Schon seit jeher rätselt die Menschheit, ob es Leben in den Tiefen des Weltalls gibt. Immer mal wieder tauchen Nachrichten auf, dass ein Planet erdähnliche Bedingungen aufweist und dort Leben existieren könnte. Das lässt Vermutungen zu, dass es – außer der menschlichen – weitere Zivilisationen gibt. Leute berichten immer wieder von Sichtungen in der Atmosphäre, die sie nicht wirklich einordnen können: Dann ist von Unbekannten Flugobjekten, kurz Ufos, die Rede. Die Schilderungen wirken oft mysteriös und versetzen die Zeug:innen in einen Zustand zwischen Faszination und Furcht. Oft gibt es dafür ganz einfache, manchmal aber auch komplexe Erklärungen.
Stattliche Himmelsschiffe in Stralsund
Während des Niedergangs der Hanse, im Jahr 1665, werden sechs Stralsunder Fischer Zeugen eines übernatürlichen Ereignisses: Am Himmel seien Kriegsschiffe mit menschenähnlichen Gestalten zu sehen. Ein Kupferstich hält die Begebenheit bildlich fest. Außerdem wird überliefert, dass sie ein tellerförmiges Flugobjekt über der Nikolaikirche verorten. Das Szenario ist eine Sensation und verbreitet sich über Drucke, Illustrationen und Bücher in ganz Europa. Die Menschen finden Gefallen an der außergewöhnlichen Geschichte.Dass die Fischer möglicherweise betrunken waren und sich etwas zusammengesponnen haben, ist ein Erklärungsversuch. Ein andere Antwort verfolgt einen naturwissenschaftlichen Ansatz: Übereinanderliegende warme und kalte Luftschichten könnten atmosphärische Spiegelungen erzeugt und eine Seeschlacht quasi reflektiert haben. Die Fischer wären also optisch getäuscht worden. Was wirklich geschehen ist, weiß aber niemand.1
Gruselige Gebilde überm Greifswalder Bodden
Der Abend des 24. August 1990 im Nachwendedeutschland. Sieben Lichtkugeln versetzen Menschen zwischen Greifswald und Rostock in Aufruhr. Die Objekte hätten gegen 20 Uhr in einer weinrebenähnlichen Formation regungslos über dem Greifswalder Bodden geschwebt, sich anschließend Richtung Rostock bewegt und seien eine halbe Stunde später etwa drei Kilometer vor der Stadt verschwunden. Diverse Videoaufnahmen aus verschiedenen Perspektiven entlang der Küste zeigen rötlich-weiße Gebilde, wobei eine Seite strahlte, die andere aber dunkel blieb.2
Ufo-Skeptiker:innen suchten nach rationalen Erklärungen. Erst dachten sie an Heißluftballone. Doch dieser Ansatz wurde nicht weiterverfolgt, da private Ballonfahrten in der DDR verboten waren und sie nicht davon ausgingen, dass so kurz nach der Wende bereits Ballonklubs in Mecklenburg-Vorpommern ansässig waren.
Fernsehsender veröffentlichten das Videomaterial in den folgenden vier Jahren, um der Öffentlichkeit Gelegenheit zu geben, sich selbst ein Bild zu machen. In dieser Zeit werden die Greifswalder Lichtkugeln als die deutschlandweit bestdokumentierten Ufo-Fälle bezeichnet.Der Ufo-Skeptiker Werner Walter, Mitglied der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, beschäftigte sich intensiv mit dem Fall. Nachdem er verschiedenen Medien Pressemitteilungen zukommen ließ und Zeug:innen um Hilfe bat, erhielt er entscheidende Hinweise. Bei den mysteriösen Erscheinungen soll es sich demnach um Leuchtkugeln an Fallschirmen gehandelt haben. Ein Segler hatte von seiner Jolle aus beobachtet, wie kleine Raketen von einem Kriegsschiff in die Luft geschossen wurden, sich formierten und mit sehr großen Fallschirmen lange über der aufgeheizten Ostsee schwebten. Laut einem NVA-Offizier wurden diese Lichtformationen „Tannenbäume“ genannt. Sie dienten als Übungsziele für Boden-Luft-Raketen mit Infrarotspürkopf. Denn mit echten Flugzeugen konnten entsprechende Manöver nicht durchgeführt werden. Ein ehemaliger Pressesprecher der ostdeutschen Luftwaffe gab außerdem die Information, dass der Raum östlich von Rügen und nördlich von Usedom als militärisches Übungsgebiet diente. Was wirklich geschehen ist, weiß aber niemand.3
Lichterscheinung in Moraas und Hagenow-Heide
Ende Juli 2008 bezeugen mehrere Menschen im Landkreis Ludwigslust ein schwebendes Licht in der Nacht. Es sei einfarbig und geräuschlos gewesen und plötzlich verschwunden. Das Licht sei intensiv und groß gewesen, habe aber nicht geblinkt. Daher könne ein Flugzeug oder ein Hubschrauber ausgeschlossen werden, so ein Beobachter.Diese Ufo-Sichtung war für Werner Walter ganz einfach zu erklären: Zu dem Zeitpunkt waren sogenannte Skyballons neu auf dem Markt und sehr beliebt. Dabei handelt es sich um Gasballons, umgeben von einer Hülle aus Reispapier. Vor allem an Sommerabenden, wo sie einen größtmöglichen Effekt haben, würden diese in die Luft gelassen.4 Was wirklich geschehen ist, weiß aber niemand.
