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Häusliche Gewalt

Vielfältige Aktionen für ein Leben ohne Gewalt

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In Grevesmühlen begann am Donnerstag die erste Aktion zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen bereits morgens um 8.45 Uhr, als Landrat Tino Schomann (CDU) mit Stellvertreterin Katrin Patynowski (parteilos), der Gleichstellungsbeauftragten für Nordwestmecklenburg, Simone Jürß, und Karina Brauer von der Beratungsstelle häusliche Gewalt in Grevesmühlen eine Anti-Gewalt-Fahne vor der Malzfabrik hisste. Auch der Flüchtlingsrat MV schloss sich der Fahnenaktion der Frauenschutzorganisation Terre des Femmes unter dem Motto „Frei leben ohne Gewalt“ an. In Schwerin wird die Stadtverwaltung am Freitag um 16.30 Uhr am Berta-Klingenberg-Platz ebenfalls Flaggen hissen, um die Unterstützung der Landeshauptstadt zu zeigen.

Lichterprotest in Rostock und Stralsund

Bereits am Donnerstagabend fand vor dem Nachbarschaftszentrum Auferstehungskirche in Stralsund-Grünhufe die Aktion „Ein Licht für jede Frau“ von Stark Machen statt, dem Trägerverein der Interventionsstellen gegen häusliche Gewalt und Stalking in Stralsund und Rostock. Die Interventionsstelle gab auch die Fallzahlen für das vergangene Jahr bekannt: 734 Frauen aus dem Landkreis Vorpommern-Rügen suchten Unterstützung und Schutz vor häuslicher, sexualisierter Gewalt und Stalking. Allein in Stralsund registrierte die Interventionsstelle auch 247 mitbetroffene Kinder von 235 Frauen. Im Landkreis Vorpommern-Rügen sind es 588 mitbetroffene Minderjährige von häuslicher Gewalt und Stalking. Die Zahl ist im Laufe der letzten Jahre beständig größer geworden. Sie seien die „stummen Zeugen, die die Schuld nicht selten bei sich selbst suchen“, heißt es aus der Interventionsstelle Stralsund am Donnerstagabend.

Vor der Auferstehungskirche in Stralsund-Grünhufe wurde am Donnerstag an die 734 Frauen erinnert, die Schutz in der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt und Stalking gesucht haben.
Vor der Auferstehungskirche in Stralsund-Grünhufe wurde am Donnerstag an die 734 Frauen erinnert, die Schutz in der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt und Stalking gesucht haben.

Im Bereich des Polizeipräsidiums Rostock wurden im Jahr 2021 insgesamt 758 Fälle von häuslicher Gewalt gegen Frauen registriert. In Rostock beginnt die Kerzenaktion am Freitag um 17 Uhr auf dem Doberaner Platz. Bei den Aktionen wird für jede Frau eine Kerze entzündet, die im vergangenen Jahr in den Einrichtungen Schutz vor häuslicher oder sexualisierter Gewalt gesucht hat. Es sprechen: Margit Glasow vom Verein Rostocker für Inklusion und Teilhabe, Ulrike Bartel vom Trägerverein Stark machen sowie Vertreter:innen von Women in Exile über die Situation von Frauen weltweit sowie in MV und besonders im Iran und Afghanistan. Ein besonderes Augenmerk legen die Veranstalter:innen auf das Motto „all inclusive!“. Denn: Frauen mit Behinderungen sind statistisch dreimal häufiger von häuslicher oder sexualisierter Gewalt betroffen als andere.

Rostocker Bäcker:innen für sichere Plätzchen

Zeitgleich mit der Lichtaktion findet am Doberaner Platz in Rostock von 16.45 bis 18 Uhr die Verteilaktion „Jede* braucht ein sicheres Plätzchen“ statt. Lokale Bäcker:innen unterstützen mit frisch gebackenen Plätzchen die Initiative der Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt in Rostock. Die „sicheren Plätzchen“ werden zusammen mit Informationen zu Unterstützungsangeboten an Passant:innen verteilt.

Mahnwache am Freitagnachmittag

In Stralsund wird es am Freitag um 17 Uhr vor dem Theater am Olof-Palme-Platz eine Mahnwache für alle von Gewalt betroffenen Frauen weltweit geben. Die Aktion des Frauenpolitischen Runden Tisches in Stralsund und des Vereins Tutmonde wird begleitet von Redebeiträgen der Landesgleichstellungsbeauftragten Wenke Brüdgam, der Integrationsbeauftragten der Landesregierung, Jana Michael, und von der Leiterin der Stralsunder Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt und Stalking, Anne Leddin. Einen musikalischen Beitrag steuern Iryna Vladymryska und Tetiana Khomiakova, zwei Sängerinnen aus der Ukraine, bei. Zum Abschluss gegen 18 Uhr wollen alle Teilnehmer:innen mit Kerzen in der Dunkelheit das Frauenzeichen bilden und so ein Zeichen gegen Gewalt in die Welt senden.

Ausstellung „Women in the dark“ und Workshops in Rostock

Im Rahmen der Installation Women in the Dark zeigt Künstlerin Franziska Greber in Rostock vom 30. November bis 22. Dezember im Rathaus von 690 Frauen mit eigenen Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen beschriftete weiße Kleidungsstücke aus zwölf Bundesländern, umrahmt von Video- und Audioinstallationen, Fotos und Texten.

