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Rechtsextremismus

Neubrandenburger Anwalt wirbt für Nazi-Konzert

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Lesedauer: ca. 5 Minuten

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Dezember 2023: Auf seinem öffentlichen Facebook-Profil kündigt der Rechtsanwalt Peter Schmidt ein Konzert der rechtsextremen Band Die Lunikoff Verschwörung an. Dass es sich tatsächlich um das persönliche Profil des Neubrandenburgers handelt, belegen Urlaubsfotos, Schnappschüsse von Angelausflügen, Fotos seines Arbeitsortes in der Schwedenstraße, seiner Visitenkarte und sogar eines Kaufvertrages für ein Auto.

Die Lunikoff Veschwörung wurde als Nachfolgeprojekt der mittlerweile verbotenen Nazi-Band Landser gegründet. Öffentlich geteilte Fotos belegen, dass Schmidt bereits im vergangenen Juni ein Solokonzert des Sängers Michael Regener besuchte, der Landser ursprünglich gegründet hat und nun als Frontmann der Lunikoff Verschwörung auftritt.

Foto von Peter Schmidts Facebook-Profil, veröffentlicht am 12. Juni 2023: Es zeigt Peter Schmidt (rechts) mit Nazi-Sänger Regener (Mitte) und einer weiteren Person.

Das gemeinsame Foto entstand auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne in Basepohl (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte). Schmidt posiert auf ihnen mit Nazi-Sänger Regener (Person in der Mitte).  Ein weiteres Foto aus Basepohl zeigt Schmidt mit einer Person im Hintergrund, die ein Shirt mit der Aufschrift Bruderschaft Grimmen trägt. Diese rechtsextreme Gruppierung wird unter anderem in MVs Verfassungsschutzbericht aufgeführt.

Foto von Peter Schmidts Facebook-Profil, veröffentlicht am 12. Juni 2023: Es zeigt Peter Schmidt und eine Person, die der rechten Gruppierung „Bruderschaft Grimmen“ angehörig ist.

In einem Facebook-Beitrag vom 10. Dezember erklärt Schmidt, dass für das geplante Konzert der Lunikoff Verschwörung in der Vier-Tore-Stadt weder Ort noch Zeit preisgegeben werden könnten, und schreibt: „Das ist so in einem ‚freiheitlichen Rechtsstaat gemäß der derzeit obwaltenden rot-grünen Ideologie-Diktatur.‘ Leider.“

Der Stadt Neubrandenburg sind Schmidts Verbindungen in die rechtsextreme Szene bekannt. Von einem geplanten Auftritt der rechtsextremen Band wisse man aber nichts, teilt die Stadt auf Nachfrage von KATAPULT MV mit. Auch das Polizeipräsidium Neubrandenburg kann keine Auskunft geben.

Beitrag von Peter Schmidts Facebook-Profil, veröffentlicht am 10. Dezember 2023.

Rechte Verbindungen und Rechtsstaatlichkeit

Der 55-Jährige sollte sich als Jurist mit dem Rechtsstaat und dem dazugehörigen Grundgesetz auskennen. Als Anwalt ist er unter anderem für das Neubrandenburger Unternehmen BBN Beratungs- und Büroservicegesellschaft tätig. Eine Zulassungsurkunde, ausgestellt von der Rechtsanwaltskammer Mecklenburg-Vorpommern, hat Schmidt am 5. September öffentlich auf seinem Facebook-Profil geteilt. Schmidt verfügt außerdem über einen Eintrag in der Bundesrechtsanwaltskammer.

Kontakte zu Rockerbanden

Schmidt pflegt offenbar nicht nur Kontake in die rechtsextreme Szene. Ein Beitrag auf dem Profil von Peter Schmidt zeigt den Anwalt zusammen mit Personen, die Lederwesten mit gelb-roten Aufnähern tragen. Auf dem Rücken eines Mannes ist der Schriftzug Germanos zu lesen. Der Aufnäher lässt sich dem Motorradclub Germanos Stralsund zuordnen.

Foto von Peter Schmidts Facebook-Profil, veröffentlicht am 19. Dezember 2022. Es zeigt Peter Schmidt (links) mit mehreren Personen aus der Rockerszene.

Im Jahr 2014 vertrat Peter Schmidt ein damaliges Mitglied des Neubrandenburger Bandidos-Clubs vor dem Amtsgericht Pasewalk. Bei einer Hausdurchsuchung im Frühjahr 2013 waren bei dem aus Vorpommern stammenden Mann mehrere Schusswaffen samt Munition gefunden worden. Die Rockergruppierung Bandidos ist mit ihren 34 deutschen Chapters (Ortsgruppen) seit 2021 in der Bundesrepublik verboten. Grund dafür waren mehrere schwere Straftaten von Mitgliedern, bei denen Menschen getötet oder schwer verletzt wurden.


