Zum Inhalt springen

Tiere

Nase vorn bei der Wildschweinjagd

Von

Artikel teilen

Momentan sind in ganz MV Jäger:innen dazu aufgefordert, mehr Schwarzwild zu schießen. Denn nicht nur das Coronavirus breitet sich aus. Seit der Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) 2007 infizieren sich in ganz Europa immer mehr Haus- und Wildschweine. Doch existiert für diese Viruserkrankung weder ein Impfstoff, noch ist sie heilbar. Um sie wirksam einzudämmen, helfen lediglich strikte Hygienemaßnahmen in Mastbetrieben und das Schießen von Wildschweinen. In der letzten Saison wurden im Land über 100.000 Wildschweine getötet. Der Gedanke: Gibt es weniger Wildschweine, verbreitet sich das Virus langsamer.

Werden keine Maßnahmen ergriffen und übertragen Wildschweine die Afrikanische Schweinepest auf Hausschweine, befürchten Expert:innen massive wirtschaftliche Schäden. In Mastbetrieben führt ein Ausbruch immer zu finanziellen Ausfällen und immensen Tierverlusten, wie vor drei Monaten im Landkreis Rostock. Als das Virus in einem Mastbetrieb in Lalendorf ausbrach, verlor der Halter 4.000 Schweine. Neben Mecklenburg-Vorpommern wurde die ASP bereits in Brandenburg und Sachsen registriert.

Deutschlandweit verzeichnet der Deutsche Jagdverband bisher 3.200 infizierte Wildschweine. Während sich die ASP ursprünglich noch vorrangig in den osteuropäischen Ländern verbreitete, war sie gut einem Jahr, im September 2020, nach Deutschland eingeschleppt worden.

Ist Abschuss von Wildschweinen wirklich die Lösung?

Es gibt kaum verlässliche Daten zum Wildschweinbestand, aber wie die Jagdstrecken der letzten Jahre zeigen, nehmen die Populationen kontinuierlich zu. Die Umweltschutzorganisation WWF sieht eine Ursache für diese Entwicklung in der hiesigen einseitigen Landwirtschaft: Zwar sind Wildschweine Allesfresser, haben allerdings eine Vorliebe für Raps und Mais. Da die Zahl der Schweine wächst und Jäger:innen nicht hinterherkommen, können sich so auch Krankheiten leichter ausbreiten. Deshalb argumentiert der WWF: Jagd allein ist nicht der Weg. Um die Ausbreitung von Pesten einzudämmen, müsste auch unsere Landwirtschaft vielfältiger werden.

MV braucht mehr als nur eine Zeitung pro Region. Holt euch ein KATAPULT-MV-Abo!

Schon 5.373 Abonnent:innen

190,0 %

🎉 Ziel I:

19.000 Euro

Ziel II: 57.000 Euro

(11.400 Original-Abos)

Fußnoten

  1. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (Hg.): Afrikanische Schweinepest (ASP): Informationen zu Fällen in Deutschland, auf: bmel.de.
  2. Die meisten wurden erlegt, einige starben aber zum Beispiel auch bei Unfällen.- Landtag MV (Hg.): In Saison 20/21 die meisten Wildschweine in MV geschossen, auf: landtag-mv.de (31.1.2022).
  3. Deutscher Jagdverband (Hg.): Trotz Corona: Jäger erlegen 687.581 Wildschweine, auf: jagdverband.de (31.1.2022).
  4. Pabst, Josephine; Dietz, Charlotte: Wildschweine fressen deutsche Bauern arm, auf: welt.de (17.8.2014).
  5. Klose, Moritz: Schweinepest: Die Lösung liegt nicht in der Wildschwein-Jagd, auf: blog.wwf.de (12.1.2018).

Autor:innen

Studiert Biochemie an der Universität Greifswald und ist bis März Praktikantin bei KATAPULT MV.

Neueste Artikel

Tag der Einheit

In MV herrscht Einheit. Besonders lange schon in Tessin.

Tag der offenen Moschee

Zum Tag der offenen Moschee laden die muslimischen Gemeinden im Land heute zum gemeinsamen Austausch ein.

300 Therapieplätze ersatzlos gestrichen

Ende Juli gaben die Median-Kliniken die Schließung des Standortes Schelfstadt in Schwerin zum 30. September bekannt. Wirtschaftliche Gründe seien ursächlich für diesen Schritt. Dadurch fallen kurzfristig und vorerst ersatzlos 300 Therapieplätze für Abhängigkeits- und psychisch Kranke weg. Die Folgen der Schließung sehen Suchtexpert:innen schon jetzt. Denn nichtdurchgeführte Suchttherapien können in Arbeits- und Wohnungslosigkeit münden und zu Folgeerkrankungen von Sucht wie Krebs- und Lebererkrankungen führen, heißt es von der Landeskoordinationsstelle für Suchtthemen.