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Anpassung der Strompreise

Ob es für alle billiger wird, ist fraglich

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Vor dem Hintergrund des Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom 15. November zum Klima- und Transformationsfonds (KTF) verkündete Bundeskanzler Olaf Scholz gestern das Ende der Strom- und Gaspreisbremsen. Damit gibt es ab dem Jahreswechsel keine Deckelung des Strompreises auf höchstens 40 Cent pro Kilowattstunde (kWh) mehr. Was bedeutet das nun für die Verbraucher:innen in Mecklenburg-Vorpommern?

Greifswald: Ersparnis von über 30 Prozent möglich

Zu 1. Januar 2024 sollen die Strompreise sinken. Darüber informierten viele Stadtwerke ihre Kund:innen. Begründet wird die preisliche Entspannung etwa mit einer „positiven Entwicklung der Großhandelspreise“. Sprich: Die Stadtwerke können Strom selbst billiger einkaufen. Der billigere Einkauf beschert an vielen Stellen eine Verringerung des sogenannten Arbeitspreises – also dem, der entsprechend des Verbrauchs abgerechnet wird.

So gaben etwa die Stadtwerke Greifswald Mitte November bekannt, dass die Arbeitspreise in der Grundversorgung um mehr als 40 Prozent sinken. Obwohl gleichzeitig der Grundpreis steigt, könne dennoch mit einer Ersparnis gerechnet werden, so das Unternehmen. Dem stimmt auch die Verbraucherzentrale MV zu. Es sei für einen Ein-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 1.400 kWh mit einer Reduzierung des Preises von circa 33 Prozent zu rechnen. Für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 2.900 kWh könnte die Einsparung bis zu 37 Prozent betragen.

Preisreduzierungen in allen Tarifen

Neubrandenburg
Auch die Stadtwerke in Neubrandenburg führen das Minus von 16,1 Prozent beim Preis „für einen Durchschnittshaushalt“ auf den fallenden Arbeitspreis zurück. In Neubrandenburg gilt die Preisminderung jedoch, im Gegensatz zu Greifswald, für alle Tarife, so eine Sprecherin.

Schwerin
Gleiches in Schwerin. Hier können sich Kund:innen aller Tarife auf Einsparungen von „durchschnittlich 30 Prozent“ beim Preis einstellen, bestätigt ein Sprecher. Das liege ebenfalls am geringeren Arbeitspreis. Der Grundpreis bleibt hingegen gleich, heißt es weiter. Wie das Unternehmen jedoch online hinweist, kann es „für einige Kunden auch zu Preiserhöhungen kommen, zum Beispiel, wenn eine vertragliche Preisgarantie ausläuft“.

Hagenow
In Hagenow sinken für beide angebotenen Tarife – Heide City und Heide Regio – die Arbeitspreise ebenfalls beträchtlich. Kostet im City-Tarif die Kilowattstunde derzeit netto noch 52,70 Cent, werden es ab Anfang 2024 nur noch 26,05 Cent sein. Gleiches beim Regio-Tarif. Hier geht der Arbeitspreis von 57,06 Cent auf 31,32 Cent zurück.

Malchow
Auch für Kund:innen der Stadtwerke Malchow im Netzgebiet der Stadt sinken die Preise 2024. In der Grundversorgung zum Beispiel beim Arbeitspreis von 50,22 Cent/kWh auf 41,73 Cent/kWh.

Rostock: Ein Preis fällt, ein anderer steigt

Ähnlich wie in Greifswald profitieren auch in Rostock nicht alle Tarife von einer möglichen Preissenkung. So schreiben die Stadtwerke in einer Mitteilung, dass zwar der Tarif Ostsee-Strom-Fix günstiger wird. Dahingegen müssen sich Kund:innen des Ostsee-Strom-Flex-Tarifs auf eine Preiserhöhung einstellen.

Preise in Waren und Neustrelitz steigen

Das trifft auch auf Kund:innen in anderen Städten MVs zu. So setzen etwa die Stadtwerke in Waren und Neustrelitz entgegen dem Trend die Preise zum Jahreswechsel hoch. Das lassen zumindest die veranschlagten Preise für Waren in der Grundversorgung und den Tarifen MüritzStrom und MüritzStromLand vermuten. Während der Grundpreis sich jeweils nicht verändert, steigen die Arbeitspreise an. So kostet die Kilowattstunde bei einem Jahresverbrauch bis 10.000 kW in der Grundversorgung netto derzeit noch 27,23 Cent. Ab 1. Januar sollen es dann 30,73 Cent sein. Beim MüritzStrom geht es von 26,53 auf 30,03 Cent pro kWh nach oben und der MüritzStromLand wird bei einem Jahresverbrauch bis 30.000 kWh nach einem jetzigen Arbeitspreis von 30,93 Cent zum Jahreswechsel 32,93 Cent kosten.

Fast alle Tarife der Stadtwerke Neustrelitz gehen ebenfalls mit höheren Preisen ins neue Jahr. In den drei Plus-Tarifen und der Grundversorgung des Netzgebietes der Stadt steigt der Grundpreis und auch die Arbeitspreise werden leicht nach oben korrigiert. So war der Grundpreis für den strelitz.strom24-plus natur bisher mit 5,30 Euro im Monat bemessen und einem Arbeitspreis von 30,49 Cent die Kilowattstunde bei einem Verbrauch bis 10.000 kWh. Zukünftig soll er 5,55 Euro im Monat und 31,05 Cent die kWh kosten. Nur die Preise für das Umland zeigen einen positiven Trend. So sinkt zum Beispiel das Angebot strelitz.strom24-enemax ab dem 1. Februar 2024.

Nicht überall Änderungen veröffentlicht

Keine preisliche Veränderung zum neuen Jahr haben bisher die Stadtwerke in Wismar, Teterow, Parchim oder Barth angekündigt. Sie hatten aber auch bereits im Laufe dieses Jahres ihre Preise teilweise reduziert. So hieß es etwa Ende Juli aus Wismar, dass man mit der Senkung die Strompreisbremse nun unterschreite.

Keine Informationen zur Preisgestaltung im kommenden Jahr finden sich bei den Stadtwerken Stralsund und Pasewalk.

Trotz Senkung womöglich teurer

Bei all den für Verbraucher:innen doch positiven Nachrichten mancherorts gab es bisher im Reigen der zukünftigen Strompreise noch eine Unbekannte: die Strompreisbremse. Von ihrem Fortbestehen hing ab, was eine Preissenkung schlussendlich wirklich für die Verbraucher:innen bedeutet. Und ob eine Senkung wirklich eine Senkung ist. Mit dem Ende der Bremse zum Jahreswechsel könnte sich eine Reduzierung an mancher Stelle auch als Teuerung für Kund:innen herausstellen. Je nachdem, ob der Preis beim jeweiligen Anbieter unter das Niveau von 40 Cent pro Kilowattstunde fällt oder nicht. Tut er das, so ist eine echte Preisreduzierung gegeben. Tut er das nicht und fällt ab Januar der Deckel der Bremse weg, könnte für manche der Preis von bisher 40 Cent wieder überstiegen werden.

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Autor:innen

Redakteurin bei KATAPULT MV.

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