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Interview

Drei Fragen – drei Antworten … mit Ulrike Seemann-Katz

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KATAPULT MV: Wie läuft derzeit die Koordination der ukrainischen Geflüchteten in Ihrem Verein?

Ulrike Seemann-Katz: Es ist sehr viel los. Wir haben weniger mit den Geflüchteten selbst zu tun als vielmehr mit den Behörden und Anlaufstellen. Wir beantworten hauptsächlich Fragen bezüglich möglicher Sozialleistungen, wie Kindergeld, und wie die Menschen an Deutschkurse und Jobs kommen. Wir bekommen Mails von überall – aus Berlin mit überregionalen Fragen, auch aus Polen kommen Hilfegesuche, weil dort die Kapazitäten langsam knapp werden. Problematisch ist auch, dass die Hilfshotlines der Landkreise teilweise überfragt sind und sich viele dann an uns wenden. Dabei geben wir ja gerade diese Nummern weiter.

Wissen Sie, wie es den ankommenden Geflüchteten aus der Ukraine derzeit geht, insbesondere in den Notunterkünften?

Überwiegend sind alle, die hier ankommen, völlig erschöpft. Viele haben Angst, denn in den Notunterkünften kommen diejenigen unter, die hierher keinen Bezugspersonen, keine Kontakte haben. Nach ein paar Tagen kommen diese Leute langsam zur Ruhe, dann aber beginnt der neue Stress, wenn sie versuchen, ihre Angehörigen in der Ukraine zu kontaktieren, sie aber nicht erreichen können.

Die Unterkünfte an sich sind auch nicht wirklich gut ausgestattet. Meist stehen die Betten zu dicht aneinander, ohne Trennwände. Außerdem gibt es keine Geschlechtertrennung, sodass sich Frauen teilweise sehr unwohl fühlen. Auch gibt es nicht ausreichend Kinderbetten. Für zwei, drei Nächte ist das sicher alles auszuhalten, aber die Menschen bleiben dort in der Regel länger.

Noch schlimmer ist in manchen Unterkünften das Essen: Zum Abendbrot gibt es etwa zwei Scheiben Toast – ungetoastet mit einer Käsescheiblette, einem Apfel und einer Banane. Da wurde leider sehr gespart, was besonders für Kinder und Schwangere nicht ausreichend ist. Das kann man sicher besser machen!

Was sind derzeit die größten Probleme für Ihre Arbeit und was bräuchten Sie jetzt am dringendsten?

Bei uns fehlen Telefonkräfte für die vielen Anfragen. Alles läuft hier ehrenamtlich, zusätzlich zu unserer eigentlichen Projektarbeit, die ja auch die vielen anderen Migrant:innen betrifft. Wir dürfen nicht die Menschen aus Syrien, Afghanistan oder Eritrea vergessen. Auch ihre Betreuung muss weitergehen. Ich sehe da eine ganz große Gefahr und wir dürfen keine Unterschiede machen: ein Kind aus Syrien, das vor Bomben fliehen musste, muss ebenso betreut werden wie ein Kind aus der Ukraine, das aus demselben Grund sein Land verlassen musste. Deshalb sind wir froh über jede Unterstützung. Und ehrenamtliches Engagement ist momentan an vielen Stellen zu spüren. Wir hoffen, dass es auch noch eine Weile anhält.

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Redakteurin bei KATAPULT MV.

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