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Brandserie

Neubrandenburg verliert 80 Bootsschuppen in sechs Wochen

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Im Süden von Neubrandenburg erstreckt sich der Tollensesee. Das Gewässer gilt als eines der saubersten im Land. Im Jahr 2014 wurde die Wasserqualität sogar mit dem Prädikat „ausgezeichnet” bewertet. Der Tollensesee bietet mit seinen fast 18 Quadratkilometern viel Platz für Wassersportler:innen. Rund um den See befinden sich zahlreiche Stege und Bademöglichkeiten zum Schwimmen oder Tauchen. Zusätzlich zum Fährverkehr kann der Tollensesee außerdem mit Motorbooten befahren werden.

Am nördlichen Ufer des Tollsensesees entspringen der Ölmühlenbach und der Oberbach. Die beiden Bachläufe vereinigen sich nach knapp zwei Kilometern Strecke zum Tollense-Fluß. Am Oberbach befindet sich Neubrandenburgs größte Bootsschuppenanlage mit mehr als 400 Schuppen. Die Anlage besteht seit circa 100 Jahren und wird von der Haveg Immobilien GmbH für die Stadt Neubrandenburg verwaltet. Pächter:innen sind vorwiegend Privatpersonen und Vereine.

Brandserie

Am Morgen des 17. April wurde der erste Brand gemeldet. Fünf Bootsschuppen wurden beschädigt. Ein Bootshaus brannte komplett aus. Zusätzlich kam das Nebengebäude eines örtlichen Fischereiunternehmens zu Schaden. Es traten verschiedene Kraftstoffe aus und gelangten in den Ölmühlenbach. Schon im April nahm die Polizei Ermittlungen wegen des Verdachts der Brandstiftung auf. Der Schaden des ersten Brandes wird auf etwa 100.000 Euro geschätzt. Die Polizei ermittelt noch. 

Knapp drei Wochen später musste die Feuerwehr erneut zur Bootsschuppenanlage in der Schillerstraße ausrücken. Am 5. Mai wurden bei einem zweiten Brand insgesamt 54 Schuppen komplett zerstört. Auch hier ermittelt die Polizei noch wegen Brandstiftung und Gewässerverunreinigung.E Etwa 50 Feuerwehrleute beteiligten sich an den Löscharbeiten. Neubrandenburgs Feuerwehrchef, der sogenannte Stadtbrandoberrat, Frank Bühring berichtet, dass während des  Einsatzes etwa 300.000 Liter Wasser verbraucht wurden. Das entspricht einem Jahresverbrauch von knapp sieben Single-Haushalten.

In der Nacht des 18. Mai ging erneut ein Notruf in der Neubrandenburger Feuerwehr ein. Die Bootsschuppenanlage stand das dritte Mal innerhalb von zwei Monaten in Flammen. Insgesamt sind dabei 13 Bootsschuppen samt Inhalt beschädigt worden oder komplett ausgebrannt. Der entstandene Schaden wurde auf etwa 100.000 Euro geschätzt. Der durch diese Brandserie entstandene Gesamtschaden beläuft sich auf circa 1,4 Millionen Euro.

Löschwasser und Gewässerverunreinigung

Das Wasser für die Löscharbeiten konnte direkt dem Oberbach entnommen werden. Die Bootschuppeanlage geriet 2007 und 2008 schon mal in Brand. Feuerwehrchef Bühring berichtet, dass daraufhin zwei Saugstellen installiert wurden. Die Vorrichtungen ermöglichen den Einsatzkräften den Zugriff auf große Mengen Wasser – direkt aus dem Gewässer. Gefiltert und unabhängig von Hydranten. Während des Brands gelangten verschiedene brennbare Stoffe wie Öl und Kraftstoff in das Wasser. Zusätzlich liegen am Unfallort zahlreiche verbrannte Bootswracks, Motoren, Werkzeuge und Einrichtungsgegenstände. Um die Gewässerverunreinigung zu begrenzen, haben die Einsatzkräfte Bindemittel und schwimmende Ölsperren ausgebracht. Diese Sperren sollen die Ausbreitung von Öl und anderen Betriebsmitteln über die Wasseroberfläche verringern. Zusätzlich wurde ein Wehr unterhalb der Bootsschuppenanlage geschlossen. Verunreinigtes Wasser soll auf diesem Weg aufgefangen werden, sodass der Tollense-Fluß der geringstmöglichen Belastung ausgesetzt ist. Der verunreinigte Gewässerabschnitt ist – zwischen Ölsperren und Wehr – etwa 700 Meter lang.
Aufgrund der Lage und Fließrichtung von Tollensesee und Ölmühlenbach gehen die Behörden aktuell von einer geringen Verunreinigung dieser Gewässerabschnitte aus.

Brandstiftung als Ursache

Das Kriminalkommissariat Neubrandenburg hat seine Untersuchungen am Brandort mittlerweile abgeschlossen. Brandursachenermittlung, Spurensuche und Tatortuntersuchung sind nach Angaben der Pressestelle abgeschlossen. Der Verdacht auf Brandstiftung wird aktuell als wahrscheinlichste Ursache für den Brand angesehen. Ein Zusammenhang zwischen den Bränden kann nicht ausgeschlossen werden. Die gesamte Bootsschuppenanlage wird zum Zeitpunkt der Recherche mehrmals täglich von Polizist:innen aufgesucht. Die Kontrollen erfolgen sowohl durch uniformierte als auch durch zivile Einsatzkräfte.

Beräumungsarbeiten auf Kosten der Pächter:innen

Um die Überreste der Brände aus dem Oberbach zu entfernen, stehen zuerst versicherungstechnische Fragen im Fokus. Das verwaltende Unternehmen Haveg Immobilien GmbH steht dafür mit den geschädigten Pächter:innen in Kontakt. Da in Deutschland keine Versicherungspflicht für Boote besteht, werden vorwiegend Versicherungsstatus und Bearbeitungsstand abgefragt. Parallel hat die Stadt Neubrandenburg – in Abstimmung mit dem Umweltamt, der Unteren Wasserbehörde, der Unteren Abfallbehörde und dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt – ein Entsorgungskonzept erarbeitet. Das Konzept beinhaltet die Beseitigung von Brandrückständen, Treibgut und Leichtflüssigkeiten. Die Beräumungsarbeiten werden gutachterlich begleitet. Das belastete Gebiet wird aktuell durch Probenentnahme auf Schadstoffe untersucht. Sobald die Untersuchungen abgeschlossen sind, sollen nach Angaben des Polizeipräsidiums eine oder mehrere Fachfirmen beauftragt werden, um die Gewässer- und Uferbereiche zu bereinigen.

Es ist zu erwarten, dass die geschädigten Pächter:innen – je nach Versicherungsstatus – selbst für die Bereinigungskosten aufkommen müssen.

Perspektive

Die Brandserie hat aktuell keine Auswirkungen auf die bestehenden Pachtverhältnisse der Geschädigten. Schon jetzt hat sich in Neubrandenburg eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, die sich mit dem möglichen Wiederaufbau der Anlage beschäftigt. Verschiedene Vertreter:innen der Stadtverwaltung sind hierfür in Gesprächen mit Bootsschuppeninhaber:innen und Vereinen. Bis die Beräumungsarbeiten abgeschlossen sind, sollen die von Brandresten und Wrackteilen durchzogenen Gewässerabschnitte gesperrt bleiben.

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Geboren in Vorpommern, aufgewachsen in Mecklenburg. Einziger KATAPULT Redakteur mit Traktorführerschein UND Fischereierlaubnis.

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