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Wo ist das Moor?

Das Grambower Moor trocknet aus

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Lesedauer: ca. 4 Minuten

Kraniche rasteten bis vor zwei Jahren auf der Frästorffläche. Foto: Oliver Borchert

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Viele erholungssuchende Besucher:innen spazieren durch das 576 Hektar große Naturschutzgebiet Grambower Moor, das etwa sieben Kilometer südwestlich von Schwerin liegt. Der idyllische Kiefern- und Birkenwald lockt Familien, die am sogenannten Großen Moorsee auf einem Steg verweilen, picknicken und die Natur genießen. Ein kleiner Lehrpfad zeigt die Geschichte, die Nutzung und die besonderen Pflanzen- sowie Tierarten dieses einzigartigen Regenmoors. Rund eintausend Personen werden pro Jahre bei Führungen vom Förderverein Grambower Moor auf die Besonderheiten des Moores aufmerksam gemacht. Doch typische Moorlandschaft suchen die Besucher:innen inzwischen fast vergebens, denn das Moor stirbt.

Nach der letzten Eiszeit hat sich im Bereich des heutigen Grambower Moores ein See gebildet, der im Laufe der Jahrtausende verlandet ist und erst zu einem Niedermoor und später zu dem heutigen Regenmoor wurde. Seine Feuchtigkeit bezieht es allein vom Niederschlag. Der nährstoffarme Grund eines intakten Moores bietet speziellen Torfmoosen gute Wachstumsbedingungen und besonderen Tierarten eine Heimat, die sie nur dort finden. So beherbergt das Grambower Moor fleischfressende Pflanzen wie den Sonnentau und vom Aussterben bedrohte Libellenarten.

Durch den Abbau des Torfes und die zunehmende Nutzung in den letzten 250 Jahren ist das Grambower Moor inzwischen jedoch stark geschädigt. Überall im Moor finden sich heute noch Spuren wie beispielsweise alte Schienen, die Zeugnis von ausgedehntem Torfabbau ablegen. Außerdem haben sich Dämme und Abflüsse stark auf den natürlichen Wasserhaushalt dieses sensiblen Moores ausgewirkt und entwässern es stetig weiter.

Foto: Oliver Borchert

Bei der Austrocknung eines jeden Moores gelangt Sauerstoff in den Torf und es beginnt die Zersetzung der bis dahin konservierte Pflanzenteile: Torf wird zu Erde und Bäume können wunderbar darauf wachsen. Bäume sind zwar auch gut für das Klima, aber wesentlich besser ist ein intaktes Moor – denn je mehr Bäume sich entwickeln, um so mehr Wasser wird dem Moor entzogen und umso schneller vollzieht sich der Zersetzungsprozess. In wenigen Jahrzehnten wird dann zerstört, was in Jahrtausenden gewachsen ist. Diese Abwärtsspirale ist im Grambower Moor in vollem Gange und die starke Trockenheit der letzten Jahre hat das Tempo weiter beschleunigt. So schrumpft der Moorkörper durchschnittlich einen Zentimeter pro Jahr. Bei einem intakten Regenmoor würde er indessen einen Millimeter pro Jahr wachsen. Mit der momentanen Zersetzung des Torfes werden große Mengen CO₂ freigesetzt und nicht durch ein lebendiges Moor gebunden. Bräuchte es hier nicht eine zügige Lösung?

Die große Bedeutung und Einzigartigkeit des Grambower Moores wurde 2004 auch von der Europäischen Kommission festgestellt und das Gebiet wurde als sogenanntes Flora-Fauna-Habitat unter besonderen Schutz gestellt. Damit ist das Land Mecklenburg-Vorpommern gesetzlich verpflichtet, die Situation des Moores zu verbessern. Dafür ist es notwendig, den Wasserspiegel in den Entwässerungsgräben anzuheben. Das hat natürlich auch Auswirkungen für die Landwirte der angrenzenden Flächen, den Torfabbau für medizinische Zwecke und Bewohner der umliegenden Ortschaften. Deshalb wird schon seit geraumer Zeit geredet, diskutiert und geplant.

Währenddessen wachsen die Bäume unaufhörlich weiter, die Torfschicht wird zunehmend dünner, die unvergleichlichen Schwingmoorflächen schrumpfen und die Besucher:innen können inzwischen trockenen Fußes umherspazieren. Bis vor zwei Jahren war die sogenannte Frästorffläche im Zentrum des Gebiets noch sicherer Schlafplatz für mehrere Hundert Kraniche. Inzwischen ist dieses Areal vollständig ausgetrocknet und rastende Kraniche sucht man dort vergebens. Die Natur schafft Fakten im zweitgrößten Regenmoor Mecklenburg-Vorpommerns, während die dafür Zuständigen noch reden.

Die Frästorffläche ist heute getrocknet. (Foto: Oliver Borchert)

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