Nicht nur die Menschen in MV und Sachsen-Anhalt haben Angst vor dem Ausgang der Landtagswahlen im September, sondern auch die Aktivist:innen des Bündnisses Leipzig fürs Klima. Mit einer „parteiübergreifenden Fahrradtour“ – der DemokRADtour – wollen sie ein Stück weit die Demokratie retten. Die Tour startet am 7. August in Schwerin und endet einen Tag vor der Landtagswahl, am 5. September, in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt Magdeburg, die auch als Ottostadt bekannt ist. Ihre Angst lähmt die Teilnehmer:innen nicht. Sie wollen sie proaktiv nutzen. In 30 Tagen wollen die radelnden Demokratieschützer:innen eine Strecke von rund 1.700 Kilometern zurücklegen.1 Das ist in etwa so lang wie eine Autofahrt von Rostock nach Rom – nicht die kleine Gemeinde im Landkreis Ludwigslust-Parchim, sondern die Stadt in Italien (Zwinkersmiley). Jede der 30 Etappen umfasst 50 bis 65 Kilometer. Ein sportliches Vorhaben und damit wahrscheinlich eher nichts für Stubenhocker:innen.
Vernetzung als Ziel
Vorbild für die Leipziger Gruppe von Klimaaktivist:innen ist die Radtour der Parents for Future „Paris goes Brussels“. Dabei fuhren Klimaschützer:innen im Winter 2020 innerhalb von 14 Tagen von Dresden nach Brüssel, um die Europäische Union an das Pariser Klimaabkommen zu erinnern. Zum Zeitpunkt der Tour feierte der besagte Beschluss seinen fünften Geburtstag. Die Aktivist:innen wollten erreichen, dass die EU ihre Klimaziele verschärft, um dem Paris-Abkommen gerecht werden zu können.2 Die Leipziger:innen waren damals total überrascht davon, wie gut die Aktion vor Ort in den jeweiligen Städten ankam. Daran wollen sie mit der Fahrradtour zu den Landtagswahlen anknüpfen, schildert Jörg Schwulst vom Bündnis am Telefon.3
Auch das Ziel der aktuellen Tour ist für die Leipziger:innen klar: Über Parteigrenzen hinweg wollen sie zur Vernetzung und Selbstermächtigung demokratischer Kräfte beitragen. Da es in der parlamentarischen Demokratie dann doch nicht ganz ohne Parteien geht, ist zudem die Unterstützung von Kandidat:innen und Parteien geplant. Das Ausschlusskriterium: Sie dürfen absolut nichts mit Rechtsextremismus oder Autokraten wie Trump oder Putin am Hut haben. Schlechte Karten also für die AfD. Dabei setzen sich die Aktivist:innen – hier kommt der Klimaschutzaspekt ins Spiel – für eine lebenswerte und biodiverse Zukunft ein und hoffen, mit ihrem Anliegen in Sachsen-Anhalt und MV auf fruchtbaren Boden zu treffen.

Mitstreiter:innen gesucht
Das geht natürlich nicht alleine. Zwischen Schwerin und Magdeburg hoffen die Leipziger:innen auf viel Unterstützung aus der engagierten demokratischen Gesellschaft – egal ob Jung oder Alt, Arm oder Reich. Interessierte können sich bei Leipzig fürs Klima über die Internetseite demokradtour.de melden. Mitmachen kann jede Person, die ihr Ziel teilt, und das auf unterschiedlichem Wege: Gesucht werden unter anderem radelnde Mitstreiter:innen, die eine oder mehrere Etappen mitfahren.
Derzeit wird noch an Konzepten getüftelt, wie man Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen kein Fahrrad fahren, auf der Tour einbinden kann, erzählt Schwulst. Übernachtet wird übrigens vorwiegend im Zelt. Kein Schickimicki also, sondern Outdoor pur. Was das Wetter auf der Strecke zwischen Ostsee und Ottostadt sagt, ist Nebensache. Schließlich ist das Anliegen wichtiger. „Ich würde mir wünschen, dass Menschen auf der Tour zusammentreffen, die sich darauf einigen können, dass wir keine perfekte Demokratie haben, jedoch daran arbeiten können, dass sie besser wird“, schildert der Klimaaktivist.

Von A wie Aktivismus bis Z wie Zivilcourage
Die Gruppe ist aber auch auf Hinweise zu unterstützenswerten Kandidierenden, engagierten Personen sowie Organisationen aus den jeweiligen Städten angewiesen. Einzelne Kontakte zwischen den Leipziger:innen und Menschen aus den beiden Bundesländern bestehen schon. „Im besten Fall wird eine Vernetzung aufgebaut, die auch nach der Fahrradtour bestehen bleibt“, sagt Jörg Schwulst. Von A wie Aktivismus bis Z wie Zivilcourage sollen die Etappen auch unter einem bestimmten Motto stehen. Welche Wegstrecke welcher Losung folgt und welche Aktionen in den jeweiligen Orten stattfinden, war bis zum Redaktionsschluss dieses Textes noch weitgehend offen.
Beim Halt in Seehausen planen die Leipziger:innen auf die Omas gegen Rechts und deren „Mut- und Mitmach-Karawane 2026“ zu treffen. Diese zieht ab dem 21. August zehn Tage lang mit Traktoren und anderen Fortbewegungsmitteln durch die Altmark. Vorher, vom 13. auf den 14. August, macht die Fahrradtruppe auf ihrem Weg durch MV in Greifswald halt. KATAPULT MV plant dazu derzeit eine kleine Veranstaltung für Interessierte. Mehr dazu im Infokasten unter dem Bild.
Symbolpolitik? Vielleicht ein Stück weit. Ob die Leipziger:innen gesellschaftlich etwas bewegen können, das nachhaltig ist, wird sich zeigen. Jedenfalls tragen die Aktivist:innen die Demokratie nicht nur im Herzen, sondern treten für sie auch kräftig in die Pedale. Zeit, den eigenen Drahtesel startklar zu machen. Mitstreiter:innen gesucht, Trittbrettfahrer:innen gewünscht.

Veranstaltung in Greifswald
Die 30-tägige DemokRADtour macht vom 13. auf den 14. August auch halt in Greifswald. KATAPULT MV plant derzeit ein kleines, aber feines Zusammentreffen, zu dem alle Interessierten herzlich eingeladen sind.
Unter anderem soll unser aktueller Film Im Frühling die Brücken – Erinnerungen aus Demmin gezeigt werden. Und wir haben Lust, mit euch in den Austausch zu treten. Wie blickt ihr auf die Landtagswahl? Was bewegt euch derzeit? Welche Themen sollte KATAPULT MV in den Blick nehmen? Lasst uns an einem zwanglosen Abend offen miteinander sprechen.
Treffpunkt: Das KATAPULT-Gelände in der Wilhelm-Holtz-Str. 9. Da die Veranstaltung zum Entstehungszeitpunkt dieses Textes noch in den Kinderschuhen steckt, folgen nähere Informationen zu gegebener Zeit im Newsletter und auf Social Media. Wir haben richtig Bock! Du auch?
- demokradtour.de. ↩︎
- Leipzig fürs Klima (Hg.): Paris goes Brussels, auf: leipzigfuersklima.de. ↩︎
- Telefonat mit Jörg Schwulst am 11.6.2026. ↩︎

