„Tag der deutschen Jugend“: Veranstaltung der AfD-Jugendorganisation entpuppt sich als Demo der Identitären Bewegung
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Schwerin

„Tag der deutschen Jugend“: Veranstaltung der AfD-Jugendorganisation entpuppt sich als Demo der Identitären Bewegung

Am vergangenen Samstag, den 1. August 2026, mobilisierte die AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ bundesweit zur Demonstration nach Schwerin zum sogenannten Tag der deutschen Jugend. Das antifaschistische Bündnis „widersetzen“ rief zur Gegendemo auf. Es kam zu Sitzblockaden und einem Angriff. Dabei entpuppte sich die Veranstaltung der AfD-Jugend vielmehr als eine Demonstration der rechtsextremen Identitären Bewegung.
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Ein Konglomerat aus Vertreter:innen rechtsextremer Gruppen – von der Identitären Bewegung bis hin zur Frauenorganisation Lukreta – traf sich nach einem Aufruf der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland letzten Samstag in Schwerin. Die Polizei zählte rund 420 Teilnehmende auf Seiten der rechten Demonstration sowie 460 Gegendemonstrant:innen. Im Vorfeld der Veranstaltung kam es zu einem körperlichen Angriff gegenüber Michael Schumann, dem Hamburger Landesvorsitzenden der AfD-Jugendorganisation.1

Wenngleich die Demonstration durch die Generation Deutschland organisiert wurde, war sie augenscheinlich personell sowie inhaltlich durch die Identitäre Bewegung (IB) geprägt. Der Demonstrationszug lief durch die Straßen von MVs Landeshauptstadt, begleitet von zentralen Sprechchören wie „Heimat, Freiheit, Tradition. Multikulti Endstation“, „Europa für Europäer“ und Rufen nach der verfassungsfeindlichen Forderung von „Remigration“. Auch bekannte Akteur:innen der rechtsextremen Gruppierung, wie unter anderem Maximilian Märkl, waren vor Ort. Dass die Demonstration in Schwerin wahrscheinlich durch die IB geprägt sein wird, war im Vorhinein schon abzusehen. Auf der Plattform Gettr rief ein Account der IB dazu auf, in die Landeshauptstadt zu kommen.2

Vom Preußen-Fimmel bis zum Selbstverteidigungsregenschirm

Diverse rechtsextreme Symbole dominierten die Veranstaltung. Darunter ein junger Mann, der eine Cap mit der Aufschrift „Macht Preußen wieder groß“ trug. Die ideologische Bezugnahme auf Preußen ist in Teilen der rechtsextremen sowie Reichsbürger:innenszene verbreitet und dient als sinnstiftende Erzählung, die auf einem verklärten Bild des historischen Staats beruht.3

Ein weiterer junger Mann mit gelbem T-Shirt und dem Aufdruck „Fresst keine Döner“, der vermutlich der Identitären Bewegung Österreich zugeordnet werden kann, führte während der Demonstration mutmaßlich einen Selbstverteidigungsregenschirm mit sich. Leicht zu erkennen an dem massiven Holzgriff. Nach dem Versammlungsgesetz ist das Mitführen von Waffen oder Gegenständen, die als Schutzwaffen dienen können, verboten.4 Ob Ermittlungen gegen die Person aufgenommen wurden, ist bislang nicht bekannt. 

Symbole mit klarem Bezug zum Nationalsozialismus

In Schwerin war auch Jannis George anwesend, der schon Beisitzer im Vorstand der Jungen Alternative Baden-Württemberg war und in der Vergangenheit regelmäßig für das Filmkunstkollektiv arbeitete, das der Identitären Bewegung zugeordnet werden kann.5 George trägt dabei auffällige Tattoos, die Rückschlüsse auf seine Gesinnung vermuten lassen. Eines seiner Beine ist geschmückt mit einem Sturmgewehr 44 und dem einschlägigen Spruch „Defend Europe“. Das Sturmgewehr 44 wurde 1944 vermehrt von der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront eingesetzt.6 Etwas weiter oberhalb des Tattoos befindet sich zudem eine weitere Tätowierung, die Alpen-Edelweiß zeigt. Die Blume war das Erkennungszeichen der 1. Gebirgs-Division der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Die Elitetruppe ermordete tausende Zivilist:innen und Kriegsgefangene.7 Ein weiterer Teilnehmer trägt die Blume als Krawattennadel. 

