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Kultur in Meck-Vorp

Planungssicherheit? Fehlanzeige

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In Mecklenburg-Vorpommern gibt es 23 reguläre gewerbliche Kinos, die einen täglichen Spielbetrieb anbieten. Dazu kommen mit dem Latücht Neubrandenburg und den zwei Häusern des Lichtspieltheaters Wundervoll Rostock noch drei weitere Standorte mit einem täglichen Angebot. Doch viele Kinoliebhaber:innen schauen aktuell dennoch in die Röhre. Denn Filme auf der großen Leinwand und Popcornkrümel im Kuschelsitz gibt es in ihrem Landkreis derzeit nicht. Grund dafür sind die aktuellen Corona-Regelungen auf Landesebene. Demnach müssen Kinos und andere Kultureinrichtungen in einem Landkreis schließen, wenn dieser sich drei Tage in der Warnstufe Rot befindet. Geöffnet werden kann erst dann wieder, wenn der Landkreis sich fünf Tage in der orangen oder gelben Warnstufe befindet.

In den Landkreisen Nordwestmecklenburg und Ludwigslust-Parchim und in der Landeshauptstadt Schwerin waren die Voraussetzungen für eine Öffnung schon in der vergangene Woche gegeben. Seit Samstag dürfen die Kinos dort wieder Besucher:innen empfangen. In Vorpommern-Greifswald ist die Kinoöffnung ab heute erneut möglich. In den übrigen Landkreisen und in Rostock bleibt die Situation unverändert.

Forderung nach Planungssicherheit

Während in den angrenzenden Bundesländern aktuell unter 2G-Auflagen ins Kino gegangen werden kann, bleiben die Regeln für Filmliebhaber:innen in Meck-Vorp strikter. Sind die Kinos offen, gilt vor Ort 2G+. Damit ist MV neben Sachsen das Bundesland mit den strengsten Regeln für den Kinobetrieb. Darauf machten bereits im Dezember zahlreiche Kinobetreiber:innen aufmerksam. In einer gemeinsamen Erklärung verwiesen sie auf die von ihnen umgesetzten Hygienekonzepte und die Sicherheit der Kinos in der Pandemie. Mit der Forderung nach mehr Planungssicherheit und einer Gleichstellung der Kultureinrichtung Kino mit der Gastronomie hinsichtlich der Öffnungsperspektiven, wandten sie sich direkt an die Landesregierung.

Zeitplan für ein Öffnungskonzept unklar

In der vergangenen Woche sprach nun Kulturministerin Bettina Martin im NDR von einem Öffnungskonzept der Kultur. Damit schloss sie auch die Kinos im Land ein. An einem Öffnungsplan werde gearbeitet, jedoch müsse vorher die Omikron-Welle brechen, so Martin. Wann damit gerechnet werden kann, blieb unklar.

Dass die Kinobranche sich aktuell auch weiterhin in der Krise sieht, bestätigt ein Schreiben von „Filmland Mecklenburg-Vorpommern“ aus der vergangenen Woche. Das Unternehmen fungiert als Ansprechpartner für die hiesigen Kinos. In dem an die Staatskanzlei adressierten Schreiben wird erneut auf die fehlende Planungssicherheit für Kinobetreiber:innen hingewiesen. So mussten alle Kinos in MV am 27. Dezember schließen. Am 3. Januar durften einige Kinos, zum Beispiel in Boizenburg oder Schwerin, wieder geöffnet werden, nur um am 10. Januar erneut schließen zu müssen. Diese wechselnden Öffnungen und Schließungen seien ein großes Problem, heißt es in dem Schreiben. Durch die Planungen der Kinos, die auf die Spielwoche von jeweils Donnerstag bis Mittwoch ausgerichtet sind, funktionierten „kurzfristige Öffnungen und Schließungen [...] in diesem Bereich nicht“. Kinos seien „einerseits davon abhängig [...], dass die Filmverleiher die bestellten Filme vorab an die Kinos senden und andererseits davon, dass das Publikum weiß, welche Filme“ wann laufen. Mit den Regelungen sei die „größte Sorge der Branche [...] in MV [...] Realität“ geworden.

Von Planungssicherheit kann für die Kinobetreiber:innen also weiterhin nicht die Rede sein. Und eine Veränderung ist aktuell nicht in Sicht. Denn eine realistische Öffnungsperspektive wird es wohl erst mit dem noch nicht absehbaren Brechen der Omikron-Welle geben, so sieht es zumindest die Kulturministerin.

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Autor:innen

Redakteurin bei KATAPULT MV.

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