Auf der Kachel sind einige Online-Wahlhelfen für die kommende Landtagswahl in MV zu sehen. Darunter: Wahl-O-Mat, Kandidierendenchek, Party-Checking, Wahl-Swiper und Wahl-Chat.
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Online-Wahlhilfen für MVs Landtagswahl 

Seit gestern ist der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung zur Landtagswahl in MV online. Dieser unterstützt alle, die sich fragen: Wen soll ich wählen? Es gibt jedoch noch weitere Online-Tools, die dabei helfen sollen, die Parteien und Kandidierenden zu vergleichen und die Wahlentscheidung spielerisch zu erleichtern. Wir stellen einige vor, zeigen, was sie können – und wer dahintersteckt.
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Der Klassiker: Wahl-O-Mat

Der Wahl-O-Mat ist das Urgestein unter den digitalen Wahlhilfen. Seit 2002 wurde er nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) rund 160 Millionen Mal genutzt. Das Prinzip ist ähnlich wie bei den anderen Tools: Nutzer:innen beantworten politische Thesen und vergleichen ihre Positionen anschließend mit denen der Parteien. 

Übrigens: Es gibt auch einen analogen Wahl-O-Mat. Dieser geht ab dem 31. August auf Tour durch MV und macht an verschiedenen Orten im Land halt: Wahl-O-Mat auf Tour durch MV – Politik MV 

Wie funktioniert der Wahl-O-Mat?

38 Thesen werden mit „stimme zu“, „stimme nicht zu“, „neutral“ oder „These überspringen“ beantwortet. Thesen, die man selbst als besonders wichtig erachtet, können doppelt gewichtet werden. 

Anschließend berechnet der Wahl-O-Mat die persönliche Übereinstimmung mit den ausgewählten Parteien. Das Ergebnis erscheint in einem Balkendiagramm und lässt sich weiter erkunden. Nutzer:innen können ihre Antworten nachträglich ändern und sehen, wie sich das Ergebnis dadurch verändert. Sie können auch einzelne Themen vergleichen und – sofern vorhanden – die Begründungen der Parteien zu ihren Positionen lesen. 

Der Wahl-O-Mat ist in Leichter Sprache, mit Gebärdensprache sowie per Vorlesefunktion verfügbar.

Wer steckt hinter dem Wahl-O-Mat?

Der Wahl-O-Mat ist ein Projekt der bpb. Die Thesen werden von einer Redaktion aus Jung- und Erstwähler:innen im Alter von 16 bis 26 Jahren gemeinsam mit Politikwissenschaftler:innen, Statistiker:innen und Pädagog:innen entwickelt. Die Parteien beantworten zunächst deutlich mehr Thesen, als später im Wahl-O-Mat landen. Erst nach einer fachlichen Prüfung wird die finale Auswahl getroffen. 

Wie gut ist der Wahl-O-Mat? 

Vorteile: 

  • viele Hintergrundinformationen zu den Parteien
  • Begründungen der Parteien sind einsehbar
  • verschiedene Möglichkeiten der Auswertung
  • in Leichter Sprache, Gebärdensprache sowie mit Vorlesefunktion verfügbar

Nachteile:

  • stellenweise etwas unübersichtlich
  • keine weiteren Erklärungen zu den Fragen
  • nur in deutscher Sprache vorhanden

Kandidierenden-Check: Für die Erststimme

Beim Kandidierenden-Check von Abgeordnetenwatch liegt der Fokus auf den  Direktkandidat:innen, die mit der Erststimme gewählt werden, nicht auf den Parteien, die mit der Zweitstimme gewählt werden. 

Wie funktioniert Kandidierenden-Check?

19 Thesen werden mit „lehne ab“, „neutral“ oder „stimme zu“ beantwortet. Anschließend wird der eigene Wahlkreis per Postleitzahl ausgewählt. Das Tool zeigt, wie stark die eigenen Positionen mit denen der dort antretenden Kandidat:innen übereinstimmen. Auch einzelne Positionen lassen sich vergleichen. Nutzer:innen können außerdem Fragen an die Kandidierenden stellen und bereits beantwortete Fragen einsehen. 

Wer steckt hinter dem Kandidierendencheck?

Abgeordnetenwatch ist eine spendenfinanzierte, überparteiliche Plattform. Ihr Ziel ist es, einen direkten Draht zwischen Bürger:innen und Politiker:innen herzustellen. Ein eigenes Rechercheteam beschäftigt sich zudem mit politischer Einflussnahme, etwa durch Nebeneinkünfte, Parteispenden, Netzwerke oder Lobbyverflechtungen. 

