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Demokratiebahnhof Anklam

„Jetzt sind wir nicht mehr die Neuen“

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Lesedauer: ca. 14 Minuten

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Ein Bahnhof, der nicht leer-steht?! Ja, das gibt es – auch in Vorpommern. Wer nach Anklam mit dem Zug anreist, stolpert quasi hinein in das Jugend- und Kulturzentrum namens Demokratiebahnhof. In den Fenstern hängen gemalte Bilder von Kindern aus der Stadt. Thema: Was fehlt Anklam und was wünscht ihr euch?

Gleich daneben: Ein kleiner Bau, der an das Hauptgebäude grenzt. Es ist das ehemalige Schaffnerhäuschen. An der Tür hängt eine Tafel: „Anbau für alle“. „Das hier haben wir als Letztes hergerichtet“, erzählt Klara Fries und zeigt auf den Anbau. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Vereins und hat den Umbau mitorganisiert. „Es waren mal drei Räume.“ Nun gibt es eine Fahrradwerkstatt, die gerade erst wieder geöffnet wurde, und einen kleinen Aufenthaltsraum. „Hier sollen Bahnreisende, die Verspätung haben, unterkommen können. Entweder wenn es regnet oder kalt ist, oder einfach um hier ein bisschen Zeit zu verbringen“, erzählt sie. Der Raum sei aber vor allem für Quartiersprojekte oder generationsübergreifende Veranstaltungen gedacht. Dazu sei man schon mit Verantwortlichen von der Stadt im Gespräch. Für die Erneuerung des Anbaus hatte das Team zuvor 30.000 Euro gesammelt. Damit konnte der seit Jahrzehnten ungenutzte Lagerraum wiederbelebt werden.

Im Kleinen wiederholte sich das, was vor zehn Jahren im und am gesamten Bahnhofsgebäude begonnen wurde: Aus einem leerstehenden Ort einen Treffpunkt zu machen. 

Ein Angebot für Jugendliche, wo es vorher kaum etwas gab

Ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückte der Demokratiebahnhof besonders im August 2016, als der Sänger der Toten Hosen, Campino, der Rapper Marteria und die Punkband Feine Sahne Fischfilet dort ein Konzert gegen rechts gaben. Es war auch die Zeit, in der das Projekt gleich mehrfach ausgezeichnet wurde: Neuland-Gewinner, Nachbarschaftspreis, dazu verschiedene Förderungen von Bund und Land. Da existierte das Projekt bereits zwei Jahre.

Offiziell gegründet worden war es im Jahr 2014. Die Idee, ein Projekt für Jugendliche direkt in Anklam zu etablieren, stammte vom Pfadfinderbund MV aus Greifswald. Ziel war es, ein Angebot zu schaffen, bei dem die Jugend in den Aufbau eingebunden wird. Das Projekt überzeugte: Als eines von insgesamt acht Modellvorhaben deutschlandweit wurde es drei Jahre lang vom Bund gefördert.

Klara Fries, Mitinitiatorin des Projekts (links), und Clara Engel, die schon als Jugendliche die Angebote des Demokratiebahnhofs nutzte. Heute engagiert sie sich dort ehrenamtlich. (Foto: Martje Rust)

Bis heute steht das Mitspracherecht ganz oben auf der Agenda. Mitreden, mitdenken, mit Verantwortung übernehmen.

Das hatte damals auch Clara Engel angesprochen. Sie ist seit 2015 dabei, anfangs selbst noch als Jugendliche. Für das neue Freizeitangebot war sie sehr dankbar, erinnert sie sich, „da es bisher noch keinen Raum dieser Art für mich und meine Freundinnen gab“. Um das Projekt weiter zu unterstützen, hat sie im Demokratiebahnhof nach der Schule ihren Bundesfreiwilligendienst geleistet. Dann hat sie in Greifswald eine Ausbildung zur Erzieherin begonnen. Nach der Arbeit hilft sie weiterhin ehrenamtlich vor Ort und organisiert Veranstaltungen mit Schulklassen oder Events, wie das jährliche Ramba-Zamba-Festival. Für die diesjährige Ausgabe im September haben schon die Vorbereitungen begonnen. Zusammen mit den anderen etwa 15 aktiven Mitgliedern und den Sozialarbeiter:innen betreut sie pro Tag etwa 20 bis 30 Jugendliche, die die Räume und Angebote des Bahnhofs nutzen.

Klara Fries ist Mitglied der ersten Stunde und wurde schon mehrfach für ihr Engagement ausgezeichnet, sogar mit der Bundesverdienstmedaille.

