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Internationaler Holocaustgedenktag

Erinnerung in Rostock

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Seit 2001 werden Steine in Rostocker Gehwege eingelassen, die an Jüd:innen und Opfer der sogenannten „Euthanasie“ erinnern, die im Nationalsozialismus verfolgt, vertrieben und ermordet wurden. 70 Denksteine mit Namen, Wohnort, Todesdatum und Todesort sind es mittlerweile. „Und es werden stetig neue verlegt. Unserer Recherche nach waren etwa 100 Frauen, Kinder und Männer von der Shoa in Rostock bis 1945 betroffen. Die meisten von ihnen wurden nach Auschwitz deportiert und dort ermordet“, sagt Jan-Peter Schulze, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins des Max-Samuel-Hauses, der das Projekt betreut.

Spaziergang entlang der Denksteine

Vor einem Jahr hat die Stiftung Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur in Rostock eine Broschüre mit einer Karte der Denksteine herausgegeben. Um Menschenansammlungen zu verhindern, können so alle einzeln oder in kleinen Gruppen auf Spaziergängen der Opfer des Nationalsozialismus gedenken. „Etliche haben das auch bereits gemacht. Die Steine, Orte und Menschen sind durch die Broschüre bekannter geworden“, resümiert Steffi Katschke, Leiterin des Max-Samuel-Hauses.

Gleichzeitig sollen sich durch die Denksteine Rostocker:innen nicht nur einmal jährlich zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern, sondern auch im Alltag, wenn sie über die Denksteine auf ihren täglichen Wegen stolpern. „Stolpersteine“ dürfen sie in Rostock aus Urheberrechtsgründen nicht genannt werden.

Anlässlich des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar hat die Stiftung am Sonntag das erste Mal zum Reinigen der Denksteine aufgerufen. 56 Helfer:innen kamen und putzten alle 70 Rostocker Denksteine. „Wir waren überrascht, dass so viele geholfen haben“, sagt Steffi Katschke. „Eigentlich wollten wir nur die Steintor-Vorstadt machen. Aber bei so vielen konnten wir alle Denksteine reinigen.“ Doch der Glanz hält nicht lange, etwa eine Woche. Mindestens einmal im Jahr soll die Putzaktion wiederholt werden.

Die Denksteine müssen regelmäßig geputzt werden. (Foto: privat)

Dezentrales Gedenken im Rosengarten

Auch das jährliche Gedenken im Rosengarten wird wieder coronakonform stattfinden: Vereine, Initiativen und Privatpersonen sind dazu aufgerufen, einzeln über den Tag verteilt am Denkmal am Rosengarten Blumen und Kränze niederzulegen.

Szenische Lesung als Livestream aus dem Ateliertheater

Um 20 Uhr lesen die Schauspieler:innen Ute Kaiser, Gabriela Börschmann und Martin Molitor das „Olga-Benario-Projekt“, einen Briefwechsel zwischen der inhaftierten Widerstandskämpferin Olga Benario und ihrem Mann Luiz Carlos Prestes, aber auch aus den umfangreichen Akten der Gestapo zu Olga Benario. „Der von der Gestapo so genannte ‚Vorgang Benario‘ ist“, so der Literaturwissenschaftler Robert Cohen, „die vermutlich umfassendste Sammlung von Dokumenten zu einem einzelnen Opfer des Holocaust.“ In der Lesung prallen die Welt des Opfers und die Welt der Täter aufeinander und zeigen so den radikalen Gegensatz zwischen der Sprache Liebender und nationalsozialistischer Amtssprache.

Interessierte können sich unter veranstaltungen@die-beginen-rostock.de anmelden. 

Die Lesung ist eine Kooperation zwischen der Jüdischen Gemeinde, dem Volkstheater, dem Frauen*kulturverein Beginen und dem Landesfrauenrat, in Zusammenarbeit mit Anita Leocádia Prestes, der Tochter Olga Benarios, und Robert Cohen.

Online-Filmgespräch zum Dokumentarfilm „Nachlass“

In einem Online-Filmgespräch am kommenden Montag (31.1.) um 19 Uhr sprechen die Macher:innen des Films „Nachlass“, Christoph Hübner und Gabriele Voss, und Peter Pogany-Wnendt vom Arbeitskreis für intergenerationelle Folgen des Holocaust über die Rolle, die die familiäre Aufarbeitung für die Erinnerungskultur spielt. Interessierte können sich unter post@boell-mv.de anmelden. Die Veranstaltung ist eine Kooperation zwischen der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Lichtspieltheater Wundervoll.

Der Film selbst kann vorab kostenfrei in der Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung gesehen werden. Die Dokumentation befragt sieben Nachkommen von sowohl NS-Tätern als auch Holocaust-Überlebenden zu ihren Beziehungen zu diesen Familienmitgliedern: Wie erinnern wir uns an den Holocaust und die Verbrechen im Nationalsozialismus? Wie gehen die Nachkommen mit diesem „Nachlass“ der verstorbenen Täter um? Was fühlen sie nach der Entdeckung der verschwiegenen Vergangenheit?

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Autor:innen

ist Redakteurin in Rostock.

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