Zum Inhalt springen

Greifswalder FC

Klassenerhalt zuerst!

Von

Artikel teilen

KATAPULT MV: Sie sind mit Zwickau auch schon mal in die Regionalliga und danach sogar in die Dritte Liga aufgestiegen. Gibt es da Ähnlichkeiten zu Greifswald?
David Wagner: Einige Sachen sind wie ein Déjà-vu. Es gibt viele Parallelen, das muss man schon sagen.

Wo genau?
Wagner: Besonders im Bereich der Professionalisierung. Der Verein hier hat eine eigene Substanz, eine eigene DNA, wenn man so will. Am Ende geht es aber nicht darum, dass ich da Ähnlichkeiten sehe, sondern, dass ich mich hier auch anpasse.

In welchen Bereichen findet man die Professionalisierungschritte?
Wagner: In allen Bereichen. Beim Sport, aber auch in der Geschäftsstelle, Finanzen, Marketing, Ticketing. Dort bauen wir gerade neue Strukturen auf. Wichtig ist es uns dabei besonders, nicht plastisch zu werden, sondern eine Herzenswärme zu behalten.

Wie viele Angestellte habt ihr derzeit, die nicht auf dem Sportplatz stehen?
Heiko Jaap: Vier sind angestellt und weitere vier sind halb dabei. Es gibt einen fließenden Übergang. Wir haben ja eine GmbH gegründet für die erste Mannschaft und die A-Jugend. Auf der anderen Seite haben wir den Verein. Es ist hier besonders wichtig, dass wir uns gemeinschaftlich entwickeln.

Soll diese Rechtsform so bleiben?
Jaap: Ja, das soll so bleiben. Es gibt auch nur noch zwei Bundesligavereine, die das anders machen und die so ihre Probleme haben.

Wie sieht das derzeit aus mit den Sponsoren? Es gibt einen großen – werden weitere gesucht?
Jaap: Grundsätzlich brauchen wir einen Sponsorenbetreuer. Der soll am besten aus der Region kommen. Da ist Substanz da, vor allem von den Menschen, die ich hier kennengelernt habe. Aber da steckt vieles noch in den Kinderschuhen. Wir brauchen also dringend neue Partner.

Wo befinden wir uns im Ligavergleich beim Sponsoring?
Wagner: Das kann ich nur schwer bewerten.

Jaap: Wir sind da nicht ganz oben, das kann man sagen, das ist aber für Neulinge auch normal.

Wagner: Wir werden als nicht normaler Aufsteiger angesehen. Das sehe ich als sehr positiv. Wir haben einen engagierten Hauptsponsor, aber wir sind weit weg von einem Sponsorenmodell.

Sind alle Spieler Profis, also machen die das hauptberuflich?
Wagner: Ganz genau. Niemand aus der Mannschaft muss neben dem Sport noch woanders arbeiten.

Gibt es einen Standortnachteil in Greifswald?
Wagner: Der Standort ist einfach nur geil! Wir haben lediglich einen Entfernungsnachteil. Wir werden am Ende der Saison am meisten Kilometer gefahren sein.

Ist das schlimm?
Wagner: Nee. Man muss es nur einplanen. Bei weiten Touren, wie nach Jena, müssen wir einen Tag früher anreisen, damit die Jungs fit ins Spiel können und nicht von der Fahrt platt sind. Auch das gehört zur Professionalität dazu.

Wie viele Mitglieder hat der Verein?
Wagner: Etwa 500 Mitglieder. Wir haben den Mitgliedsbeitrag von 198 auf 99 Euro gesenkt. In Zukunft wollen wir die Mitgliederzahl deutlich erhöhen.

Es wird immer veröffentlicht, dass der Verein einen sechsstelligen Betrag zur Verfügung hat. Gibt es da auch genaue Zahlen?
Wagner: Nee, das veröffentlichen wir nicht.

Wie viele von denen, die im letzten Spiel der Vorsaison in der Startelf waren, stehen heute noch in der Startelf?
Wagner: Beim letzten waren es drei. Im ersten Spiel war es einer, im zweiten Spiel zwei. Im gesamten Kader sind es aber schon noch mehr.

Ist das normal?
Wagner: Wir wussten, dass wir viel tun müssen, und haben da genau abgewogen, welche Spieler wir noch mal in die Vorbereitung nehmen.

Wann steigt Greifswald in die Dritte Liga auf?
Wagner: Das ist jetzt noch kein Thema für uns. Es wäre fatal, wenn wir über den nächsten Step reden, bevor wir den ersten gemacht haben. Wir müssen jetzt erst mal die Liga halten.

Das Ziel ist es aber schon?
Wagner: Ja, wir wollen die Professionalisierung und wir wollen jetzt nicht zehn Jahre in der gleichen Liga spielen, das ist klar. Das ist schon fast hochnäsig, wenn ich mich so höre, aber so ist das gar nicht gemeint. Wir machen erst den ersten Schritt und dann sehen wir weiter.

Wie haben sich die Besucherzahlen entwickelt?
Wagner: Letzte Saison waren es 300 bis 400 und diese Saison hatten wir mit einem Schnitt von 1.000 gerechnet und liegen jetzt deutlich höher. Eher bei 2.000. Wir hatten aber auch gleich am Anfang die großen Teams bei uns. Das könnte etwas nachlassen.

