Während rund 400 AfD-Anhänger:innen im Kulturhaus Treffpunkt Europas den Reden der AfD-Politiker Enrico Schult, Leif-Erik Holm, Dario Seifert und Tino Chrupalla beiwohnten, demonstrierten draußen etwa 150 Menschen aus Parteien und der Zivilgesellschaft gegen die Wahlkampfveranstaltung der rechtsextremen Partei. Darunter auch der CDU-Landtagsabgeordnete Harry Glawe.
Neben Chrupalla war auch die zweite AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel angekündigt. Kurz vor 20 Uhr stand am Freitag fest, dass die Parteichefin wegen der Wetterlage am Flughafen festsaß und nicht erscheinen wird.
Neben den rund 150 Gegendemonstrant:innen versammelten sich schätzungsweise 100 weitere Schaulustige, teils aus dem rechtsextremen Milieu, auf dem gegenüberliegenden Parkplatz eines Supermarkts. Neben bekannter Szenekleidung trugen einige von ihnen Tätowierungen mit Bezug zum Nationalsozialismus.

AfD MV beauftragt Medienagentur aus dem Umfeld der Identitären Bewegung
Wie auch schon bei der Demonstration der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland Anfang August in Schwerin, zeigte sich in Grimmen die enge Zusammenarbeit zwischen der Partei und Personen, die klar der Identitären Bewegung zuzuordnen sind. So zum Beispiel die Münchnerin Anni Hunecke, die nach eigenen Angaben schon mehr als zehn Jahre Teil der völkisch-orientierten Gruppierung ist.1 Sie filmte vor Ort mutmaßlich im Auftrag der AfD MV mit Kollegen für die Agentur Countercut. Countercut ist neben dem bekannteren Filmkunstkollektiv eines von zwei Medienunternehmen der Neuen Rechten, die im direkten Zusammenhang mit der Identitären Bewegung und der AfD stehen. Countercut ist dabei auch im europäischen Ausland aktiv, wie das Instagram-Profil der Firma zeigt.2

Vor Ort in Grimmen war zudem mindestens eine Greifswalder Aktivistin der rechtsextremen und antifeministischen Vorfeldorganisation Lukreta. Auch Medienaktivisten wie der Neonazi Sebastian Schmidtke und der AfD-Lokalpolitiker Sebastian Weber waren vor Ort. Weber nennt sich im Internet „Weichreite“ und betreibt einen Youtube-Kanal.
Einschüchterung der Presse: Hat die AfD MV gegen die Datenschutz-Grundverordnung verstoßen?
Im Vorfeld der Veranstaltung wollte sich eine Journalistin von KATAPULT MV akkreditieren. Wegen angeblichen Platzkapazitäten wurde die Anfrage von Seiten der AfD MV abgelehnt.3 Auffällig bei der Anmeldung war die Fülle an Daten, die die AfD wegen vorgeblicher Sicherheitsauflagen der Behörden von Pressevertretern verlangte. Neben legitimen Angaben wie Name, journalistisches Medium und Presseausweisnummer sollten unter anderem auch Personalausweisnummer sowie Wohnanschrift genannt werden.
KATAPULT MV fragte dahingehend beim Bundeskriminalamt (BKA) und dem Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit nach.

Das BKA teilte mit, dass es bei einer Veranstaltung, bei der es Personenüberprüfungen im Rahmen der Aufgabenwahrnehmung durchführt, die vom Veranstalter erhobenen Akkreditierungsdaten erhält: Name, Vorname, Geburtsdatum, Geburtsort – und im Falle einer zusätzlichen Ausweiserstellung auch ein Lichtbild. „Weitere Daten, insbesondere wie hier im vorliegenden Falle die Bundespersonalausweisdaten, sind für das Akkreditierungsverfahren für das BKA weder notwendig noch werden sie vom BKA verlangt oder erhoben“, sagt BKA-Sprecher Andreas Prämassing.4
Wie der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit MV, Herr Sebastian Schmidt, mitteilt, liegen aktuell mehrere Beschwerden zur Veranstaltungsanmeldung der AfD MV vor. Wegen eines aktuell laufenden Verfahrens könne dazu aber nicht mehr gesagt werden.5
Saal tobt als Chrupalla das Z-Wort sagt
Mit einem Trabant vor der Tür und dem Veranstaltungstitel „Bereit für die Blaue Wende“ war die AfD bemüht, auf der einen Seite ostdeutsche Klischees zu bedienen und auf der anderen Seite die Geschichte der DDR-Bürger:innenrechtsbewegung für ihre politischen Zwecke zu instrumentalisieren.

Parteichef Chrupalla sprach in seiner Rede den Waffenfund in einem Wald bei Berlin an: „Da findet man zwei Waffen, zwei Pistolen, die wahrscheinlich irgendwelche Z******* [Sinti:zze und Rom:nja] beim Pilzesuchen verloren haben.“6 Damit verband er eine ganze Bevölkerungsgruppe mit Kriminalität. Eine in der rechtsextremen AfD weitverbreitete rhetorische Strategie, um Angst und Hass in der Bevölkerung zu säen. Nach Recherchen von NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung hat das Bundesamt für Verfassungsschutz Hinweise darauf, dass das Waffenlager im Auftrag russischer Geheimdienste angelegt wurde.7

Glaubt man dem rechtsextremen Generalsekretär der AfD MV, Dario Seifert, so befanden sich im Saal CDU-Mitglieder während draußen einige ihrer Parteikolleg:innen gegen die Veranstaltung demonstrierten.
AfD-Bundesvorsitzende kommen nach Neubrandenburg
Am 18. September will die AfD-Spitze wieder nach MV kommen. Dieses Mal soll die Veranstaltung im Haus der Kultur und Bildung in Neubrandenburg stattfinden.

- Raumnahme (Hg.): Annie – Das Postergirl der Bewegung, auf: youtube.com (1.4.2026). ↩︎
- @countercvt: Überblick des Profils am 31.8.2026, auf instagram.com. ↩︎
- E-Mail der AfD MV vom 25.8.2026. ↩︎
- E-Mail von Andreas Prämassing vom 27.8.2026. ↩︎
- E-Mail der Pressestelle des Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit vom 31.8.2026. ↩︎
- AfD TV (Hg.): Live: Tino Chrupalla zu Gast beim großen Wahlkampfauftakt in Mecklenburg-Vorpommern!, auf: youtube.com (28.8.2026). ↩︎
- ZDFheute (Hg.): Waffenfund bei Berlin: Bundesanwaltschaft ermittelt, auf: zdfheute.de (21.8.2026). ↩︎

