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Corona-Pandemie

Kinderimpfungen können starten

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Mitte dieser Woche soll es losgehen: Kinder zwischen fünf und elf Jahren sollen gegen Covid-19 geimpft werden können. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte sich Ende der vergangenen Woche dafür ausgesprochen. Zunächst sollten laut Stiko Kinder mit Grunderkrankungen geimpft werden, da bei ihnen ein höheres Risiko einer Infektion und eines schweren Verlaufs bestehe. Alle anderen Kinder sollen auf Wunsch der Eltern jedoch ebenfalls eine Impfung erhalten können. Impfstoff wurde laut Gesundheitsministerium für MV sogleich bestellt. Die Dosis des Comirnaty-Impfstoffs (Biontech/Pfizer) werde niedriger sein als für Erwachsene, aber im gleichen Verfahren in zwei Dosen mit einem Abstand von drei bis sechs Wochen verabreicht. Nach Angaben von Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) gebe es knapp 45.000 Dosen für diese Altersgruppe. Im Januar werde dann nachbestellt. Insgesamt gibt es nach Angaben des Gesundheitsministeriums 80.000 Kinder in dieser Altersgruppe. Ob die Nachfrage höher ausfallen wird, als Impfdosen bereitgestellt werden können, bleibt offen.

Geimpft werden soll vorrangig bei Kinderärzten, da sie Kinder und Eltern am besten kennen würden, so Drese. Darüber hinaus soll es spezielle Angebote in den Impfzentren geben, insbesondere für diejenigen, bei denen der Kinderarzt nicht impft oder keine Praxis zur Verfügung steht. Auch Sonderimpfaktionen für Kinder und deren Familien sind in Planung. Diese würden auf der Internetseite des landesweiten Corona-Impfportals rechtzeitig bekanntgegeben.

Schulen könnten offen bleiben

Laut Emil Reisinger, Epidemiologe und Vizevorstandschef der Unimedizin Rostock, würden die Kinderimpfungen helfen, die Schulen im Land offen zu halten. Laut des aktuellen Berichts des Landesamtes für Gesundheit und Soziales sind derzeit 420 Schüler:innen mit Covid-19 infiziert. Das seien 0,27 Prozent der Gesamtschülerschaft. Die Fälle verteilen sich auf insgesamt 146 Schulen.

Der Landesvorsitzende des Verbandes der Kinder- und Jugendärzte in MV und selbst Kinder- und Jugendarzt, Dr. Steffen Büchner, sagte im Interview mit NDR MV live, dass die Kinderimpfung ein gutes Element gegen die Pandemie sei. Viele Kinderärzte seien vorbereitet und könnten mit den Impfungen für die Altersklasse fünf bis zwölf beginnen. Die Kapazitäten in den Kinderarztpraxen und einigen unterstützenden Hausarztpraxen seien ausreichend. Die Kinderarztpraxis sollte für Eltern im Hinblick auf die Impfung ihrer Kinder auch immer der erste Kontakt sein, so Büchner.

Kritik an Impfungen in Schulen

Geplant sind dennoch Angebote für Kinder in Impfzentren und Impfaktionen von Städten und Landkreisen. Eine weitere Überlegung ist, Kinder mit mobilen Teams wieder direkt in der Schule zu impfen, wie es bereits im Sommer der Fall war.

Zu einer geplanten Impfaktion in der vergangenen Woche in einer Rostocker Schule hatten Impfgegner:innen zu einer Demonstration vor dem Schulgebäude aufgerufen. „Wir erwarten, dass das Land die Schulen vor solchen Auswüchsen schützt“, erklären die beiden Vorsitzenden der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), Annett Lindner und Maik Walm. Das Verbreiten von Falschmeldungen über Impfungen und das Einschüchtern von Kindern und Eltern müssten strikt und nachhaltig unterbunden werden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Dass Kinder ab fünf Jahren jetzt geimpft werden können, begrüße die GEW. Die Möglichkeit, in Schulen zu impfen, sieht sie allerdings kritisch. Alleine die Organisation täglicher Corona-Tests sei schon eine Mehrbelastung für alle. Die Gewerkschaft spreche sich aber dafür aus, „niederschwellige und gut erreichbare Angebote vor allem in die ländlichen Räume zu bringen“.

Auch der Landesverband Bildung und Erziehung in Mecklenburg-Vorpommern findet es gut, dass nicht an Schulen geimpft wird. Es sei „bei Weitem nicht so sicher, wie häufig vermittelt wird“, sagt der Vorsitzende Michael Blanck. Lehrkräfte seien „keine medizinischen Fachleute. Deshalb darf es auch nicht passieren, dass jetzt Impfteams an die Schulen kommen, um Schülerinnen und Schüler zu impfen.“ Das müsse im Beisein der Eltern in Arztpraxen, Impfzentren oder dergleichen geschehen, so Blanck. Schulen könnten das nicht leisten, zumal Erziehungsberechtigte, die ja bei Impfungen der Altersgruppe anwesend sein sollten, derzeit gar nicht in die Schulen dürften.

Gut sei auf jeden Fall, dass die Infektionszahlen bei den Lehrkräften relativ gering ausfielen, so Blanck. Aktuell sind landesweit 23 Lehrkräfte mit Sars-Cov-2 infiziert. Viele Lehrer:innen seien geimpft. Inwiefern jetzt auch Impfungen bei den unter 12-jährigen Schüler:innen weiterhelfen würden, die Schulen sicherer zu machen, müsse die Politik mit Unterstützung der Wissenschaft beantworten. Erst einmal sollten die Impfungen anlaufen.

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