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Pilgern

Alle Wege führen durch Meck-Vorp

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Bis zur Pilgerstadt Santiago de Compostela im spanischen Galicien sind es von Meck-Vorp aus gut 2.500 Kilometer. Man muss sich aber gar nicht auf eine so weite Reise begeben, denn auch hierzulande gibt es ausgewiesene Jakobswege. MV ist von insgesamt drei anerkannten und einem neu entwickelten Pilgerweg durchzogen: Die längste der drei klassischen Routen ist die Via Baltica. Zu ihr führt von Rügen der Birgittaweg. Vermutet wird, dass Schwedens Nationalheilige Birgitta von Vadstena im 14. Jahrhundert diesen Weg gepilgert ist. Der dritte Pfad, der Baltisch-Mitteldeutsche Weg, führt anders als die ersten beiden in Nord-Süd-Richtung von Rostock quer durch das Bundesland.

Alle drei Wege basieren auf alten Strecken und verbinden früher bedeutsame Pilgerorte, sagt Kersten Koepcke, Tourismusbeauftragter des Zentrums Kirchlicher Dienste in Rostock. Ziele waren einst Klöster oder Kirchen mit besonderen Reliquien. Auf welchen Wegen genau die Gläubigen damals gewandert sind, ist nicht mehr eindeutig nachvollziehbar. Da nichts ausgeschildert war, gab es vermutlich mehrere Trassen. Die seien heute zum Teil Bundesstraßen oder führen über Felder. Die heute ausgewiesenen Wege liegen auf den günstigsten Verbindungen zwischen den Kirchenorten – auf Wander- und Radwegen, Landstraßen oder Pferdetrassen.

Alleine zu pilgern, war damals aber eher unüblich. Meist ging man innerhalb einer Gruppe auf Wallfahrt. Die Gefahren eines Überfalls waren einfach zu hoch, erklärt Koepcke. Auch Fernpilgern wie heute war – wenn überhaupt – nur den Reichen möglich. Leibeigene durften in der Regel gar nicht den Hof verlassen. „Ich bin dann mal weg“ à la Hape Kerkeling war früher also nicht wirklich empfehlenswert. Und wenn, dann nicht so weit. Daher entwickelten sich auch in Meck-Vorp Pilgerorte.

Ausbau neuer Pfade

Zu den drei Wegen kam 2009 ein weiterer hinzu: der Pilgerweg entlang der Mecklenburgischen Seenplatte. Den gab es damals so nicht, erzählt der Experte. Er verbindet aber Kirchenorte mit besonderen Pilgerzeichen, die etwa am Glockenguss gefunden wurden. Wie genau sie dort hingekommen sind, wisse niemand.

Außerdem gibt es seit fünf Jahren einen sogenannten Kapellenweg, der bislang sieben Standorte einstiger Kapellen in Mecklenburg verbindet. Die wurden im Dreißigjährigen Krieg weitgehend zerstört, von ihnen stehen meist nur noch die Grundmauern. Die sollen mit dem Ausbau des Weges geschützt werden. Weitere Kapellenstandorte sollen hinzukommen.

Pilgerwege sind keine (massen)touristischen Angebote

Pilgerexperte Kersten Koepcke betont, dass die Strecken aber keinesfalls als touristische Wander- und Ferienausflüge verstanden werden sollten. Auch eine reine Radtour, wie einige Reisende immer wieder bei ihm anfragen, sei nicht möglich. Dazu verlaufen zu viele Streckenabschnitte auf Sandpfaden. Auch hatten sich schon einige Male Familien mit kleinen Kindern für Routen- und Unterkunftsberatungen an Koepcke gewandt. Das sieht er sehr problematisch, da die Pilgerquartiere 20 bis 25 Kilometer voneinander entfernt liegen. Das sei zu weit für Kinder. Auch buchbar sei beim Pilgern nichts, Führungen gebe es ebenso wenig. Zum Konzept „Pilgern“ gehörten auch das Verlaufen und unvorhergesehene Veränderungen, auf die man eingehen müsse. Das sollte bei der Planung beachtet werden. Auf Teilabschnitten unterwegs zu sein – ob allein, mit Kindern oder per Rad – sei dagegen jederzeit möglich und erwünscht.

Übrigens ist auf keinem von Meck-Vorps Pilgerwegen der Heilige Jakobus, der Schutzpatron der Pilger, nach dem die Wege benannt wurden, wohl je gewandert.

Dieser Artikel erschien in Ausgabe 2 von KATAPULT MV. 

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Redakteurin bei KATAPULT MV.

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