Dem Internationalen Fußball-Club bot sich die Möglichkeit, eine leerstehende Halle – zumindest vorübergehend – zu bespielen. Monatelang wurde das Projekt Skatehalle geplant und Unterstützer:innen mobilisiert. Weshalb nun die ersehnte Halle weiterhin leersteht und warum der Rollsport in der Hansestadt überhaupt ein Dach über dem Kopf braucht, hat KATAPULT MV mit den Solidaritätssportler:innen des Clubs besprochen.
Seit zehn Jahren schafft der Internationale Fußball-Club (IFC) in Rostock diskriminierungsfreie Räume zum gemeinsamen, barrierefreien Sporttreiben. Der Sportverein ist schon längst nicht mehr ausschließlich an den Fußball gebunden – weitere Sparten schließen diverse Ballsportarten (Basketball, Volleyball, Handball) sowie Kampfsport (Krav Maga, Kickboxen) und auch Darts oder Tischtennis ein.
Steven Schwartz ist Koordinator der Sportförderung und damit im Verein zuständig für die breite Palette an Bewegungsangeboten mit niedrigschwelligem Zugang. Er sitzt am Rechner im IFC-Büro und zeigt am Bildschirm einige Fotos der sportlichen Hindernisse des eingelagerten Skateparks. Um die erste große Rollsportveranstaltung – die Skateweek – im letzten Jahr überhaupt austragen zu können, kaufte der Verein die Ausstattung für einen ganzen Skatepark – bestehend aus einzelnen Elementen aus Holz, welche die unterschiedlich anspruchsvollen Hürden und den Spaß beim Skaten ausmachen. Das sei letztendlich sogar günstiger gewesen, als eine Anlage auszuleihen und wieder abtransportieren zu lassen, sagt Schwartz. Die massiven Holzteile warten nun wettergeschützt auf die nächste Skateweek, die Ende August zum zweiten Mal im Iga-Park veranstaltet wird.

Hinfallen, aufstehen
In einer Halle könnte der eingelagerte Skatepark allerdings das ganze Jahr über, der Witterung zum Trotz, genutzt werden. Und damit auch den laufenden, diversen Angeboten des IFC abseits der Skateweek einen sicheren und festen Raum bieten. Die Suche nach einer geeigneten Halle gestalte sich kompliziert, die meisten Standorte seien viel zu teuer für den Verein. Schwartz erzählt, wie das Projekt Skatehalle im Januar mit Rückenwind Fahrt aufgenommen hatte und dann im Juni abrupt zum Stillstand kam.
Anfang des Jahres wird der IFC auf die leerstehende Veolia-Halle am Rostocker Osthafen aufmerksam. Die Ostsee-Sparkasse (Ospa) hat die Halle samt Grundstück gekauft, um dort ein neues Wohnquartier zu errichten. Bis zum Baubeginn muss das gesamte Areal allerdings noch umfänglich dekontaminiert werden – und die Gebäude zu guter Letzt abgerissen. Der IFC und die Ospa kommen trotzdem ins Gespräch über eine mögliche Zwischennutzung.
„Wir hatten die Idee, die Veolia-Halle für die Zeit der Dekontamination dem IFC kostenfrei zu überlassen“, bestätigt Matthias Horn von der Ospa. „Wir haben die Strom- und Wasserversorgung entsprechend gesichert, die Stadt als Dekontaminationsträgerin eingebunden und letztlich die Juristen auf die vertraglichen Notwendigkeiten schauen lassen.“
Auch Steven Schwartz plant, mobilisiert über die Sozialen Medien und bezieht die Mitglieder und Community des Vereins mit ein. Es werden gemeinsam Nutzungspläne ausgearbeitet, Architekt:innen involviert und die Anforderungen und Möglichkeiten mit dem Bauamt abgesprochen. Die Vorfreude ist groß auf einen Ort, an dem „man Sachen verwirklichen kann und alles nicht so schlimm ist, weil die Halle dann ja eh abgerissen wird“, berichtet Schwartz. Bis zum Baubeginn des neuen Quartiers, frühestens Ende 2026, hätten sie das Gelände nutzen können.
Zwei Wochen vor Einzug kommt dann plötzlich die Absage. Ausschlaggebend ist die Stellungnahme eines Anwalts der Ospa. Matthias Horn, der das Projekt bis zum Schluss gern ermöglicht hätte, fasst die Begründung, deren Fokus vor allem auf Sicherheits- und Haftungsaspekten liegt, für KATAPULT MV zusammen. Eine Nutzung der Halle sei insofern zu riskant, weil aufgrund „der Unwägbarkeiten des ständigen Schwerlastverkehrs auf dem Gelände, des Gebäudezustands und des zu erwartenden jugendlich-ungestümen Publikums“ die Verantwortungsfrage im Ernstfall zu unklar sei. „Und damit war die Sache gelaufen“, schließt Schwartz. Dass sicherlich nicht alles umsonst war, könne er zwar rational einordnen, aber nach all der Arbeit und Vorfreude sei es doch ein emotionaler und ernüchternder Tiefschlag gewesen.
Protektoren gegen Gewalt
Etwa einen Monat später: Reibungsgeräusche über Asphaltboden. Das Schnurren von Kugellagern. Die Akzente im Rhythmus der Rollen beim Beschleunigen und Abbremsen. Das Maß an Körperbeherrschung, das es für den Rollsport braucht, lässt auf beinharten Sport schließen, ein bisschen wie Ballett.
