Die Grafik zeigt alle Kandidaten, die in Schwerin Bürgermeister werden wollen.
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Übersicht

Bürgermeister:innenwahl in Schwerin: Wer sind die Kandidierenden?

Sieben Personen wollen bei der Wahl am 12. April der oder die nächste Bürgermeister:in in MVs Landeshauptstadt werden. Doch wer sind sie und wofür stehen sie? Wir haben nach Ideen für die Stadt und geheimen Talenten gefragt.
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Inhaltsübersicht:

Wer kandidiert?

Sebastian Ehlers

Der Erfahrene
Der Christdemokrat bringt von allen Kandidierenden die meiste politische Erfahrung mit. Bereits seit 1997 ist Ehlers politisch aktiv, der in Schwerin eine „Heimat mit Potenzial“ sieht. Auch Erfahrung in Verwaltungsangelegenheiten kann der CDU-Politiker und Landtagsabgeordnete schon vorweisen. „Als Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Landtag bin ich verantwortlich für rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich stehe der Stadtvertretung seit 2019 als Stadtpräsident vor und vertrete die Interessen der Stadt in Aufsichtsräten und Beiräten“, schreibt Ehlers. Mit Blick auf die örtliche Politik möchte sich der OB-Kandidat vor allem für eine Stärkung der Wirtschaft einsetzen, um so auch Arbeitsplätze sichern zu können und junge Menschen in der Stadt zu halten. Dafür brauche es aber auch attraktive Arbeits- und Ausbildungsplätze, einen Ausbau des Hochschulstandorts und bezahlbaren Wohnraum, meint der Politiker. Ob ihm dabei unter anderem auch seine Spanischkenntnisse helfen könnten? „Ich habe viele Spanisch sprechende Kontakte und möchte meine Spanischkenntnisse aus der Schule wieder auffrischen.“

Petra Federau

Die von der extrem rechten Partei
Federau möchte für die AfD ins Rathaus einziehen und für einen blau-braunen Wechsel sorgen. Der Mitbegründerin des AfD-Landesverbands MV wird eine Vergangenheit als Vermittlerin von Escortdamen nach Abu Dhabi nachgesagt.1 Kurze Zwischeninformation: Prostitution ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten illegal.2 Später soll sich die leidenschaftliche Motorradfahrerin dann lieber mit der Zucht von Araberpferden beschäftigt haben. Auf Nachfrage von Thomas Böhm, Chefredakteur und Geschäftsführer von Schwerin-TV, zu ihrer beruflichen Vergangenheit brach die AfD-Politikerin, die bis 2005 CDU-Mitglied war,3 das Vorgespräch ab. Ein Interview mit dem regionalen Sender kam danach nicht mehr zustande. Welche genauen politischen Ziele die Kandidatin für Schwerin verfolgt, bleibt auch hier offen. Auf unsere Anfrage konnte Federau aus gesundheitlichen Gründen nicht antworten.

Massimo De Matteis

Ein Richter unter Spannung
Für die proeuropäische Partei Volt möchte De Matteis Oberbürgermeister von Schwerin werden. Der Jurist wurde in Dortmund geboren4 und ist im Vergleich zu den anderen Kandidierenden ein politischer Anfänger – denn erst seit 2024 ist er nach eigenen Angaben politisch aktiv. Dafür wohnt er schon seit über 20 Jahren in der Landeshauptstadt. Mit Schwerin verbindet De Matteis drei Worte: Zukunft, Natur und Kultur. Besonders einsetzen möchte sich der Kandidat für die „Wiedererlangung der kommunalen Selbstverwaltung durch finanzielle Unabhängigkeit“. Zu wenig Aufmerksamkeit bekomme auch die „Wertschätzung und Unterstützung des bürgerschaftlichen Engagements“. Blumige Umschreibungen, die man sonst nur von erfahrenen Politiker:innen kennt.

Mandy Pfeifer

Die Landtagsabgeordnete
Seit 2015 ist die Kandidatin von SPD, Linke politisch aktiv. Unterstützt wird ihre Kandidatur auch vom Bündnis 90/Die Grünen. Mit Beginn ihrer politischen Laufbahn wurde Pfeifer Mitglied der Sozialdemokrat:innen und wurde vier Jahre später bereits Stadtvertreterin in Schwerin. Seit 2021 ist sie zudem Landtagsabgeordnete.5 Schwerin beschreibt die studierte Sozialverwaltungswirtin als weltoffen, friedlich und lebenswert. Gleichzeitig begreift sie die Stadt aber auch als gespalten. „Hier kann man bundesweit am besten an der Adresse erkennen, wie es im Portemonnaie aussieht. Das möchte ich unbedingt ändern.“ Pfeifer wünscht sich, dass Schwerin allen hier lebenden Menschen eine gute Lebensperspektive bieten kann. Ähnlich wie ihr Kontrahent Steinmüller möchte sich die Politikerin darin üben, geduldiger zu werden.