Neubrandenburgs nebulöses Gestirn
Vom Timing hätte es nicht besser passen können: Pünktlich zur Halloween-Nacht 2015 gegen 19 Uhr taucht über Neubrandenburg ein leuchtendes Objekt am Himmel auf. Augenzeug:innen berichten von einem grünlich schimmernden, vertikal in die Länge gezogenen Schein. Auf Facebook beschreiben einige einen hell-grünlich eingefärbten Himmel. Einen kurzen Knall soll es auch gegeben haben. Die Neubrandenburger Bevölkerung ist beunruhigt und alarmiert die Polizei. Mitarbeitende einer Hubschrauberstaffel bestätigen die Objektsichtung. Sie sehen aber keinen Anlass zur Sorge, sondern erklären, dass es sich um einen kleinen, verglühenden Meteoriten gehandelt habe.5 Was wirklich geschehen ist, weiß aber niemand.
E.T. nach Haus telefonieren – wie war noch mal die Vorwahl?
Dass Ufos und Außerirdische auf die Erde kommen, ist eher unwahrscheinlich.
Wahrscheinlicher ist, dass wir zuerst Kontakt zu anderen Existenzen aufnehmen. Bevor eine Kommunikation zustande kommt, müssen jedoch grundlegende Bedingungen erfüllt und Entwicklungsstufen genommen werden. Grundvoraussetzung für lebensfreundliche Bedingungen auf anderen Planeten sind Wasservorkommen und ein starkes Magnetfeld, das vor kosmischer Strahlung schützt. Dann kann primitives Leben entstehen. Der nächste Schritt wäre die Entwicklung vom Ein- zum Mehrzeller. Die Wesen müssten lernen, Werkzeuge zu erfinden und diese zu bedienen. Erst eine hochentwickelte Zivilisation kann Technologien hervorbringen, die über ihren Planeten hinaus wirken.6
Die Menschheit hat dieses Evolutionsstadium bereits erreicht und versucht mithilfe von Funkkommunikation, Lebewesen aus dem All zu erreichen. Eine Reaktion? Bislang Fehlanzeige.
Der Physiker Enrico Fermi stellte schon 1950 die Existenz von Außerirdischen infrage: „Wo sind denn alle?“ Allein die astronomisch weite Entfernung zur nächsten vermuteten Zivilisation, die durchschnittlich 17.000 Lichtjahre7 beträgt, lässt an einer gelingenden Kontaktaufnahme zweifeln. Doch Wissenschaftler:innen bleiben dran: Eine Studie aus dem Jahr 2020 ergab, dass die Milchstraße mindestens 36 andere Zivilisationen beherbergen könnte. Auch sie könnten daran interessiert sein, Kontakt zu uns aufzunehmen und die Erde über Funkwellen zu erreichen.8 Heißt für uns erst mal: abwarten und Tee trinken.
Berechnungen, Annahmen, Schätzungen. Bis zur finalen Begegnung bleiben uns nur Science-Fiction-Filme, die einen Eindruck vermitteln, wie Zivilisationen aus dem Weltall aussehen könnten. Möglich, dass es tatsächlich Wesen gibt, sie der Menschheit aber bewusst aus dem Weg gehen. Platz ist ja genug. Den haben wir auch in MV. Unzählige Äcker und Flächen bieten ideale Landeplätze und Lebensbedingungen für unsere galaktischen Freunde. Wenn sie sich hier niederlassen sollten, können sie uns vielleicht auch Tipps zum ÖPNV-Ausbau geben. Transporttechnisch sollten sie einiges draufhaben.
- Kankel, Holger: Ufo-Schlacht über Stralsund: Außerirdische oder Luftspiegelung?, auf: svz.de (28.6.2023). ↩︎
- Walter, Werner: Das UFO-Phänomen von Greifswald – Ein deutscher Klassiker, auf: gwup.org (1999). ↩︎
- Ebd. ↩︎
- Hennes, Katharina: Ufos über Mecklenburg, auf: svz.de (1.8.2008). ↩︎
- NonstopNews Müritz (Hg.): „UFO-Sichtung“ bei Neubrandenburg, auf: facebook.com (1.11.2015). ↩︎
- Knopf, Ingo: Gibt es außerirdisches Leben im Weltall?, auf: quarks.de (2.9.2020). ↩︎
- Ein Lichtjahr sind rund 9,46 Billionen Kilometer. ↩︎
- McFall-Johnson, Morgan: Unsere Galaxis könnte mindestens 36 intelligente außerirdische Zivilisationen haben – aber es kann Tausende von Jahren dauern, sie zu finden, auf: businessinsider.de (17.6.2020). ↩︎


