur Nutzung von E-Rollern: 74 Prozent männlich, 25 Prozent weiblich, ein Prozent divers; vorwiegend zwischen 20 und 39 Jahre alt, zwei Drittel unter 30.

Durch Rostock düsen 2.000 E-Roller von vier Verleihfirmen. Damit ist Rostock die rollerreichste Stadt des Landes. Wismar hingegen wehrt sich seit 2021 erfolgreich gegen die Ansiedlung von Anbietern.

E-Roller in MV: Rostock: 500 Moin, 600 Tier, max. 500 Lime, 230-300 Voi; Greifswald: 100 Moin, 140 Tier; Schwerin: 100 Moin, 100 Tier; Stralsund: 100 Moin, 100 Tier; Neubrandenburg: 100 Moin.

MV braucht mehr als nur eine Zeitung pro Region. Holt euch ein KATAPULT-MV-Abo!

Schon 5.373 Abonnent:innen

190,0 %

🎉 Ziel I:

19.000 Euro

Ziel II: 57.000 Euro

(11.400 Original-Abos)

Fußnoten

  1. Hanse- und Universitätsstadt Rostock (Hg.): Leih-E-Tretroller – Ein Beitrag zur Verkehrswende? Ergebnisse einer Nutzerbefragung der Hanse- und Universitätsstadt Rostock, S. 5, auf: rathaus.rostock.de (Mai 2022).
  2. Ebd.
  3. Reck, Daniel J. u.a.: Mode choice, substitution patterns and environmental impacts of shared and personal micro-mobilty, auf: sciencedirect.com (Januar 2022) / Hobusch, Jessica u.a. (2021): E-Scooter – Freizeitspaß oder alternatives Mobilitätsangebot?. Forschungsstudie. Straßenverkehrstechnik 1.2021.
  4. Hanse- und Universitätsstadt Rostock (Hg.): Leih-E-Tretroller – Ein Beitrag zur Verkehrswende? Ergebnisse einer Nutzerbefragung der Hanse- und Universitätsstadt Rostock, S. 6, auf: rathaus.rostock.de (Mai 2022).
  5. Ebd., S. 2.
  6. Ebd., S. 2, 3, 6.
  7. Ebd., S. 3.
  8. Hanse- und Universitätsstadt Rostock (Hg.): Neue Regeln für Elektro-Tretroller – LIME legt Winterpause ein, auf: rathaus.rostock.de (28.1.2022).

Autor:innen

Geboren in Rostock.
Aufgewachsen in Rostock.
Studierte in Rostock. Und Kiel.

Neueste Artikel

Tag der Einheit

In MV herrscht Einheit. Besonders lange schon in Tessin.

Tag der offenen Moschee

Zum Tag der offenen Moschee laden die muslimischen Gemeinden im Land heute zum gemeinsamen Austausch ein.

300 Therapieplätze ersatzlos gestrichen

Ende Juli gaben die Median-Kliniken die Schließung des Standortes Schelfstadt in Schwerin zum 30. September bekannt. Wirtschaftliche Gründe seien ursächlich für diesen Schritt. Dadurch fallen kurzfristig und vorerst ersatzlos 300 Therapieplätze für Abhängigkeits- und psychisch Kranke weg. Die Folgen der Schließung sehen Suchtexpert:innen schon jetzt. Denn nichtdurchgeführte Suchttherapien können in Arbeits- und Wohnungslosigkeit münden und zu Folgeerkrankungen von Sucht wie Krebs- und Lebererkrankungen führen, heißt es von der Landeskoordinationsstelle für Suchtthemen.