Lars Schubert

Der Einzelbewerber mit FDP-Parteibuch und Juso-Vergangenheit
Aller guten Dinge sind drei – oder vielleicht auch zwei? Für Lars Schubert jedenfalls ist es nicht die erste Kandidatur als Schweriner Oberbürgermeister. Bereits 2002 versuchte der Liberale und gebürtige Berliner sein Glück. Auch Schubert kann auf einen langen politischen Werdegang zurückblicken: Bereits seit 1991 ist er politisch aktiv und wirkte bei den Jusos mit, der Jugendorganisation der SPD.6 In der Landeshauptstadt sieht er viel Potenzial. Besonders beeindruckend sei in Schwerin das Engagement der Zivilgesellschaft. Viele wichtige Impulse kämen aus Vereinen, Initiativen und ehrenamtlicher Arbeit. „Auch der Unesco-Welterbetitel ist letztlich dem langjährigen Engagement von Bürgern und Vereinen wie Pro Schwerin und dem Welterbeverein zu verdanken. Darauf kann unsere Stadt wirklich stolz sein“, schreibt Schubert. Für ihn besteht eines der Probleme jedenfalls darin, dass Schwerin oft in einzelnen Projekten gedacht werde, statt die Stadt als Ganzes zu betrachten. Das Amt des OBs versteht Schubert vor allem als Vertretung und „obersten Anwalt“ der Bürgerinnen und Bürger gegenüber Verwaltung, Land und Bund. „Als Unternehmer habe ich täglich mit Verwaltung zu tun und weiß aus eigener Erfahrung, wo es funktioniert – und wo es besser werden muss“, schreibt er. Diese Außensicht halte der FDP-Politiker für einen wichtigen Vorteil.

Heiko Steinmüller

Der ambitionierte Kneipenbetreiber
Von der Kneipe ins Rathaus: So zumindest lautet der Plan des Einzelbewerbers Heiko Steinmüller, der seit 2011 in Schwerin wohnt. Verwaltungserfahrung bringt er zwar nicht mit, aber darin sieht der Kneipier einen Vorteil. „Dadurch muss ich viel enger mit der Verwaltung zusammenarbeiten. Zwar würde ich viele Entscheidungen den wahren Experten überlassen, kann als Verwaltungschef aber die Richtung vorgeben“, so Steinmüller. Als Barbetreiber7 wisse er, wie es sei, sein Geld mit den eigenen Händen zu verdienen und gleichzeitig ein Ohr bei den Bürger:innen zu haben. Politisch aktiv ist er nach eigenen Angaben seit 2018. Ob der Gastronom demnächst ins Rathaus einzieht, wird an der Wahlurne entschieden. Bis dahin will Steinmüller noch besser darin werden, geduldiger zu sein.

Aileen Wosniak

Die Kandidatin mit Doktorintitel
Seit ihrer Jugend engagiert sich die promovierte Psychotherapeutin nach eigenen Angaben für Tierschutz, Feminismus und gegen Rechtsextremismus. Sie stamme aus einer Nichtakademiker:innenfamilie, ist auf dem Großen Dreesch aufgewachsen8 und nach einer längeren Abwesenheit vor zwei Jahren wieder nach Schwerin zurückgekehrt. „Ich kandidiere nicht, um Schlagworte zu sammeln. Ich kandidiere, um Probleme zu lösen“, sagt Wosniak, die Schwerin als vielfältig, solidarisch und mutig beschreibt. Als Unternehmerin bringe sie zudem Erfahrungswerte mit Verwaltungsprozessen, Abrechnungssystemen und Behörden mit. Bei der Wahl zum Schweriner Stadtoberhaupt tritt Wosniak für die Aktion Stadt- und Kulturschutz (ASK) an.

Wofür stehen die Kandidierenden?

Umwelt und Verkehr

Die Grafik zeigt die Positionen zum Klimaschutz von Kandidaten zur Bürgermeisterwahl in Schwerin 2026.
Die Grafik zeigt die Positionen zu Gewerbeflächen und Grünland von Kandidaten zur Bürgermeisterwahl in Schwerin 2026.
Die Grafik zeigt die Positionen zum Radverkehr von Kandidaten zur Bürgermeisterwahl in Schwerin 2026.
Die Grafik zeigt wie die Kandidaten zur Bürgermeisterwahl in Schwerin 2026 im Verkehr unterwegs sind.

Wohnen und Soziales

Die Grafik zeigt die Positionen zur Wohnraumpolitik von Kandidaten zur Bürgermeisterwahl in Schwerin 2026.
Die Grafik zeigt die Positionen zur Förderung von Integrationsangeboten von Kandidaten zur Bürgermeisterwahl in Schwerin 2026.
Die Grafik zeigt die Positionen zur Kulturförderung von Kandidaten zur Bürgermeisterwahl in Schwerin 2026.

Sicherheit und Digitales

Die Grafik zeigt die Positionen zur Digitalisierung von Kandidaten zur Bürgermeisterwahl in Schwerin 2026.
Die Grafik zeigt die Positionen zur Videoüberwachung am Marienplatz von Kandidaten zur Bürgermeisterwahl in Schwerin 2026.

Autor:innen

  • Redakteurin in Greifswald

    Irgendwas zwischen Patchworkwendekid und Halbprovinzbohème. Wohnte in 4 von 16 Bundesländern. Hat einen Meisterbrief und einen Papagei.

  • Chefredakteur

    Geboren in Vorpommern, aufgewachsen in Mecklenburg. Einziger KATAPULT-Redakteur mit Traktorführerschein UND Fischereierlaubnis.

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