Peter Schmidt vertrat 2014 außerdem sieben Rockerclubs aus Neubrandenburg und Umgebung, bei denen im Dezember 2011 eine Razzia durchgeführt worden war. Damals wurden in Neubrandenburg, Burg Stargard, Friedland und Neustrelitz mehr als 200 Waffen und gestohlene Gegenstände sichergestellt. Schmidt konnte vor Gericht erwirken, dass die vom Landeskriminalamt durchgeführte Razzia als rechtswidrig eingestuft wurde.

Anwalt für gewalttätigen Polizisten

Ein Facebook-Foto vom 4. Januar 2023 zeigt Schmidt Arm in Arm mit einem anderen Mann in die Kamera lächelnd. Die Person neben dem Anwalt trägt eine Polizeiuniform mit dazugehöriger Einsatzweste. Es handelt sich dabei um den Polizeibeamten Imre Trebbin aus Malchin.

Foto von Peter Schmidts Facebook-Profil, veröffentlicht am 4. Januar 2023. Es zeigt Peter Schmidt (links) mit dem wegen Körperverletzung verurteilten damaligen Polizisten Imre Trebbin.

Trebbin saß bis Anfang 2023 für die Fraktion Unabhängige Malchiner Bürger in der Stadtvertretung, bis diese ihn aufgrund eines Prozesses wegen gefährlicher Körperverletzung ausschloss.

Der Polizist stand vor Gericht, weil er Ende 2018 einen 62-jährigen Mann in einer Malchiner Spielothek zusammengeschlagen haben soll. Das Opfer trug eine gebrochene Nase, einen offenen Bruch am rechten Unterschenkel und mehrere striemenartige Verletzungen davon.

Trebbin wurde am 20. Januar 2023 – weniger als drei Wochen nach dem gemeinsamen Foto mit Peter Schmidt – zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Wie das Landgericht Neubrandenburg auf Nachfrage von KATAPULT MV mitteilte, war einer von Trebbins Verteidigern Rechtsanwalt Schmidt.

Profil plötzlich eingeschränkt

Wenige Stunden nach der Anfrage an das Landgericht schränkte Peter Schmidt sein öffentliches Facebook-Profil für das Nutzer:innenkonto für KATAPULT MV ein. Sein aktuelles Profilbild zeigt die Werbetafel seines Büros in der Neubrandenburger Schwedenstraße.


Transparenzhinweis vom 10. Januar, 13:06 Uhr

Uns haben mehrere Leser:innen darauf aufmerksam gemacht, dass sie mit ihren Facebook-Profilen noch Zugriff auf Peter Schmidt Account haben. Das lässt vermuten, dass Schmidt das Profil von KATAPULT MV gezielt blockiert hat. Wir haben den letzten Absatz des Textes daraufhin aktualisert.


Transparenzhinweis vom 5. Februar, 10:24 Uhr

Der Artikel wurde im Zusammenhang mit einer rechtlichen Auseinandersetzung und wegen neuer

Informationen nachträglich geändert.

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Fußnoten

  1. Peter Schmidt: Beitrag vom 10.12.2023, 1:07 Uhr, auf: facebook.com.
  2. Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): Lunikoff, auf: bpb.de.
  3. Peter Schmidt: Beitrag vom 12.6.2023, auf: facebook.com.
  4. Innenministerium MV (Hg.): Verfassungsschutzbericht, S. 37, auf: verfassungsschutz-mv.de.
  5. E-Mail der Stadt Neubrandenburg vom 12.12.2023.
  6. E-Mail des Polizeipräsidiums Neubrandenburg vom 11.12.2023.
  7. Peter Schmidt: Beitrag vom 5.9.2023, auf: facebook.com.
  8. Bundesweites amtliches Anwaltsverzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer.
  9. Peter Schmidt: Beitrag vom 19.12.2022, auf: facebook.com.
  10. @balticroy: Beitrag vom 10.12.2023, auf: tiktok.com.
  11. DPA: Prozess gegen Bandidos-Rocker in Pasewalk verschoben, auf: nordkurier.de (31.3.2014).
  12. Bundesministerium des Innern und für Heimat (Hg.): Bundesinnenminister Horst Seehofer verbietet die Rockergruppierung „Bandidos MC Federation West Central“, auf: bmi.bund.de (12.7.2021).
  13. Bund der Steuerzahler Deutschland (Hg.): Bandidos bleiben verboten, auf: steuerzahler.de (21.9.2023.)
  14. Segeth, Andreas: Razzia gegen Rocker rechtswidrig, auf: nordkurier.de (1.7.2014).
  15. Peter Schmidt: Beitrag vom 4.1.2023, auf: facebook.com.
  16. Bengelsdorf, Torsten: Polizist nach Haftstrafen-Urteil auch kein Stadtvertreter mehr, auf: nordkurier.de (31.1.2023).
  17. Beigang, Thomas: Polizist muss wegen brutaler Körperverletzung in Haft, auf: nordkurier.de (20.1.2023).
  18. Telefonat mit dem Landgericht Neubrandenburg am 3.1.2024.

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