Wird sich hier eine aktive Fanszene wie in Rostock entwickeln?
Wagner: Wir sind der festen Überzeugung, dass sich die Bevölkerung mit uns identifizieren kann. Wir arbeiten nach Werten, wir wollen das Familiäre und das wird am Ende auch Fans anziehen.

Jaap: Man sieht jetzt schon eine Gruppe, die deutlich aktiver ist und eine gute Stimmung macht. Das wird immer mehr werden.

Wir sind der festen Überzeugung, dass sich die Bevölkerung mit uns identifizieren kann. Wir arbeiten nach Werten, wir wollen das Familiäre und das wird am Ende auch Fans anziehen.
David Wagner, Geschäftsführer des GFC

Fans machen gute Stimmung, manche sind aber auch menschenverachtend, wie einige Hansa-Fans. Würdet ihr dagegen vorgehen, wenn sich sowas in Greifswald entwickeln würde?
Jaap: Absolut. Wir sind menschenfreundlich und politisch neutral.

Ihr würdet euch also etwas überlegen, wenn was stattfinden würde?
Jaap: Selbstverständlich.


Wagner: Der Vorteil ist auch, dass wir uns jetzt mit den Fans gemeinsam entwickeln können. Wir werden Reibung haben und sicher nicht immer der gleichen Meinung sein, aber am Ende werden wir immer unsere klaren Werte durchsetzen.

Gab es denn schon Vorfälle?
Wagner: Nee. Eigentlich nicht.

Und die Gäste?
Wagner: Große Anerkennung für die Fans von Lok Leipzig. Da will ich echt mal ein Kompliment aussprechen. Unsere ersten Regionalliga-Gäste haben sich hier sehr gut benommen und das, obwohl sie verloren haben.

Gibt es noch Probleme, weil die Gäste in Greifswald nicht in den Gästeblock wollen?
Jaap: Da fehlen die Traversen. Das hat die Stadt so gebaut. Wenn es regnet, kann man da gar nicht stehen. Die Traversen werden jetzt einfach gebaut. Derzeit stehen die Gäste deshalb auf Geraden. Da kann man nicht ausrutschen.

Wie lange dauert der Stadionneubau am Helmshäger Berg?
Jaap: Wir werden auf jeden Fall noch diese und nächste Saison hier spielen.

Wird das Lied Layla bei Siegen weiterhin gespielt?
Wagner: Viele wünschen sich das Layla-Lied, manche finden es unpassend. Ich kann beides verstehen und will da auch niemanden vergraulen. Wir gucken mal.

Jaap: Ich mag ja eigentlich Schlager, aber wir haben ja auch ein GFC-Lied. Das fanden manche etwas harmlos, aber hört selbst. (Sucht es auf dem Handy raus und spielt es ab.)

Wagner: Find ich eigentlich voll gut!

Dieser Artikel erschien in Ausgabe 12 von KATAPULT MV.

MV braucht mehr als nur eine Zeitung pro Region. Holt euch ein KATAPULT-MV-Abo!

Schon 5.260 Abonnent:innen

186,0 %

🎉 Ziel I:

19.000 Euro

Ziel II: 57.000 Euro

(11.400 Original-Abos)

Autor:innen

Ist einsprachig in Wusterhusen bei Lubmin in der Nähe von Spandowerhagen aufgewachsen, studierte Politikwissenschaft und gründete 2021 KATAPULT MV.

Veröffentlichungen:
Die Redaktion (Roman)
Fredrich rastet aus

Neueste Artikel

Übergriff war erfunden

Nachdem es in Loitz einen mutmaßlichen Übergriff auf ein elfjähriges Mädchen gegeben hatte, vermuteten einige Bürger:innen den Täter aus den Reihen der kurz zuvor dort untergebrachten Geflüchteten. Sie stellten Stadt und Landkreis in einem Drohbrief kurz darauf ein Ultimatum, unter anderem für mehr Schutzmaßnahmen im Ort und die Abschottung der Geflüchteten. Jetzt kam ans Licht: Den Übergriff gab es gar nicht.

Straßennamen in Rostock

Vielleicht kann die erste Oberbürgermeisterin der Stadtgeschichte ab Mittwoch für Ausgleich sorgen? Immerhin wurde jetzt der Radschnellweg am Südstadt-Campus nach der Rostocker Chemikerin Else Hirschberg benannt. Sie hat 1898 als erste Frau an der Uni Rostock das Verbandsexamen in Chemie abgelegt. Wegen ihrer jüdischen Herkunft wurde sie 1942 in Auschwitz umgebracht. Ein Denkstein in der Schillerstraße 29 erinnert an Else und ihre Schwester Margot. Der Radschnellweg verläuft übrigens zwischen Albert-Einstein-Straße und Erich-Schlesinger-Straße.
Schweriner Stadtarchivar Dr. Bernd Kasten im Audio-Interview

Schweriner Stadtarchivar im Audiointerview

In Deutschland wird heute an das Leid der Opfer des NS-Regimes erinnert. Mit dem Direktor des Stadtarchivs Schwerin, Bernd Kasten, hat KATAPULT MV über Erinnerungskultur und Gedenken in MV gesprochen.