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Abfallentsorgung

Neuer Versuch für die Biotonne

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Nachdem die Entscheidung über die Einführung einer Biotonne im Landkreis für die Kreistagssitzung im September bereits angesetzt, dann aber vertagt wurde, steht sie nun heute an. Die Fraktion von Grünen und Tierschutzpartei hat eine entsprechende Beschlussvorlage vorgelegt, die die Prüfung eines solchen Entsorgungsangebots im Kreis fordert – gerade auch hinsichtlich der Kosten und des Aufwands. Im Umweltausschuss wurde die Vorlage jedoch bereits abgelehnt.

Landkreis bisher gegen die Einführung

Vorpommern-Greifswald ist der einzige Landkreis in MV ohne Biotonne. Wie KATAPULT MV bereits Ende Januar berichtete, steht der Landkreis der Einführung aus verschiedenen Gründen skeptisch gegenüber. Der vormalige Kreissprecher Achim Froitzheim nannte Fehlwürfe, also zu viel Abfall, der nicht in die Biotonne gehört, dazu das bestehende, flächendeckende Netz an Wertstoffhöfen im Kreis, wo jederzeit Biomüll hingebracht werden kann. Außerdem hätten viele Menschen eigene Kompostiermöglichkeiten. Deshalb sei das Interesse an der Biotonne als eher gering einzuschätzen.

Biomüll nicht ungenutzt entsorgen

Grüne und Tierschutzpartei sehen das anders. Bioabfall selbst zu Sammelstellen zu bringen, sei „nicht zeitgemäß, kostspielig, klimaschädlich und Bürger:innen-unfreundlich“, heißt es in der Vorlage. Dennoch solle mit Einführung der Tonne natürlich nicht die Möglichkeit der Entsorgung von Grünabfällen über die Wertstoffhöfe entfallen. Diese könnten wie bisher bestehen bleiben.

Auch vor dem Hintergrund der aktuellen Energie- und Rohstoffkrise sei die Entscheidung für die Biotonne wichtig. Den Biomüll in Vorpommern-Greifswald ungenutzt zu entsorgen, könne man sich eigentlich nicht leisten, so die Fraktionsvorsitzende von Grünen und Tierschutzpartei im Kreistag, Ulrike Berger, gegenüber KATAPULT MV. Der Müll sei auf zwei Arten verwertbar. Zum einen in Biogas-, zum anderen in Kompostieranlagen. Hinsichtlich der Nutzung in der Biogasanlage zitiert Berger Aussagen des Präsidenten des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft, Peter Kurth. Dieser hatte sich kritisch zur noch nicht flächendeckenden Einführung der Biotonne in Deutschland geäußert. Es sei ein „Ärgernis, dass zwar seit 2015 die Pflicht zur Getrenntsammlung von Bioabfällen besteht, sie aber vielerorts einfach nicht vollzogen wird“, so Kurth. Mit Blick auf die Energiekrise sei es gerade ratsam, „stärker auf Biogas zu setzen“. Würde die Biotonne flächendeckender genutzt, ließe sich der Anteil von Biogas am deutschen Gasbedarf mindestens verdoppeln – von einem auf zwei Prozent.

Was die Kompostierung des in der Biotonne gesammelten Mülls betrifft, so verweist Berger auf die Kompostieranlage in Reinberg (Vorpommern-Rügen), die von der Ostmecklenburgisch-Vorpommerschen Verwertungs- und Deponie GmbH (OVVD) unterhalten wird. Gesellschafterin der OVVD ist, neben den Landkreisen Vorpommern-Rügen und Mecklenburgische Seenplatte, auch der Kreis Vorpommern-Greifswald. Dort sei es bereits jetzt möglich, den Biomüll in Kompost umzuwandeln und anschließend zu vermarkten.

Teuer, aber in drei bis vier Jahren könnte es losgehen

Auf Bestreben von Grünen und Tierschutzpartei sprach der Geschäftsführer der OVVD, Eiko Potreck, zum Thema Biotonne am 7. November im Umweltausschuss. Eigentlich hatte die Fraktion eine Einladung Potrecks bereits zur Kreistagssitzung im September angestrebt. Weil diese sehr spät erfolgte, musste er jedoch absagen. Aus seiner Sicht könne der Kreis die Biotonne durchaus einführen, erklärt Potreck im Gespräch mit KATAPULT MV. Es brauche allerdings einen Vorlauf von drei bis vier Jahren. Zudem werde auch eine Biotonne die Bürger:innen viel Geld kosten. Eine genaue Summe nannte er nicht.

Allerdings bereite der OVVD ein Umstand „Bauchschmerzen“: Kompost wird derzeit kaum nachgefragt. Dabei sei die OVVD daran interessiert, diesen Wertstoff zu erzeugen, berichtet ihr Geschäftsführer. Natürlich komme der Inhalt der Biotonne auch für eine Vergärung in Frage. Allerdings sei das noch teurer und der Inhalt spiele dabei eine noch größere Rolle. So gärt Bioabfall mit einem hohen Anteil an Grünschnitt beispielsweise schlechter und komme dann eher nicht infrage. Das zeigt sich beim Bioabfall aus Vorpommern-Rügen, der einen hohen Grünschnittanteil habe.

Grundsätzlich ist sich Potreck mit den Grünen und der Tierschutzpartei aber einig, dass die Biotonne eine gute Sache ist. Vor allem, „wenn die Entsorgung geklärt ist und die Kosten im Rahmen bleiben“.

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Fußnoten

  1. Fraktion Grüne und Tierschutzpartei (Hg.): Beschlussvorlage Kreistag 82/2022 – Abfallentsorgung im Landkreis Vorpommern-Greifswald bürgerfreundlicher gestalten – Prüfung der Einführung der Biotonne, auf: kreis-vg.ratsinfomanagement.net (27.10.2022).
  2. Ebd.
  3. E-Mail von Ulrike Berger vom 19.8.2022.
  4. Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (Hg.): Bioabfallmengen wachsen weiter – BDE „da geht noch mehr“, auf: bde.de (7.9.2022).
  5. E-Mail von Ulrike Berger vom 19.8.2022.
  6. Ostmecklenburgisch-Vorpommersche Verwertungs- und Deponie GmbH (Hg.): Unsere Unternehmen im Verbund, auf: ovvd.de.
  7. E-Mail von Ulrike Berger vom 19.8.2022.
  8. Telefonat mit Eiko Potreck am 7.11.2022.
  9. Ebd.
  10. Ebd.

Autor:innen

Redakteurin bei KATAPULT MV.

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