Wie gut ist der Kandidierenden-Check?

Vorteile:

  • konzentriert sich auf Kandidierende 
  • kurze Erklärungen zu den jeweiligen Fragen 

Nachteile:

  • nicht alle Kandidat:innen haben mitgemacht
  • nur auf Deutsch verfügbar
  • wenig Infos zu den Parteien

Party-Check: Der Wissenschaftliche

Der Party-Check versteht sich als „wissenschaftliche Alternative zum Wahl-O-Mat“. Der entscheidende Unterschied: Während die Parteien beim Wahl-O-Mat ihre eigenen Positionen angeben, werden sie beim Party-Check von unabhängigen Politikexpert:innen eingeordnet.

Wie funktioniert Party-Check?

Die Wahlentscheidungshilfe Party-Check MV stellt 18 Fragen zu verschiedenen Themenbereichen. Nutzer:innen können sich auf einer Skala von 1 bis 20 positionieren – von vollständiger Zustimmung bis vollständiger Ablehnung. Am Ende zeigt das Tool die prozentuale Übereinstimmung mit den Parteien an. Zusätzlich wird die eigene Position im Vergleich zu den Parteien auf dem Links-Rechts-Spektrum eingeordnet. Die Ergebnisse können nach Themenbereichen aufgeschlüsselt werden. 

Hier werden jedoch nur die sieben aktuell im Landtag sitzenden Parteien berücksichtigt.

Wer steckt hinter Party-Check?

Party-Check wurde gemeinsam von den Universitäten in Potsdam, Greifswald, Jena, Chemnitz und Darmstadt entwickelt. Wer möchte, kann freiwillig Zusatzangaben, etwa zu Geschlecht und Alter, machen und so die Wahlforschung unterstützen.  

Wie gut ist Party-Check?

Vorteile:

  • auch auf Englisch verfügbar
  • differenziertere Bewertung als nur „ja” und „nein” 

Nachteile:

  • teilweise komplizierte Fragen
  • nur sieben „große” Parteien dabei 
  • keine weiterführenden Informationen zu Parteien
  • keine Erklärung zu den Fragen

WahlSwiper: Das Open-Source-Projekt

Wer es etwas spielerischer mag, kann zum WahlSwiper greifen. Das Prinzip erinnert an die Dating-App Tinder: Nach rechts oder links wischen – und damit politische Fragen mit Zustimmung oder Ablehnung beantworten. 

Wie funktioniert WahlSwiper?

38 Fragen werden durch Wischen oder Klicken nach rechts oder links beantwortet. Ein „Vielleicht“ gibt es nicht, Fragen können aber übersprungen werden. 

18 der 19 antretenden Parteien haben ihre Antworten übermittelt.Nur WLD fehlt. Wie beim Wahl-O-Mat können die Antworten nachträglich verändert oder doppelt gewichtet werden. Außerdem lassen sich die eigenen Positionen direkt mit denen einzelner Parteien vergleichen. Es gibt ebenfalls Links zu den Wahlprogrammen und Begründungen der Parteien.

Wer steckt hinter WahlSwiper?

WahlSwiper wurde von einem Team aus Journalist:innen, Programmierer:innen, Grafiker:innen und Videoproduzent:innen entwickelt. Die Fragen entstehen in Zusammenarbeit mit Politikwissenschaftler:innen der Universität Freiburg und weiteren Hochschulen. Seit 2021 ist der WahlSwiper Open Source, um die Funktionsweise transparent zu machen und eine bessere Beteiligung bei der Weiterentwicklung zu ermöglichen. 

Wie gut ist WahlSwiper?

Vorteile:

  • verständliche Fragen
  • einfache Bedienung
  • Erklärungen und Videos zu den Fragen vorhanden
  • Fragen können „vorgelesen” werden 
  • zahlreiche Sprachen, von Englisch über Finnisch bis Russisch
  • Begründungen der Parteien vorhanden 

Nachteile:

  • wenig Infos zu den Parteien

WahlChat: Das KI-Tool

Einen anderen Ansatz verfolgt WahlChat. Dieser Chatbot findet basierend auf Wahlprogrammen und weiteren Veröffentlichungen der Parteien Antworten auf verschiedene Fragen. Es gibt also keine vorgegebenen Fragen, sondern die Fragen werden von den Nutzer:innen direkt in den Chat eingegeben. Für Sachsen-Anhalt ist der WahlChat schon länger online, seit dem vergangenen Wochenende ist er auch für MV nutzbar.

Wie funktioniert WahlChat?