Der Saal war der erste Raum, den der Demokratiebahnhof vor zehn Jahren bezogen hat. Nach wie vor finden hier die meisten Veranstaltungen statt. (Foto: Martje Rust)

Zu Beginn stand nur ein Raum im Untergeschoss zur Verfügung. Heute geht sie mit einem Lächeln durch die mehr als 20 kleinen und großen, zum Teil neu gestalteten oder zumindest neu genutzten Räume des Bahnhofs. Zwei Grünflächen gibt es ebenfalls – eine direkt am Haus, die andere etwas weiter an den Gleisen gelegen.

„Den Garten haben wir zusammen mit Schülerinnen und Schülern der Kleeblattschule neu gestaltet“, erzählt Fries. „Dabei entstanden zum Beispiel auch die Hochbeete. Leider wurde in Corona-Zeiten hier viel randaliert. Da waren alle, die den Garten mitgestalten, nach Arbeitseinsätzen immer ziemlich traurig, wenn man zum Teil neu anfangen musste.“ Auch Reisende kommen in den Garten. Die Zugänge sind offen. Das sei grundsätzlich kein Problem, nur würden viele dort auch rauchen und ihre Kippen und anderen Müll liegen lassen. Wenn im Nordkurier oder in den sozialen Medien dann mal wieder über den vermüllten Garten berichtet wird, falle das leider eher auf die Leute des Demokratiebahnhofs zurück, berichtet Fries. Deshalb ist die neue Idee: Der Garten soll einen Zaun bekommen. Dazu stehe der Verein mit der GWA, der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft Anklam, in Kontakt. Dem Unternehmen gehört der gesamte Bahnhofskomplex, der Demokratiebahnhof mietet.

Der lange Weg zur Anerkennung

Bis es zu Kooperationen mit städtischen Unternehmen überhaupt kommen konnte, habe es gedauert, erinnert sich Fries. Dafür zeigt sie auch Verständnis: „Wir kamen alle nicht aus Anklam, niemand kannte uns. Wir wollten aber genau hier etwas bewegen.“ Noch immer pendeln sie und andere Mitglieder mehrmals pro Woche von Greifswald her.

Doch die Etablierung des Projekt sei Jahr für Jahr immer weiter vorangekommen. Mittlerweile gibt es Workshops und Veranstaltungen etwa mit dem freien Bildungsträger verquer, dem Nabu Greifswald, dem ADFC und dem Pfadfinderbund MV, der bis Ende 2022 Träger des Projekts war. Auch auf Festivals in der Region kennt man den Demokratiebahnhof. Beim Transit auf Burg Klempenow oder dem Freiland in Alt Tellin ist der Demokratiebahnhof mit Angeboten vertreten – um Spenden zu sammeln und sichtbar zu sein.

Aber auch direkt in Anklam ist man mittlerweile gut vernetzt: Gemeinsame Veranstaltungen gibt es mit dem Seniorenbeirat und der Caritas, die örtlichen Schulen feiern dort ihren letzten Schultag. Für und mit Anwohner:innen werden gemeinsame Müllsammelaktionen rund um das Bahnhofsgebäude organisiert.Mitglieder des Demokratiebahnhofs werden regelmäßig in städtische Gremien, wie die AG Gesundheit und Prävention, eingebunden.

Durch Förderungen der Hansestadt Anklam, des Landkreises Vorpommern-Greifswald und des Europäischen Sozialfonds konnte ab 2018 eine Stelle für Jugendsozialarbeit finanziert werden, 2021 eine zweite.

Die Stadt steht hinter dem Projekt

Aber auch zur Stadtvertretung und Verwaltung ist das Verhältnis intensiver geworden. Wurden sie in den ersten Jahren noch beäugt und eher beobachtet, habe sich das Verhältnis entspannt, sagt Fries. „Ich glaube, vor allem, weil wir ansprechbar waren und uns engagiert haben, hat es sich so entwickelt, wie es jetzt ist.“

Das bestätigt auch die Stadt. Die stellvertretende Bürgermeisterin Beatrix Wittmann-Stifft hebt besonders die Vielfalt der Angebote hervor: „Es wird sehr darauf geachtet, all den Personen die Möglichkeit zu bieten, den Bahnhof kennenzulernen, die normalerweise nicht von dem dortigen Angebot profitieren.“Ältere entwickelten gemeinsam mit jungen Menschen Ideen, sodass im Bahnhof viel entstehen könne.

