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Streik für Lohnerhöhung

Öffentlicher Dienst in Rostock auf der Straße

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Lesedauer: ca. 4 Minuten

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Etwa 800 Beschäftigte aus dem öffentlichen Dienst haben sich heute in Rostock zu einer Kundgebung und Demonstration versammelt. Unter ihnen auch Arbeitnehmer:innen aus Neubrandenburg und Greifswald. „Wir haben heute in ganz Mecklenburg-Vorpommern Menschen aus den öffentlichen Verwaltungen der Landkreise, Städte und Gemeinden sowie Erzieher:innen, Arbeitnehmer:innen der Sparkassen und aus dem Pflegebereich aufgerufen, die Arbeit niederzulegen“, berichtet Diana Markiwitz, stellvertretende Landesbezirksleiterin von Verdi Nord. Die Kundgebung fand zur Mittagszeit auf dem Neuen Markt statt.

Bisherige Verhandlungsrunden ohne Ergebnis

Hinter Verdi liegen bereits zwei Verhandlungsrunden mit Bund und Kommunen, bei denen die Gewerkschaft eine Reallohnerhöhung von 10,5 Prozent oder mindestens 500 Euro mehr im Monat durchsetzen wollte. Die erste Verhandlungsrunde am 24. Januar sei ohne Angebot von Arbeitgeberseite beendet worden, auf die dann erste bundesweite Warnstreiks folgten, erklärt Markiwitz. So streikte beispielsweise bereits das Personal der Flughäfen und Krankenhäuser in Berlin.

Hintergrund des Streiks heute sei laut der Landesbezirksleiterin von Verdi Nord,Susanne Schöttke, das „absolut unzureichende Angebot seitens der Arbeitgeber“ in der zweiten Verhandlungsrunde im Februar. „Heute tragen die Beschäftigten ihre Wut und Enttäuschung auf die Straße“, so Schöttke. Die Arbeitgeber boten in der letzten Verhandlungsrunde fünf Prozent mehr Geld mit einer Laufzeit von 27 Monaten, lehnten die Zahlung von 500 Euro mehr pro Monat allerdings ab.

Öffentlicher Dienst kämpft gegen Fachkräftemangel

Neben einer unzureichenden Vergütung gehe es hier außerdem um das Problem des Fachkräftemangels, erklärt Jens Immich aus der Rostocker Stadtverwaltung, der auch zum Streik gekommen ist. Sehr wenige Bewerbungen, zu viele ungeeignete Bewerber:innen und unbesetzte Stellen seien im öffentlichen Dienst Alltag, meint er. Von den steigenden Löhnen erhofft sich Immich eine Attraktivitätssteigerung des öffentlichen Dienstes für junge Menschen. Die Arbeitgeber hingegen leugneten den Fachkräftemangel, findet Diana Markiwitz von Verdi. Dabei werden im kommenden Jahr 1,4 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst in Rente gehen. Diese Stellen müssen besetzt werden, stellt die stellvertretende Bezirksleiterin klar. Verdi fordert deshalb auch 200 Euro mehr und für Auszubildende eine Übernahme nach der Ausbildung.

Inflation trifft vor allem niedrige Einkommensgruppen

Auch Melanie Schmidt aus dem Landkreis Rostock, tätig im Sozialamt, empfindet die fehlende Wertschätzung von Arbeitgeberseite als „Schlag ins Gesicht“. Während der Corona-Pandemie und den Flüchtlingsbewegungen wurde der öffentliche Dienst beklatscht, eine monetäre Würdigung sei aber ausgeblieben, sagt Schmidt. Besonders im Hinblick auf die aktuellen Preisentwicklungen brauche es eine Erhöhung des Reallohns.

Schmidt ist seit 2002 bei der Gewerkschaft und bei jedem Warnstreik dabei, erzählt sie. Sie sei eingetreten, um ihrer Stimme Gehör zu verschaffen. Dabei betont sie die besonders prekäre Situation der unteren Einkommensklassen. Gerade für diese seien die Forderungen von Verdi wichtig.

Darüber hinaus würden die Arbeitgeber eine Spaltung der Beschäftigten fördern, kritisiert Landesbezirksleiterin Susanne Schöttke. So bekämen Amtsleiter zum Beispiel mehr Geld als niedrigere Einkommensgruppen. Der Fachkräftemangel sei jedoch nicht nur ein Problem der Führungsebene, so Schöttke.

Verständnis auf beiden Seiten nötig

Die nächste Verhandlungsrunde wird vom 27. bis 29. März in Potsdam stattfinden. „Unsere Bundestarifkommission wird schon am Sonntag anreisen und wir sind gewillt, zur Not auch länger zu bleiben“, erklärt die Bezirksleiterin. Es bestehe zwar Hoffnung für die nächsten Verhandlungen, aber sie seien so gut aufgestellt, dass die Beschäftigten auch einen längeren Streik führen und sogar Streikwellen im ganzen Land durchgeführt werden könnten, so Schöttke.

Für den Ärger der Bevölkerung über die Streiks hätten die Arbeitnehmer:innen Verständnis, erklärt Jens Immich. Aber auch sie bräuchten Verständnis. Denn ohne Veränderung würde es für die Gesellschaft zukünftig immer schwieriger werden, Leistungen des öffentlichen Dienstes beziehen zu können.

Transparenzhinweis: In einer früheren Version des Artikels war noch von der Forderung Verdis nach einer Einmalzahlung von 500 Euro die Rede. Das wurde korrigiert.

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