Ein paar Skateboard- und Rollschuhfahrer:innen drehen an einem Mittwochnachmittag im Skatepark der Rostocker August-Bebel-Straße ihre Runden. Im Rahmen der HanseQueer-Kulturwochen hat heute die Rollerderby–Abteilung des IFC zum gemeinsamen Skaten „für Queers und Friends“ eingeladen. Das sei wichtig, um gemeinsame und sichere Räume zu ermöglichen, erklären Marieke und Honey vom Rostocker Rollerderby-Team Rebel Gulls. Obendrein sei es überaus schwierig, in der Hansestadt freie Turnhallenzeiten zu ergattern, ergänzt Marieke. Um heute diesen Freiraum zu schaffen und um Rücksichtnahme zu bitten, informieren sie bereits im Vorfeld über Aushänge und Social-Media-Kanäle. Mit Erfolg – der Nachmittag verläuft ohne Vorkommnisse. Sogar mehr Teilnehmer:innen als im vergangenen Jahr nehmen das Angebot dankend an und genießen ihre Zeit auf Rollen.
Auf Skateplätzen gebe es regelmäßig Probleme mit Einschüchterungen und Anfeindungen, begründen die Veranstalter:innen die Notwendigkeit eines solchen Angebots. In Rostock gibt es zwar ein paar öffentliche Skateanlagen, die schlechten Erfahrungen kämen aber überall vor, auch unabhängig vom Stadtviertel, berichtet Honey. Bedrohliche Situationen erleben vor allem weiblich gelesene Personen sowie Menschen, die dem queeren Spektrum angehören. Wie im Grunde die meisten öffentlichen Plätze sind auch Skateanlagen hauptsächlich „männlich beansprucht“, bestätigt Steven Schwartz.
Aus dem Selbstverständnis des IFC geht ausdrücklich hervor, dass dort Menschen jeden Alters, Geschlechts, Glaubens, jeder sexuellen Orientierung, Herkunft, Nationalität und Geschlechtsidentität, unabhängig von ihrem sozialen Status, willkommen sind.1 Der Verein versteht sich daher explizit als „zivilgesellschaftlicher Akteur in Mecklenburg-Vorpommern“. Von einem gemeinsamen, sicheren Raum in Form einer Skatehalle würden aus Sicht der Akteur:innen zahlreiche Menschen profitieren – weitaus mehr, als sich heute auf den öffentlichen Platz getraut haben.


Mit Finger-Skateboards und Tony Hawk durch den Winter
„Mit einer Skatehalle wollen wir außerdem gerne die verschiedenen Rollsportarten unterstützen, die im Winter nicht ausgeübt werden können. Auch wenn wir gute Jugendarbeit in diesem Bereich machen wollen, gestaltet sich das im Winter ja auch wieder schwierig.“ Schwartz erklärt, dass Jugendarbeit witterungsbedingt und über die Wintermonate nicht das bieten kann, was sie soll, nämlich regelmäßigen Spaß am Rollsport.
Das wöchentliche Skateboarden für Jugendliche ab zwölf Jahren findet auf einem Skateplatz im Stadtteil Toitenwinkel statt. Das Projekt Sport für alle2 soll Jugendlichen – „unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen“ – den Zugang zu einer kostenfreien, verlässlichen Freizeitgestaltung ermöglichen, ganz ohne Mitgliedschaft.
Schwartz berichtet von Rechtsextremen, die zunehmend auch Kinder und Jugendliche auf öffentlichen Skateanlagen gezielt einschüchtern oder lautstark den Raum einnehmen. Bei schlechtem Wetter und in den Wintermonaten weichen die Skater des IFC mit den Jugendlichen in einen Jugendklub aus, wenigstens um die Regelmäßigkeit beizubehalten. „Und dann machen wir eben Fingerboarding oder spielen Tony Hawk auf der Konsole“ – ein beliebtes Skateboarding-Videospiel. Ihrer Idee von einem sicheren Zugang zu Sport- und Bewegungsangeboten und diskriminierungsfreien Räumen entspreche das allerdings nicht.
Nach dem kürzlichen Rückschlag freut sich Steven Schwartz umso mehr auf die zweite Skateweek im August, wenn der eingelagerte Skatepark des IFC wieder zum Einsatz kommen kann. Die Suche nach einer geeigneten Halle habe man auf keinen Fall aufgegeben, aber sei umso mehr auf gute Standorttipps von Unterstützer:innen angewiesen. Vielleicht ja sogar auf dem Iga-Gelände? Der Club zumindest hofft auf das Entwicklungskonzept zur Zukunft des Iga-Parks und dessen Bürgerbeteiligung.
Transparenzhinweis: Die Titelgrafik zum Artikel wurde auf unserer Website am 20.8.25 aktualisiert. Da es sich nicht um die erste Skatehalle handelt, die es jemals in Rostock gegeben hat, haben wir die entsprechende Formulierung abgeändert.
- IFC Rostock (Hg.): Selbstverständnis, auf: ifc-rostock.de.
↩︎ - Sport für alle ist ein Projekt des IFC in Zusammenarbeit mit dem Bildungs- und Jugendhilfeträgerverein Soziale Bildung. ↩︎

