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Rostocker Nordwesten

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Seien es Probleme mit dem Arbeitsamt, der Polizei oder Suchterkrankungen – die Assoziationen, die Menschen mit den Einwohner:innen des Rostocker Nordwestens verbinden, sind in der Regel düster. Überregionale Fernsehformate wie „Hartz und herzlich“ vermitteln den Eindruck ewiger Perspektivlosigkeit im Stadtteil Groß Klein, was sich auch auf die Wahrnehmung anderer Großwohnsiedlungen wie Schmarl, Lichtenhagen, Evershagen oder Lütten Klein auswirkt. Viele der Einwohner:innen fühlen sich anhand ihres Wohnorts vorverurteilt.

Seit bereits zehn Jahren lebt Kerstin in Evershagen, arbeitete als Animateurin eines Reiseunternehmens lange im Ausland und zog mit der Geburt ihrer Tochter aus Reutershagen in die Platte. Der Stadtteil bedeutet für sie mehr als nur günstiges Wohnen. Freunde, Familie, Kirche und eine wunderbare Hausgemeinschaft – alles das sei es, weshalb sie das Narrativ des abgehängten Nordwestens ablehne.

In seinen über 40 Jahren, die Wolfgang in Schmarl lebte, lernte er sowohl die guten als auch die schlechten Seiten des Rostocker Nordwestens kennen. Seine Arbeit in der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen führte ihn zu inklusiven Projekten, die insbesondere Kindern einen weltoffenen Zugang zum Fußballsport ermöglichen wollen.

In mehreren inklusiven Projekten unterstützt der gebürtige Demminer Steven im Verbund mit sozialer Bildung beinahe jeden Stadtteil des Rostocker Westens für den Internationalen FC Rostock. Angebote zu schaffen, dafür zu sorgen, dass etwas los ist, das sei es, was ihn antreibe.

Lisa, die gebürtig aus Bützow stammt, wohnt seit beinahe vier Jahren im Stadtteil Lichtenhagen. Sie lernte Friseurin und pendelt heute zu ihrer Arbeit als Barfrau in Warnemünde, wo sie die Nächte verbringt. Sie sagt: „Ich mag meine Hood. Man kann die Leute nicht einfach über einen Kamm scheren, und nur weil man aus Lütten Klein kommt, ist man bei manchen Leuten direkt der Asi.“ Sie hoffe, dass sich das ändere und Leute auch den finanziellen Aspekt betrachten würden. Nicht jeder, der eine Wohnung in der Innenstadt finden würde, könnte sich die auch immer leisten, betont sie abschließend.

Ursprünglich aus Ribnitz stammend, trainierte Ruben Rudersport in Münster, zog dann nach Bremerhaven um und zählte lange zur deutschen Nachwuchselite, bevor er im vergangenen Jahr den Sport aufgab und eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker bei der Neptun-Werft begann. Rostock war für ihn schon immer eine Heimat, seit vier Monaten ist er in Schmarl zu Hause.

Für Leo gestaltet sich das Wohnen in Groß Klein vielschichtig. Sein Einzug in die Platte hing eng mit den Wohnkosten zusammen. Im Alltag sehe er das Schlechte wie auch das Gute. Durch seinen ehemaligen Wohnort Warnemünde habe er aber gemerkt: „Hässliche Ecken gibt es überall, Verallgemeinerungen werden niemandem gerecht.“

„In Schmarl wohne ich sehr gerne und das mein Leben lang schon“, stellt Robert direkt klar. Für ihn bedeutet der Nordwesten in Kontakt zu bleiben – mit Familie, Freunden und seiner Kunst, der Musik. Der gebürtige Rostocker kritisiert Medienberichte, in denen die Großwohngebiete eindimensional betrachtet werden. Für ihn steht fest: „Hier wohnt jeder, vom Studenten bis zum Singlemann, wie auch Rentner.“

Ursprünglich stammt er aus der Nähe von Magdeburg und wohnt doch seit mehr als 20 Jahren in Rostock, erzählt Meik. Auch wenn die Hansestadt für ihn nie vollständig zur Heimat wurde, halte ihn seine Arbeit mit beeinträchtigten Menschen hier. Seit 2006 veranstaltet der selbst geistig Beeinträchtigte Partys für Menschen mit Behinderungen im Groß Kleiner Stadtteil- und Begegnungszentrum. Er stehe den Entwicklungen um das Sterben der Kultur und Gastwirtschaft im Stadtteil kritisch gegenüber und beklagt, dass die Zivilgesellschaft im Nordwesten zu oft nur von einigen wenigen Ehrenamtlichen gestaltet würde.

Über zwei Jahrzehnte schon brennt Horst für seinen Stadtteil Schmarl. Er ist ehrenamtlicher Philatelist und engagiert sich seit etwa zehn Jahren in der Interessengemeinschaft der Freunde der Luft- und Raumfahrt in Schmarl und Groß Klein für ehrenamtliche Bildungsprojekte. So konnte er sogar den ersten deutschen Kosmonauten Sigmund Jähn nur eine Woche vor seinem Tod zum zweiten Mal in der Hansestadt empfangen.

Der gebürtige Vogtländer Hartmut (im Bild mit Horst) fand durch die Arbeit bei der Armee den Weg in die Hansestadt und wohnt seit nunmehr 42 Jahren in Schmarl. Sein Lebensweg führte ihn unter anderem zur Luftwaffe, wo er seine Leidenschaft für die Luft- und Raumfahrt entdeckte. Heute betreut er wie Horst ehrenamtlich Bildungsprojekte in diesem Bereich. Klischees über seinen Stadtteil widerspricht er und betont die Notwendigkeit des ehrenamtlichen Engagements. Nur so lasse sich eine lebenswerte Stadt für alle gestalten.

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