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Kultur

Für mehr Politikinteresse in Meck-Vorp

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Mit einer Eröffnungsfeier im Löwenschen Saal in Stralsund beginnen die diesjährigen entwicklungspolitischen Tage, seit vier Jahren unter dem Titel „weltwechsel“ bekannt. Bis Ende November gibt es an 22 Orten im Land Lesungen, Gesprächsrunden, Filmvorführungen und Ausstellungen. Organisiert wird das Programm vom Eine-Welt-Landesnetzwerk MV, das in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert.

Worauf wollen die Veranstalter genau aufmerksam machen? Und was hat das mit Meck-Vorp zu tun? Wir haben nachgefragt bei Projektleiterin Jana Michael vom Tutmonde e. V. aus Stralsund, der die Eröffnungsveranstaltung ausrichtet.

KATAPULT MV: Frau Michael, vorab ganz kurz erklärt: Was genau macht Ihr Verein?

Jana Michael: Unser Verein setzt sich bundes- und landesweit für die Stärkung von Frauenrechten, den Kinderschutz, Migration und Entwicklungspolitik ein. Unsere Ortsgruppe in Stralsund haben wir 2006 gegründet, die macht das auf lokaler Ebene. Wir organisieren beispielsweise Treffen, Seminare, erarbeiten Resolutionen zusammen mit Kooperationspartnern.

Tutmonde – das bedeutet „weltweit“ in der Weltsprache Esperanto. Sehr passend zum Titel der Veranstaltungsreihe. Sie sind jetzt zum zweiten Mal dabei und richten gleich die Eröffnungsveranstaltung aus. Wie sind Sie auf „weltwechsel“ aufmerksam geworden und wie kam es so schnell zu dieser großen Aufgabe?

Das war wirklich sehr schnell, aber wir freuen uns sehr. Aufmerksam geworden sind wir durch einen Newsletter vom Eine-Welt-Landesnetzwerk. Dann haben wir einfach mal gefragt, ob wir mitmachen können. Im letzten Jahr waren alle Veranstaltungen ja coronabedingt nur online möglich, da waren wir kaum vertreten. Deshalb hatte ich das Netzwerk zu Beginn der diesjährigen Planungen gleich kontaktiert und unser Interesse bekundet.

Warum ist Ihnen die Teilnahme so wichtig?

Um neue Ideen und Perspektiven zu finden. Man sitzt immer irgendwie in seiner eigenen thematischen Blase. Man muss aber besonders für die politischen Themen zusammenarbeiten und sich austauschen. Nur so kann man alle Zusammenhänge auch begreifen. Außerdem wollen wir mit unserer Teilnahme ein Zeichen setzen. Nachdem wir mehrfach von Nazis angegriffen wurden, wollen wir zeigen: jetzt erst recht. Und uns vor allem nicht verstecken.

Inwiefern angegriffen?

Wir sind im vergangenen Jahr in unserem Stralsunder Büro von drei mutmaßlich rechtextremen Männern bedrängt und bedroht worden. Das ist ein Gemeinschaftsbüro, dort sitzen noch zwei andere Vereine. Die Männer haben über Stunden den Eingang belagert, später eine Kollegin auf dem Weg zu ihrem Auto verfolgt und bedrängt. Eine andere Kollegin, die mit dem Fahrrad unterwegs war, wurde getreten und verletzt. Die Polizei hat eine Anzeige wegen des Verdachts auf ein rechtsmotiviertes Motiv gestellt. Seitdem gibt es aber auch immer wieder Vorfälle, zum Beispiel wird Müll vor unserem Büro abgeladen oder wir bekommen psychopathische Anrufe mitten in der Nacht. Wir haben bislang drei Anzeigen gestellt. Die Ermittlungen laufen noch.

Und mit „weltwechsel“ wollen Sie die Bühne nutzen, um ein Zeichen zu setzen?

Genau! Vor allem für mehr soziale Gerechtigkeit. Da geht es auch um die aktuelle Debatte um ein Aufnahmeprogramm für afghanische Geflüchtete. Man muss zeigen, dass es sich dabei um Menschen wie dich und mich handelt. Das wird in Kitas, Schulen und anderen Einrichtungen noch zu wenig thematisiert. Wir müssen das mehr zusammenbringen, Zusammenhänge zeigen. Um langfristig nicht mehr auszugrenzen.

Was erhoffen Sie sich durch die Veranstaltungsreihe?

Dass wir mehr Menschen für politische Themen erreichen. Dass wir mit dem Programm Appetit machen, sich mit globalen Themen zu beschäftigen. Mit Entwicklungspolitik wollen sich viele nicht auseinandersetzen, weil sie es meistens als Angst- oder Panikmache abtun, dass alle zu Ende gehe. Das ist aber gar nicht so.

Das heißt? Warum sollte man als Besucher:in kommen?

Wir schauen nicht auf die individuelle Ebene, wie man sich am besten zu verhalten habe – etwa, wie viele T-Shirts man kaufen sollte oder wo. Die Hauptverantwortung liegt momentan weniger bei dem Einzelnen, sondern bei der Politik. Auf die müssen wir Druck ausüben, denn jetzt müssen möglichst schnell Gesetze für eine nachhaltige Entwicklung kommen.

Und wenn sich nun noch jemand fragt, was das mit Meck-Vorp zu tun hat – was antworten Sie ihm?

Meck-Vorp ist Teil dieser Welt und hat Probleme, etwa in Sachen Trinkwasser, Waldbestand oder nachhaltige Agrarpolitik. Die wenigsten Personen wollen sich damit beschäftigen. Mit den Veranstaltungen von „weltwechsel“ bekommen sie einen leichten Zugang, werden nicht gleich beschuldigt, irgendetwas getan oder nicht getan zu haben, sondern sie werden angeregt, Ideen zu finden und Perspektiven zu wechseln. Manche finden vielleicht sogar die Motivation, künftig selbst mitgestalten zu wollen, etwas zu verändern. Wie zum Beispiel auch die vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die bei den Veranstaltungen mitwirken. Sie zeigen sich derzeit in vielen Bereichen viel engagierter als die älteren Generationen. Sie sind viel politischer, das zeigen nicht zuletzt die Wahlergebnisse der U18-Wahl. Zwölf- bis 14-Jährige müssen später mit den Folgen der jetzt getroffenen Entscheidungen leben. Das bewegt. Und vielleicht bringt man durch solche Veranstaltungen wie „weltwechsel“ genau solche Perspektiven näher.


Der Verein Tutmonde ist einer von knapp 50 Veranstaltern, die beim weltwechsel-Programm dabei sind. Alle Termine zwischen 5. und 27. November 2021 sind hier zu finden.

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Autor:innen

Redakteurin bei KATAPULT MV.

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