Am 30. November findet um 15 Uhr die Eröffnungsveranstaltung mit der Schweizer Künstlerin im Rathausfoyer statt. Ein Teil der Ausstellung – die Audioinstallation Hear her (Höre sie) – wird bereits vom 25. November bis zum 22. Dezember in der Hochschule für Musik und Theater (HMT) Rostock, Beim St. Katharinenstift 8, zu hören sein. In der Audioinstallation sprechen Frauen über erlebte Gewalt. Die Veranstalter:innen, die Landeskoordinierungsstelle gegen häusliche und sexualisierte Gewalt Cora, der Rostocker Frauenkulturverein Beginen und die HMT, warnen vor einer möglichen Retraumatisierung bei Betroffenen häuslicher Gewalt und raten, die Texte nur anzuhören, sollten sich die Besucher:innen ausreichend geschützt fühlen.

Zusätzlich zur raumgreifenden Installation unter der Schirmherrschaft des Justizministeriums wird es am 2. Dezember um 14.30 Uhr in der Rostocker Rathaushalle eine Podiumsdiskussion zu Women in the Dark von Cora, den Beginen und der HMT geben. Die Schweizer Künstlerin und Initiatorin Franziska Greber wird mit Antje Krüger von Women in the Dark Deutschland, Sarah Kesselberg von der Cora-Koordinierungsstelle, Kristine Beckmann-Natzius von den Beginen und der Landesbeauftragten für Gleichstellung und Frauen, Wenke Brüdgam, diskutieren.

Ein Workshop zu feministischem Storytelling schließt am 3. Dezember von 11 bis 15 Uhr im Rathausfoyer an. Die Literatur- und Theaterpädagogin Nefeli Angeloglou wird nach einem geführten Rundgang durch die Ausstellung einen methodisch angeleiteten Workshop im biografischen und dokumentarischen Schreiben für Frauen* anbieten. In einem geschützten Rahmen sollen die Teilnehmenden ihre Gedanken über „das Frausein“ und damit verknüpfte Betroffenheiten, Erwartungen und Wünsche in einem kreativen Kontext schreibend wiedergeben können. Interessierte können sich anmelden unter veranstaltungen@die-beginen-rostock.de.

Theater und Gespräch in Rostock

Wie erleben die Frauen selbst dieses Unfassbare? Kann man sich das vorstellen? Warum wehren sie sich oft nicht und wenn, viel zu spät? Diesen Fragen stellt sich das Theaterstück Die Frau, die gegen Türen rannte des britischen Autors Roddy Doyle am 29. und 30. November um 18.30 Uhr im Möckelsaal des Peter-Weiss-Hauses (PWH) mit anschließendem Theatergespräch. In der Hauptrolle spielt Juliane Schlosser. Regie führt Gerd Franz Triebenecker vom KDW Stralsund. Der Rostocker Frauenkulturverein Beginen hofft, dass das Theaterstück auch von Mitarbeiter:innen aus Verwaltung, Schulen, Jobcenter und Arbeitsagentur, Polizei und Justiz als Möglichkeit angenommen wird, sich dem Thema häusliche Gewalt – das in ihren jeweiligen Arbeitsfeldern vielfachen Niederschlag findet – aus der Sicht einer betroffenen Frau zuzuwenden. Für Angehörige dieser Berufe gibt es einen eigenen Termin am 30. November um 10 Uhr im PWH. Die Veranstaltungen sind als Weiterbildungen für entsprechende Berufsgruppen zertifiziert. „Aber die Aufführungen sind natürlich auch für Journalist:innen eine besondere Möglichkeit, über häusliche Gewalt zu berichten“, teilt der Frauenkulturverein mit.

Tanzen macht stark

Am ersten Dezember um 17 Uhr werden alle Interessierten zu Tanzen macht stark ins Peter-Weiss-Haus in Rostock geladen, um in Vorbereitung auf den weltweiten Tanzprotest gegen Gewalt an Frauen und das Patriarchat, One Billion Rising, der am 14. Februar auch in Rostock stattfindet. Gemeinsam mit der Tanzpädagogin, Choreografin und Entertainerin Anja Lambert hat Stark Machen dafür eine Rostocker Choreografie entwickelt. Im Kartenraum des PWH werden gemeinsam die neuen Schritte gelernt. Vorkenntnisse sind nicht notwendig.

Vorfilm in allen Kinos in MV

Lost Lifetime von Regisseurin Ayleen Vorberg läuft bis zum 30. November in allen Kinos in MV als Vorfilm vor den Vorstellungen.

Um zu zeigen, wie schwer es ist, sich aus dem Kreislauf der Gewalt eigenständig zu befreien, wird vom 24. November an eine Woche lang in allen Kinos in MV der Film Lost Lifetime als Vorfilm gezeigt. Seit dem 24. November kann man sich den Film auch online anschauen.

Gut zu wissen: Bei allen Veranstaltungen werden Berater:innen gegen häusliche und sexualisierte Gewalt vor Ort sein, die für Fragen und weitere Unterstützung für alle Besucher:innen zur Verfügung stehen.

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Redakteurin bei KATAPULT MV.

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