Zu sehen ist eine Karte von MV in der die flächenmäßig größten Städte abgebildet sind. "Wie MVs größte Städte auf das Sondervermögen schauen" lautet die Überschrift.
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Nachgefragt

Das erwarten MVs Städte vom Sondervermögen

Das Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur und Klimaneutralität beträgt insgesamt 500 Milliarden Euro und soll auch den Kommunen zugutekommen. Rund 1,9 Milliarden Euro davon gehen nach Mecklenburg-Vorpommern. KATAPULT MV hat bei neun ausgewählten Städten des Landes nachgefragt, wie sich die Finanzspritze konkret vor Ort auswirken wird.
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Infrastruktur, Verkehr, Bildung, Wohnungsbau und Klimaschutz: Das sind die Bereiche, in die in Deutschland die 500 Milliarden Euro des sogenannten Sondervermögens fließen sollen. Für Mecklenburg-Vorpommern ist ein Betrag von rund 1,9 Milliarden Euro vorgesehen. Rund 60 Prozent davon – 1,2 Milliarden Euro – gehen direkt an die Kommunen. Jede Gemeinde erhält dabei pauschal einen Sockelbetrag von 50.000 Euro. Doch wie wirkt sich diese Summe konkret auf die neun größten Städte in MV aus? Eine Einschätzung der Bürgermeister:innen:

Greifswald

Voraussichtlich sollen aus dem Zuschuss in Greifswald verschiedene Fördertöpfe gebildet werden. Die Universitäts- und Hansestadt stehe wie viele Kommunen im Land vor der großen Herausforderung, angesichts sinkender finanzieller Mittel eine Stadt mit attraktivem Kultur-, Sport- und Bildungsangebot zu bleiben. Gleichzeitig sollen auch Belange des sozialen Zusammenhalts und des Klimaschutzes verfolgt werden. Dennoch priorisiert die Hansestadt nach eigenen Angaben weiterhin Angebote für Kultur, Sport, Bildung und Jugend. Laut Stadtverwaltung sei die wirtschaftliche Entwicklung im bundesweiten Vergleich positiv.1 Zwar müsse die Stadt sparen, dennoch stelle man Mittel wie beispielsweise für Unterrichtsmaterialien in Schulen, Spielplätze sowie den Kultur- und Sozialpass bereit.

Güstrow

In Güstrow sei noch nicht bekannt, wie viel Geld die Stadt erhält. Daher kann noch keine Aussage darüber getroffen werden, welchen Projekten die finanziellen Mittel zugutekommen. „Grundsätzlich hat die Barlachstadt Güstrow lange Zeit von hohen Ergebnisvorträgen aus den Vorjahren profitiert. Mittlerweile ist dieses Polster stark gesunken“, sagt Bürgermeister Sascha Zimmer (FDP).2 Ebenso wie viele andere Kommunen in MV stehe die Stadt vor der Herausforderung, wie ohne die Erwirtschaftung von Überschüssen Investitionen finanziert werden können.

Marlow

Der Bürgermeister von Marlow, Andreas Kröger (parteilos), antwortete auf die Anfrage, dass noch keine fixen Zahlen vorliegen, wie viel Geld vom Sondervermögen der Stadt zukommen.3 Die Fragen, wo in Marlow die Mittel gut investiert werden könnte und wo derzeit die Probleme der Stadt liegen, blieben unbeantwortet.

Neubrandenburg

Die-Vier-Tore-Stadt rechnet sicher mit 50.000 Euro. Wofür genau sie verwendet werden, entscheide die Stadtvertretung. Auf Anfrage teilte Bürgermeister Nico Klose (parteilos) mit, dass eine Deckungslücke von circa 12 Millionen Euro im Haushaltsplan der Stadt bestehen.4 Für 2027 bis 2029 betrage die Lücke voraussichtlich 88,5 Millionen Euro. Die zusätzlichen Mittel aus dem Sondervermögen könnten daher eine positive Wirkung für die Stadt entfalten, den erheblichen Investitionsbedarf jedoch nur zu einem kleinen Teil decken.
Insbesondere die erforderlichen Investitionen an Schulen und den dazugehörenden Sporthallen fordern den Haushalt zunehmend heraus. In diesem Bereich will die Stadt bis 2030 insgesamt etwa 91 Millionen Euro investieren. Trotz der erheblichen Fehlbeträge sei es bisher gelungen, Finanzierungen für unaufschiebbare und erforderliche Investitionsmaßnahmen zu sichern und diese umzusetzen.

Parchim

Bislang sei es in Parchim noch nicht absehbar, welche Mittel ankommen würden. „Vor dem Hintergrund der bislang unklaren Situation sind kaum valide Aussagen möglich, ob die Kreisstadt Parchim profitieren kann. Die kolportierten 50.000 für jede Gemeinde in MV sind in einem Mittelzentrum mit seinem entsprechenden Haushalt eher vernachlässigbar“, antwortet Sprecher Axel Schott.5 Die finanziellen Probleme seien mit denen anderer Kommunen vergleichbar.