Von White-Power-Gruß bis serbische Hooligan-Shirts

Geschäftsmodell Populismus: Medienaktivisten begleiten Demonstration

Vor Ort in Schwerin waren auch einige bekannte rechtsextreme Meinungsmacher, die die Veranstaltung unter anderem mit Livestreams begleiteten. Prominent unter ihnen: Björn Winter, der vielmehr als Musiker Björn Banane bekannt ist. Er kandidierte in der Vergangenheit bereits für die AfD und arbeitete auch für die rechtsextreme Partei.8 In Schwerin fielen seine Begleiter und er durch provozierendes Verhalten gegenüber den Teilnehmenden der Gegendemo auf. Eine kalkulierte Taktik? Nicht unwahrscheinlich. Erst wenige Tage zuvor störte er in Potsdam das CSD-Gedenken und beschimpfte die Trauernden als „Regenbogenfaschisten“.9 2024 zündete Winter in Dresden eine Regenbogenfahne an.

Des Weiteren waren auch die Medienaktivisten Matthäus Westfal, bekannt als Aktivist Mann, und Sebastian Weber (Weichreite TV) in Schwerin. Westfal arbeitete hier augenscheinlich im Auftrag des AfD-nahen und rechtsextremen Online-Magazins Deutschland-Kurier. Weber hingegen betätigt sich, wie Winter, direkt politisch für die AfD und sitzt für die Partei im Kreistag des Landkreises Leipzig.10 Ebenfalls vor Ort waren der Neonazi Sebastian Schmidtke, der sich ebenfalls als Streamer versucht11 und der jüngst verurteilte AfD-nahe Online-Aktivist Patrick Kolek (auf X, vormals Twitter, bekannt als Wuppi)12.

  1. Studier, Jette: AfD-Jugend in Schwerin: Hunderte Gegendemonstranten, ein Verletzter, auf: ndr.de (1.08.2026). ↩︎
  2. @Identitaere_Europa: Beitrag vom 17.07.2026, auf: gettr.com. ↩︎
  3. Vergin, Philipp: Das Leitbild, auf: der-rechte-rand.de (März/April 2022). ↩︎
  4. Prigge, Jasper: Dürfen Journalisten auf Demos Schutzkleidung tragen?, auf: prigge-recht.de (22.08.2023). ↩︎
  5. Büchner, Timo: Ins rechte Licht gerückt, auf: taz.de (28.07.2025). ↩︎
  6. Gunfinder Magazin (Hg.): Das Sturmgewehr 44, auf: gunfinder.de. ↩︎
  7. Topographie des Terrors (Hg.): „Blutiges Edelweiß”. Die 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg, auf: topographie.de (1.07.2008). ↩︎
  8. Speit, Andreas: Musikalisch untermalte Hetze, auf: taz.de (14.06.2026). ↩︎
  9. Geiler, Julius: Bei CSD-Gedenken in Potsdam: AfD-Mitarbeiter beschimpft Menge als „Regenbogenfaschisten“, auf: tagesspiegel.de (29.07.2026). ↩︎
  10. Landkreis Leipzig (Hg.): Herr Sebastian Weber, auf: lk-l.info (27.04.2026). ↩︎
  11. Schindler, Frederik: Mehrfach verurteilter Neonazi mit Zugang zu führenden AfD-Politikern, auf: welt.de (23.07.2026). ↩︎
  12. Alshater, Samira: „Wuppi“– NRW-AfD-Funktionär, Kampagnen-Organisator und Online-Mobber, auf: belltower.news (12.09.2025). ↩︎

Autor:in

  • Redakteurin in Greifswald

    Irgendwas zwischen Patchworkwendekid und Halbprovinzbohème. Wohnte in 4 von 16 Bundesländern. Konnte ohne Abitur, aber mit Meisterbrief studieren. Ist ausgebildete Crossmedia-Journalistin.

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