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Kultur

Gedenktag auf dem Jüdischen Friedhof in Schwerin

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Schwere Wolken ziehen am 27. Januar über die Landeshauptstadt, in deren Werdervorstadt recht unscheinbar der Jüdische Friedhof liegt. Heute kennen nicht viele Bürger:innen diesen Ort und gerade deshalb traf sich die Stadtgesellschaft zum Gedenktag der jüdischen Opfer des Holocausts an dieser Stelle. Stadtpräsident Sebastian Ehlers (CDU), der Vorsitzende des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in MV, Valeriy Bunimov, Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) und der Vorsitzende des Kulturausschusses, Daniel Trepsdorf, legten der Tradition folgend als Erste kleine weiße Steine an einem zentralen Gedenkstein mit der Inschrift „Zur Erinnerung an den jüdischen Friedhof, der dem Terror zum Opfer fiel. Errichtet im Oktober 1948“ nieder. Zum Abschluss der Veranstaltung gab Stadtarchivar Bernd Kasten eine kurze Führung über den Friedhof und zeigte anhand von fünf exemplarischen Einzelschicksalen die bewegte Geschichte der letzten 300 Jahre.

Als Flakstellung missbraucht

Im Jahr 1717 wurde der historische Friedhof in Schwerin angelegt. Auf einem langgestreckten Grundstück mit Feierhalle sollten die jüdischen Gemeindemitglieder ihre letzte Ruhe finden. Heute ist das Grundstück auf der einen Seite von der Bornhövedstraße durchschnitten und auf der anderen Seite stehen Einzelhäuser. Ein Sinnbild für die Geschichte der Schweriner Jüdinnen und Juden. Ende des 19. Jahrhunderts waren sie angesehene, gleichgestellte Bürger:innen dieser Stadt. Doch in der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Jüdinnen und Juden vertrieben, ermordet oder haben sich in ihrer Verzweiflung selbst das Leben genommen. Ab 1942 wurde der Jüdische Friedhof von der Luftabwehr der Wehrmacht als Flakstellung genutzt und alle Grabsteine als Bodenplatten missbraucht. 1946 gründeten die wenigen überlebenden Juden und Jüdinnen in Schwerin einen „Vorbereitenden Ausschuss zur Bildung einer jüdischen Kultusvereinigung Mecklenburg-Vorpommern“.

58 Zeugnisse

Im Rahmen des Gedenkjahres „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ im vergangenen Jahr entstand eine Sonderausstellung. Bis zum 6. März zeigt das Kulturforum Schleswig-Holstein-Haus die Geschichte des alten jüdischen Friedhofs und beleuchtet Kurzbiografien in „58 Zeugnissen“. Die Ergebnisse, die der Direktor des Stadtarchivs, Bernd Kasten, in einer Publikation zusammengetragen hat, bieten neue Einblicke in die Schweriner Stadtgeschichte der vergangenen 300 Jahre. Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr im Schleswig-Holstein-Haus zu sehen. Die Publikation ist dort ebenfalls erhältlich. Beide sind kostenfrei.

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Fußnoten

  1.  Kasten, Bernd: Der alte jüdische Friedhof in Schwerin, Schwerin 2022, S. 24.

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