Rostock

„Da Rostock als größte Stadt im Land einen sehr großen Investitionsbedarf hat, könnten wir vermutlich die gesamte Summe des Geldes für Mecklenburg-Vorpommern allein in Rostock ausgeben und wären immer noch nicht fertig“, sagt Bürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Die Linke).6 Aktuelle Herausforderungen in der Hansestadt liegen im Infrastrukturbereich: Maßnahmen des Hochwasserschutzes entlang der Warnow, zum Klimaschutz und im Rahmen der Wärmewende, zur Sicherung der Wasserver- und -entsorgung, im Bereich der Verkehrsinfrastruktur (Straßenbahnnetzausbau, Straßen- und Brückensanierungen, Neubau einer Warnowbrücke) sowie der Planungen für den Wohnungsneubau. Mit dem Theaterneubau, dem Rathausanbau sowie dem neuen Stadtquartier Kesselborn seien positive Entwicklungen festzustellen.

Schwerin

Die finanziellen Mittel sollen nach Auskunft der Stadt ausschließlich für Schulen, Straßen, öffentliche Gebäude oder Energieprojekte eingesetzt werden.7 Problematisch sei auch, dass mit dem Sondervermögen die finanziellen Probleme nicht nachhaltig gelöst werden könnten. So werden laut Stadt für die verschiedenen Leistungen des Fachdienstes Jugend knapp elf Millionen Euro mehr benötigt, im Kita-Bereich etwa vier Millionen Euro und für Personal drei Millionen Euro. Hauptursache seien vor allem gestiegene Löhne aufgrund der Tarifentwicklung. Schwerin erwartet, dass das jährlich durch Kassenkredite zu deckende Defizit in den kommenden Jahren deutlich anwächst – und nicht wie geplant auf null reduziert werden kann. Bisher habe die Stadt seit 2019 jährlich ihre Kassenkredite reduziert. Vom Ziel, bis 2029 vollständig entschuldet zu sein, musste sich die Landeshauptstadt inzwischen verabschieden. Ihre neue Prognose lautet, dass die Kassenkredite bis 2030 auf 300 Millionen steigen könnten.

Teterow

Auch Teterow wird den Sockelbetrag von 50.000 Euro erhalten. „Wir präzisieren derzeit Planungen unter anderem für Vorhaben im Bereich Schule/Bildung und Feuerwehr“, schreibt Bürgermeister Andreas Lange (parteilos).8 Unter anderen gehe es dabei um Hortplätze und eine Erweiterung des Gerätehaus der Schwerpunktfeuerwehr Teterow. Die Stadt verfolge ein klares Ziel: Sie will einen nach den aktuellen Förderkriterien förderfähigen Verkehrsknotenpunkt am Bahnhof errichten. Damit soll die Anbindung des SPNV und ÖPNV deutlich verbessert werden.„Der Gesamtaufwand für den Verkehrsknüpfungspunkt und den notwendigen Straßenbau beläuft sich auf circa 3,16 Millionen Euro. Wir haben bereits den Förderantrag mit der aktualisierten Planung an die Verkehrsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern eingereicht“, so Lange.

Waren

Auch Waren (Müritz) hat nach eigenen Angaben einen enormen Investitionsrückstand.9 Schulen, Horte, Sporthallen, Straßen und Spielplätze müssen demnach dringend saniert werden. Zudem ergeben sich neue Herausforderungen durch die Sperrung der Herrenseebrücke. Ein Neubau dieser Brücke wird voraussichtlich zwischen 60 und 80 Millionen Euro kosten. Nach Angaben der Stadt ist diese Summe für die Kommune nicht alleine stemmbar. Daher wird es für Waren ohne zusätzliche Fördermittel sehr schwierig sein, den kommunalen Pflichtaufgaben nachzukommen. Allein der Umbau hin zu einer klimaneutralen Energieversorgung bis zum Jahr 2045 stelle die Stadt und ihre Beteiligungsunternehmen vor große finanzielle Herausforderungen.

  1. E-Mail der Pressestelle der Universitäts- und Hansestadt Greifswald vom 11.12.2025.- ↩︎
  2. E-Mail des Bürgermeisters der Stadt Güstrow vom 4.12.2025. ↩︎
  3. E-Mail des Bürgermeisters der Stadt Marlow vom 10.12.2025. ↩︎
  4. E-Mail des Bürgermeisters von Neubrandenburg vom 9.12.2025. ↩︎
  5. E-Mail der Pressestelle der Stadt Parchim vom 4.12.2025. ↩︎
  6. E-Mail der Pressestelle der Universitäts- und Hansestadt Rostock vom 11.12.2025. ↩︎
  7. E-Mail der Pressestelle der Stadt Schwerin vom 9.12.2025. ↩︎
  8. E-Mail des Bürgermeisters der Stadt Teterow vom 4.12.2025. ↩︎
  9. E-Mail aus dem Büro des Bürgermeisters der Stadt Waren vom 10.12.2025. ↩︎

Autor:in

  • Redakteurin in Greifswald

    Irgendwas zwischen Patchworkwendekid und Halbprovinzbohème. Wohnte in 4 von 16 Bundesländern. Hat einen Meisterbrief und einen Papagei.

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