Dem WahlChat können alle Fragen rund um die Landtagswahl in MV gestellt werden. Neben den Positionen der Parteien auch allgemeine Fragen zur Wahl, etwa, wer überhaupt wählen darf oder wer die Spitzenkandidat:innen sind. Es können sowohl parteispezifische Fragen als auch vergleichende Fragen gestellt werden. Für die Antworten greift WahlChat auf verschiedene Quellen zurück. Dazu gehören unter anderem Wahl- und Grundsatzprogramme, weitere Veröffentlichungen sowie journalistische Quellen. Die KI wertet die Informationen aus und formuliert daraus eine verständliche Antwort. Die verwendeten Quellen werden dabei angegeben und verlinkt. 

Das Tool kann aber noch mehr: Antworten lassen sich zusätzlich einordnen. So kann der Chatbot beispielsweise erklären, wie realistisch oder umsetzbar eine politische Forderung ist und ob Auswirkungen eher kurzfristig oder langfristig zu erwarten sind. Interessant ist auch der Blick auf die politische Vergangenheit: Je nach Thema können Nutzer:innen Informationen dazu erhalten, wie sich eine Partei in der Vergangenheit positioniert hat oder wie sie bei bestimmten politischen Fragen abgestimmt hat.

Wer steckt hinter WahlChat?

Hinter WahlChat steht ein Team von Studierenden der LMU München, der Technischen Universität München und der University of Cambridge. Entstanden ist das Projekt im Rahmen eines Forschungsprojekts rund um Künstliche Intelligenz.

Nach Angaben der Betreiber werden die Chatverläufe nicht zum weiteren Training der KI verwendet. WahlChat ist zudem ein Open-Source-Projekt: Der zugrunde liegende Programmcode ist öffentlich einsehbar.

Wie gut ist WahlChat?

Vorteile:

  • Individuelle Recherche möglich
  • Niedrige Einstiegshürde 
  • Quellenangaben
  • Zusätzliche Infos durch Abstimmungsverhalten
  • Einordnung hilft für tiefes Verständnis 

Nachteile:

  • KI kann Fehler machen
  • Wahl der Quellen kann Antworten beeinflussen
  • keine vorgegebenen Fragen, kann überfordern 
  • unklar, wie Fragestellung die Antworten beeinflusst
  • unterschiedliche Tiefe, je nachdem, wieviel eine Partei im Internet veröffentlicht

Sachsen-Anhalt hat noch mehr Online-Wahlhilfen

Übrigens: Wer in Sachsen-Anhalt wählt (am 6.9.) hat aktuell zusätzlich zu den oben genannten noch ein wenig mehr Tools zur Verfügung.

Am härtesten vermisst wird in MV wohl der Real-O-Mat, bereits bekannt von der vergangenen Bundestagswahl. Wie Frag-den-Staat mitteilt, konnte das kleine Team die Aufgabe nicht für beide Bundesländer stemmen, zudem seien die Daten in MV nicht so gut aufgearbeitet. 

Aktuell ebenfalls nur für Sachsen-Anhalt verfügbar ist Voto, eine Wahlhilfe, bei der kostenlos eine eigene Wahlhilfe erstellt werden kann. Für Sachsen-Anhalt gibt es aktuell ein Voto-Tool, das sich eher an junge Menschen im Bundesland richtet und 27 Thesen beinhaltet, die aus Forderungen des Kinder- und Jugendrings entstanden sind.

Und dann wäre da noch der Sozial-O-Mat, ein Angebot der Diakonie Mitteldeutschland, die sozialpolitische Themen in den Mittelpunkt stellt.  

Keiner nimmt die Entscheidung ab

Am Ende gilt für alle Wahlentscheidungshilfen: Keiner nimmt Dir die Entscheidung ab. Sie können aber dabei helfen, die eigenen Positionen zu sortieren – und vielleicht die eine oder andere Partei genauer unter die Lupe nehmen. Wenn du mehr zur Wahl in MV erfahren willst, findest du hier alle bereits erschienenen und noch kommenden Artikel: Landtagswahl 2026 | KATAPULT MV 

Kennt ihr noch mehr Online-Wahlhilfen? Schreibt uns gerne an: redaktion@katapult-mv.de

Transparenzhinweis: Die Bewertung der einzelnen Online-Tools erfolgte von unserer Redaktion und ist ein rein subjektiver Eindruck, der vor allem der Orientierung dienen soll.

Autor:in

  • Redakteurin in Rostock

    Tauschte die Berge des Südens gegen das Meer im Nordosten. Wurde im Rostocker Büro liebevoll Katzen-Oma getauft - hat aber keine Katze.

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