Der Hauptfokus aber bleibt die Jugendarbeit. Und auch dabei sieht die Stadt den Demokratiebahnhof als hilfreiche Stütze: „Es kommt immer wieder dazu, dass sich Jugendliche den Mitarbeitenden mit persönlichen oder auch familiären Problemen anvertrauen. Hierdurch kann in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Fachstellen aktiv Drogenmissbrauch, Suchtverhalten oder anderen Risikolagen entgegengearbeitet und vorgebeugt werden.“ Das Vertrauen der Kinder und Jugendlichen in das Projekt sei ein großer Vorteil gegenüber anderen Institutionen.

Zwischendurch schaut Rolf vorbei. Einmal am Tag kommt er zum Bahnhof und passt auf, ob alles läuft, etwas fehlt oder Hilfe gebraucht wird. Auch hat er für das ansässige Jugendparlament für den Nachmittag einen Ausflug zu den Anklamer Wasserwerken organisiert. „Im Grunde sind wir so vernetzt wie noch nie“, freut sich Fries. Das motiviere. Natürlich gebe es auch weiterhin kritische Stimmen. Zuletzt wurde im städtischen Kulturausschuss diskutiert, ob die beantragten Fördergelder des Demokratiebahnhofs angemessen seien oder ihn gegenüber anderen Jugendprojekten bevorzugen. Auch der Wechsel der Trägerschaft – vom Pfadfinderbund zum eigenen, 2018 gegründeten Verein – wurde hinterfragt: Über den Betreiberwechsel sei die Stadtpolitik nicht ausreichend informiert worden.

Auch Steffen Gabe (CDU) habe sich 2018 im Zuge seiner Bürgermeisterkandidatur gegenüber dem Bahnhofsprojekt ablehnend geäußert: „Was da passiert, geht so gar nicht“, ließ er unter anderem in einem Interview verlautbaren. Warum, erläuterte eher nicht weiter, sah sich aber als Sprachrohr für einige Anklamer Bürger:innen, die dem Projekt ebenfalls kritisch gegenüberstanden. Das Team reagierte mit einem offenen Brief, in dem es alle bisherigen Projekte aufzählte.

Denn von solchen Stimmen wollen sich die Mitglieder nicht verunsichern lassen, sagt Fries ruhig. Auch und schon gar nicht von rechts. Denn die Bildungsarbeit im politischen Bereich zählt zu den Kernaufgaben des Projekts.

Ein Gegenpol zu rechts

Dass sie nach wie vor von rechten Gruppen beobachtet werden, ist den Vereinsmitgliedern bewusst. Sie haben gelernt, damit zu leben. Ruhiger als noch in den Anfangsjahren sei es aber durchaus geworden. Da gingen die Einschüchterungsversuche sogar bis hin zu Brandanschlägen – auf Privatautos von Mitgliedern und auf die Räume im Bahnhofsgebäude.Noch immer aber gebe es Rückschläge, wie Vandalismus – meist in den gerade neu geschaffenen Ecken. Zum Teil seien es Jugendliche, die so etwas als Mutprobe sehen, vermutet Clara Engel. Zum größeren Teil seien es im Außenbereich aber eben auch Menschen, die grundsätzlich gegen das Projekt sind und rechten Ideologien gegenüber offen.

Eingeschlagene Fensterscheiben und Schmierereien kennen die Mitarbeitenden nur zu gut. Im März 2021 etwa wurden homophobe und transfeindliche Parolen an die Wände geschmiert. Das Team nutzt nach derartigen Angriffen seine Social-Media-Kanäle: „Wir lassen uns durch solche Aktionen der Einschüchterung, Diskriminierung und der Verbreitung von Hass und Hetze nicht entmutigen. Im Gegenteil: Wir spüren mehr denn je, dass es Orte wie den Demokratiebahnhof braucht, die für Toleranz und Vielfalt einstehen und in denen gesellschaftliche Mitbestimmung gelebt wird“, schrieb der Verein damals auf Facebook.

Rechte Parteien und Organisationen, wie die Jungen Nationalen, die NPD und auch die AfD stellen sich für Werbezwecke provokant vor den Demokratiebahnhof. Zur letzten NPD-Demo 2022 hatte der Demokratiebahnhof eine Gegenaktion geplant, die auch viele Anklamer:innen und die Stadtpolitik unterstützten. „Die Stadt bekennt sich mittlerweile auch, zum Beispiel mit dem Bündnis Anklam für alle. Sie traut sich jetzt mehr“, stellen Fries und Engel fest. So hängt am Ortseingang etwa ein großes Banner über der Hauptstraße mit der Aufschrift: „Anklam gemeinsam weltoffen und demokratisch gestalten“. Doch dass es auch immer Leute geben wird, die nicht hinter dem Projekt stehen, ist dem Team bewusst.

