Zum Inhalt springen

Demonstrationen

Polizist nimmt an Corona-Demo teil – im Dienst und ohne Maske

Von

Artikel teilen

Bei den angemeldeten und nicht angemeldeten „Spaziergängen“ der Corona-Regeln-Gegner:innen passiert immer das Gleiche: Die Menschen treffen sich an einem zentralen Platz und die Polizei weist über Lautsprecher darauf hin, dass hier bei so einer Versammlung ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden muss. Niemand befolgt diesen Hinweis.

Was aber, wenn selbst die Polizei ihren eigenen Regeln nicht folgt? Wie ernst sollen die polizeilichen Ansagen in dem Fall genommen werden, wenn sie sich nicht selbst daran hält? Ein Polizist hat genau das in Greifswald gemacht. Er reiht sich in den Demozug ein, unterhält sich (offensichtlich sympathisierend) mit einem Demonstranten, raucht dabei eine Zigarette und trägt keinen Mund-Nasen-Schutz. Nicht privat, sondern in voller Uniform – im Dienst! Der Beamte erweckt den Anschein, als würde er zur Demo gehören.

Bei Twitter kursiert ein Video dieses Vorgangs. (Urheber unbekannt.)

Beamte*innen müssen nach dem Gesetz neutral und unabhängig von politischen und wirtschaftlichen Einflüssen sein. Das ist hier leider nicht der Fall. Das Neutralitätsgebot wurde missachtet.

Auf Anfrage von KATAPULT MV bestätigt die Polizeiinspektion Anklam, dass es sich um einen im Dienst befindlichen Polizisten handelt. Ein Problem sieht die Polizei im Verhalten ihres Kollegen jedoch nicht. Es habe auch keine Veranlassung gegeben, den Beamten auf sein Fehlverhalten hinzuweisen.

Und genau das ist das eigentliche Problem. Es gibt eine riesengroße Mehrheit der Polizist:innen, die sich 100-prozentig neutral und angemessen verhält. Dass nun ein Beamter einen Fehler macht und sich nicht an das Neutralitätsgebot noch daran hält, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, ist wenig überraschend. Viel kritischer ist, dass die Polizei kein Fehlverhalten erkennt. Die Antworten der Polizei sagen im Großen und Ganzen: Es ist uns scheißegal! Läuft der da halt mal mit.

Wie ernst sollen wir die Polizei nehmen, wenn sich einzelne Beamte nicht an die eigens ausgerufenen Regeln halten und sich bei einer Demonstration ganz offensichtlich nicht neutral verhalten, sondern Sympathie mit einem fragwürdigen Anliegen zeigt? Dieser eine Polizist schädigt das Ansehen der gesamten Polizei. Die Polizeipressestelle verstärkt diesen Eindruck noch, indem sie auf Fragen von Journalisten einigermaßen unmotiviert antwortet.

MV braucht mehr als nur eine Zeitung pro Region. Holt euch ein KATAPULT-MV-Abo!

Schon 5.287 Abonnent:innen

187,5 %

🎉 Ziel I:

19.000 Euro

Ziel II: 57.000 Euro

(11.400 Original-Abos)

Autor:innen

Ist einsprachig in Wusterhusen bei Lubmin in der Nähe von Spandowerhagen aufgewachsen, studierte Politikwissenschaft und gründete 2021 KATAPULT MV.

Veröffentlichungen:
Die Redaktion (Roman)
Fredrich rastet aus

Neueste Artikel

Offene Fragen bei geplanter Zusammenlegung

Anfang November kündigte der Landrat von Ludwigslust-Parchim die Zusammenlegung der Krankenhäuser in Hagenow, Ludwigslust und Crivitz unter dem Dach der neu zu schaffenden LUP-Kliniken an. Der Landkreis verspricht sich davon nicht nur eine bessere Versorgung, sondern auch finanzielle Einsparungen, etwa durch die Zusammenlegung der Verwaltungen und die Spezialisierung der Angebote. Dazu tagt in dieser Woche erstmals ein eigens gebildeter Beirat. Nur ein Indiz dafür, wie viele Fragen noch zu beantworten sind.

Geschenke für geflüchtete Kinder gebraucht

In Greifswald sammeln Freiwillige mit Unterstützung der Kinder- und Jugendhilfeinitiative „Zora“ Geld- und Sachspenden, um Kinder in den Geflüchtetenunterkünften des Landkreises zu beschenken. Seit zehn Jahren organisieren Freiwillige das Projekt. Ein paar Sachen sind schon zusammengekommen. Für insgesamt 170 Kinder hofft das Team aber auf noch mehr Unterstützung.
Fotos von zwei bemalten Stromkästen. Aufschriften vorher: “Erinnern heißt kämpfen” und “Nie wieder”. Hinterher: Aufschriften mit grauer Farbe übermalt.

Streetart-Projekt von Hafenamt vorläufig beendet

Mit Graffitis auf Stromkästen am Stadthafen wollten Jugendliche an das Pogrom 1992 in Lichtenhagen erinnern. Doch das Rostocker Hafenamt hat das Übermalen der Botschaften angeordnet.