Am 20. September wird in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt. Laut einer repräsentativen Umfrage des NDR käme Die Linke derzeit auf rund 13 Prozent der Stimmen.1 Damit würde die Partei im Vergleich zu 2021 um knapp drei Prozentpunkte zulegen und könnte weiterhin eine wichtige Rolle bei der Regierungsbildung spielen.
Bereits seit 2021 wird MV von einer rot-roten Regierung bestehend aus SPD und Die Linke geführt. Mit Simone Oldenburg stellt Die Linke derzeit die Bildungsministerin und zugleich die stellvertretende Ministerpräsidentin. Bei der Bilanzpressekonferenz am 19. Juni zogen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und ihre Stellvertreterin eine positive Bilanz der vergangenen fünf Jahre: „Die Landesregierung aus SPD und der Linken hat das Land durch schwierige Zeiten geführt und trotzdem konnten wir alles, was wir versprochen haben auch einhalten“.2 Jeder sechste Euro aus dem Landeshaushalt fließe mittlerweile in Bildung. Außerdem sei seit 2020 ein wirtschaftliches Wachstum von fünf Prozent erreicht worden und die Arbeitslosenzahlen seien konstant geblieben.3
Gleichzeitig räumte Oldenburg ein, dass es bei bestimmten Punkten auch Nachholbedarf gebe: Lehrermangel, Unterrichtsausfälle und Schulabbrüche stellten weiterhin große Probleme dar.4 Auch aus anderen Parteien kam Kritik. „Wir haben steigende Insolvenzen, wir haben steigende Arbeitslosigkeit, wir haben eine Landespolizei ohne Digitalfunk und wir haben eine Situation, die insgesamt gesellschaftlich hochgradig angespannt ist“, so Daniel Peters, Landesvorsitzender der CDU.5 Claudia Müller vom Bündnis 90/Die Grünen kritisierte, dass die Landesregierung bei den Themen Klima und Umweltschutz Rückschritte gemacht habe.6
Was verspricht die Linke?
Damit steht die Partei vor derselben Herausforderung wie viele Regierungsparteien vor einer Wahl: Sie muss nicht nur neue politische Vorhaben präsentieren, sondern auch erklären, weshalb zentrale Probleme trotz fünfjähriger Regierungsbeteiligung weiterhin bestehen. Ein Blick in das Wahlprogramm zeigt, auf welche Themen die Partei im Wahlkampf setzt:
- Ein Schwerpunkt liegt auf der Bildungspolitik: Die Linke fordert ein Bildungspaket in Höhe von 300 Millionen Euro. Mit dem Geld sollen zusätzliche Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte und individuelle Förderangebote finanziert werden. Gleichzeitig will die Partei den Ausbau von Schulen und Kindertagesstätten vorantreiben.
- Soziale Infrastruktur: Die Linke fordert bessere Bedingungen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Bus- und Bahnangebote sollen ausgebaut werden. Gleichzeitig spricht sich die Partei für Investitionen in Kultur, Jugendzentren und kommunale Einrichtungen aus.
- Thema Wohnungspolitik: Die Linke fordert stärkere Eingriffe gegen steigende Mieten und möchte Wohnen langfristig als Grundrecht im Grundgesetz verankern. Außerdem spricht sie sich für mehr sozialen Wohnungsbau aus.
- Die Partei positioniert sich gegen Rechtsextremismus. Sie fordert eine stärkere Unterstützung zivilgesellschaftlicher Initiativen und spricht sich für ein Verbotsverfahren gegen die AfD aus. Zudem soll der 8. Mai, der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, in MV ein gesetzlicher Feiertag werden.
- Darüber hinaus setzt Die Linke auf eine stärkere Förderung von Kindern, Jugendlichen und Familien. Angebote der Jugendarbeit sollen ausgebaut und langfristig abgesichert werden. Auch der Schutz vor digitaler Gewalt sowie Maßnahmen zur Gleichstellung von Frauen und Männern finden sich im Programm.7
Anders als die Oppositionsparteien verspricht Die Linke keinen grundlegenden Neuanfang. Sie knüpft vor allem an Themen an, die sie bereits als Regierungspartei verfolgt hat, und setzt auf deren Ausbau. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem Bildung und soziale Sicherheit. Parteivorsitzender Hennis Herbst betonte bei der Vorstellung des Programms, es sei für „die vielen hier im Land, nicht für die wenigen Privilegierten“. Das neue Programm wirft jedoch auch Fragen auf. Probleme wie der Lehrkräftemangel zählen weiterhin zu den großen Herausforderungen im Land – obwohl Bildung bereits seit Jahren zu den zentralen Themen der Partei gehört.8 Zudem setzt Die Linke auf umfangreiche Investitionen, etwa mit ihrem 300-Millionen-Euro-Bildungspaket. Als Finanzierungsmöglichkeiten nennt die Partei unter anderem eine Vermögensabgabe und eine stärkere Besteuerung hoher Einkommen. Beide Maßnahmen müssten jedoch auf Bundesebene beschlossen werden. Wie die zusätzlichen Ausgaben im Landeshaushalt finanziert werden sollen, falls diese Reformen ausbleiben, bleibt offen.9
Ob die Strategie der Linken bei den Wählenden ankommt, wird sich in knapp drei Monaten zeigen. Eine weitere Legislaturperiode dürfte für die Partei nicht einfach werden. Zwar sprechen die aktuellen Umfragen für Zugewinne der Partei, trotzdem ist sie weiterhin auf Koalitionspartnerschaften angewiesen. Die Suche nach möglichen Bündnissen könnte sich jedoch schwierig gestalten. Die aktuelle Bündnispartnerin SPD hat in den vergangenen Jahren an Zustimmung verloren, eine Zusammenarbeit mit der CDU gilt als unwahrscheinlich, da die CDU MV eine Koalition mit der Linken ablehnt10. Eine Regierungsbildung mit der AfD schließt Die Linke wiederum kategorisch aus.
- NDR (Hg.): Umfragen Mecklenburg-Vorpommern, auf: wahlrecht.de (7.5.-11.5.2026). ↩︎
- Göbel, Klaus: Schwesig und Oldenburg ziehen positive Bilanz ihrer Landesregierung, ab Min. 0:22, auf: ndr.de (19.6.2026). ↩︎
- Göbel 2026, ab Min. 0:50; Süddeutsche Zeitung (Hg.): Rot-Rot zieht Erfolgsbilanz – Opposition sieht Versäumnisse, auf: sueddeutsche.de (19.6.2026). ↩︎
- Göbel 2026, ab Min. 3:00; Süddeutsche Zeitung (Hg.) 2026. ↩︎
- Göbel 2026, ab Min. 2:00. ↩︎
- Ebd., ab Min. 3:30. ↩︎
- Die Linke (Hg.): Sozial. Gerecht. Antifaschistisch., auf: originalsozial.de (Juni 2026). ↩︎
- Die Linke (Hg.): Das ist links!, S. 5, auf: originalsozial.de (2021). ↩︎
- Seidel, Michael: Die Linke stimmt sich auf Landtags-Wahlkampf ein, ab Min. 1:05, auf: ardmediathek.de (30.5.2026). ↩︎
- Strauß, Tobias: Spitzenkandidat Peters: Koalition mit der Linken und der AfD lehnen wir ab, auf: deutschlandfunk.de (6.6.2026). ↩︎