„Vielleicht sind wir mittlerweile auch abgebrühter“, fragt sich Clara Engel nach der Aufzählung der Vorfälle selbst, und findet beim Rundgang durch das Gebäude im Treppenhaus gleich das nächste gekritzelte Hakenkreuz an der Wand. „Umso wichtiger, jetzt nicht aufgrund von Kapazitäten oder Strukturproblemen zu scheitern“, unterstreicht Fries.

Kein Welpenschutz mehr

Denn jetzt beginnt für das Projekt die Phase nach dem Newcomer-Dasein. Einige der Förderungen laufen aus. Für den neu gegründeten Verein um den Bahnhof eine Bewährungsprobe: „Jetzt sind wir nicht mehr die Neuen“, sagt Fries. Seit diesem Jahr konnte die zweite feste Stelle aus finanziellen Gründen vorerst nicht besetzt werden, räumt sie ein. Einige Fördertöpfe für bestimmte Vorhaben seien gesichert. Das Projekt „Nachbarschaft gestalten“ zum Beispiel wird von der Deutschen Fernsehlotterie unterstützt. Für andere laufen Bewerbungen, allerdings hätten sich einige vielversprechende Möglichkeiten bereits zerschlagen.

Vor allem gehe es um den Verein als Koordinierungsstelle. Das sei wichtig, damit die Projekte der Jugendlichen aufgebaut und nicht zuletzt auch finanziell abgesichert werden können, ohne dass sich die Jugendlichen selbst darum kümmern müssen. So möchte der Verein endlich eine Person für die Buchhaltung einstellen. Die nehme in den letzten Jahren immer mehr Raum ein, wodurch an anderer Stelle Kapazitäten fehlten.

Zuletzt informierte der Verein im März in den Sozialen Medien über die Situation: „Aktuell fehlt es uns an Zeit und Ressourcen, um die bestehenden Projekte zu erhalten. Wir blicken mit Sorge auf die nächsten Monate und brauchen Eure finanzielle Unterstützung! Denn wir wollen diesen Ort erhalten.“ Bisher sind mehrere Hundert Euro eingegangen. Gebraucht werden mindestens 5.000.

Bis Ende des Jahres ist das Projekt voll finanziert. Danach müsse man weitersehen und entsprechend reagieren. Ein paar Eigenmittel hat der Verein zusammen. Doch noch reiche es nicht ganz.

Und so schreiben sie weitere Förderanträge, fragen Landes- und Bundesstiftungen nach Unterstützung an und schicken Sponsoring- und Spendenanfragen an Unternehmen. „Wir bleiben konstruktiv – und positiv bis zuletzt“, lächelt Fries. Es sei in erster Linie ein strukturelles Problem, betreffe also vor allem Organisation und Finanzierung. „Wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, wo wir uns als Standort etabliert haben. Aber eben auch immer noch kämpfen müssen zu bleiben.“

Mitspracherecht auch bei der Sanierung

Einen ersten Erfolg gab es schon: So wurde der Verein von der Stadt und der GWA offiziell in die Sanierungspläne für den Bahnhof eingebunden. Das gesamte Gebäude soll nämlich in den kommenden Jahren umfassend modernisiert werden. Zeit wird es: Die Treppen sind marode, Wände, Böden und Rohrleitungen veraltet, viele Räume seit Jahrzehnten nicht genutzt. Besonders die Bereiche in den oberen Etagen sind für Besucher:innen nicht frei zugänglich. Aus der Bevölkerung und der Stadtpolitik habe es zunehmend Kritik gegeben, sagt Vizebürgermeisterin Wittmann-Stifft: Der Bahnhof als erste Anlaufstelle entspreche nicht dem touristischen Anspruch der Stadt.

Für das Vorhaben hat der Trägerverein nicht nur ein Mitspracherecht zugesprochen bekommen, sondern bereits ein offizielles Konzeptionspapier erarbeitet. Denn, so das beabsichtigte Zeichen: Das Projekt soll im Gebäude bleiben. Neben weiteren Initiativen und Vereinen.

Und künftig sollen alle Räume genutzt werden können. Das Konzept sieht Platz für Ausstellungen, ein Café und Räume zur Vermietung vor. Sogar das Dachgeschoss soll umfunktioniert werden – im besten Fall zu Unterkünften für Künstler:innen, die in Anklam eine Zeit lang leben und arbeiten wollen. Und natürlich soll es auch weiterhin genug Platz geben, um die Ideen der Jugendlichen zu verwirklichen.

Sobald das Konzept umgesetzt werde, so Wittmann-Stifft, „sollten auch die letzten ‚negativen Stimmen‘ komplett vom Demokratiebahnhof überzeugt sein“. Die Gesamtkosten belaufen sich auf voraussichtlich 4,5 Millionen Euro. Die GWA steuert demnach einen Eigenanteil von 20 Prozent bei. Für den Rest braucht es Fördermittel und Spenden.

Der Anbau war das letzte Bauprojekt. Die Mitglieder haben Wände entfernt und neu eingezogen, sodass eine Fahrradwerkstatt und ein „Raum für alle“ entstehen konnte. (Foto: Martje Rust)

Hauptsache sichtbar bleiben

Und um die wirbt das Team weiterhin. Unternehmen werden angeschrieben, Förderanträge gestellt und Crowdfunding-Aktionen angestoßen. Daneben sei es aber auch nötig, berichten die Vereinsmitglieder, Ressourcen vor Ort zu generieren. Es müssen weiterhin engagierte Leute bleiben. Ohne sie könne man nicht so viele Projekte durchführen. Da die meisten von ihnen aber junge Leute sind, gibt es auch bei ihnen eine gewisse Fluktuation. Und die werde immer wieder schmerzlich bewusst. Im letzten Jahr sei eine sehr engagierte Person gegangen, erzählt Fries. Sie habe viele Aufgaben übernommen – in der Koordination, aber auch zwischenmenschlich. Diese Lücke jetzt zu schließen, sei schwer. Auch so etwas müsse, neben der finanziellen Situation, aufgefangen werden.

Aber sich verunsichern lassen? Kommt für die Mitglieder nicht infrage.

Ideen für neue Ansätze gebe es. Vieles sei möglich, so Fries, aber jetzt steht erst einmal die Sanierung an. „Auf jeden Fall dürfen wir nicht wegschauen, was hier passiert, und unsere Arbeit muss sichtbar bleiben. Wir haben schon so viel geschafft!“

Dieser Artikel erschien in KATAPULT MV-Ausgabe 20.

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Fußnoten

  1. Demokratiebahnhof (Hg.): Was ist der Demokratiebahnhof?, auf: demokratiebahnhof.de / Bundesinstitut für Stadt-, Bau- und Raumforschung (Hg.): Modellvorhaben: Demokratiebahnhof Anklam, auf: bbsr.bund.de.
  2. Ostsee-Zeitung (Hg.): Bundespräsident ehrt Greifswalderin, auf: ostsee-zeitung.de (22.5.2018).
  3. Demokratiebahnhof (Hg.): Offener Brief an Steffen Gabe, auf: demokratiebahnhof.de (27.4.2018).
  4. E-Mail von Beatrix Wittmann-Stifft vom 11.5.2023.
  5.  Maaß, Anne-Marie: Demokratiebahnhof wirft in Stadtpolitik Fragen auf, auf: nordkurier.de 30.1.2023).
  6. Demokratiebahnhof (Hg.): Offener Brief an Steffen Gabe, auf: demokratiebahnhof.de (27.4.2018) / Die Zeit (Hg.): Ist doch kinderleicht, auf: zeit.de (26.9.2018).
  7.  Lehn, Johanna: Demokratiebahnhof Anklam: Mit Mitbestimmung gegen Nazis, auf: vorwaerts.de (17.10.2018).
  8. Demokratiebahnhof Anklam: Beitrag vom 31. Mai 2018, auf: facebook.com / Kracht, Ole: Erneuter Angriff auf den Demokratiebahnhof Anklam, auf: webmoritz.de (20.8.2019).
  9. Demokratiebahnhof Anklam: Beitrag vom 26. März 2021, auf: facebook.com.
  10.  Demokratiebahnhof: Beitrag vom 27.3.2023, auf: instagram.com.
  11. Grundstücks- und Wohnungswirtschaft GmbH (Hg.): Demokratiebahnhof Anklam. Konzept zur Transformation eines leerstehenden Bahnhofs zu einem Kultur- und Begegnungsort, S. 3-5 (Januar 2023).

Autor:innen

Redaktionsleitung bei KATAPULT MV.

Ist in Greifswald geboren, hat in Augsburg studiert und zog für den Lokaljournalismus wieder zurück nach Meck-Vorp.

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