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Kords korrigiert

Klimawandelleugnung aus der Chefetage

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Armin Laschet steht im überfluteten Krisengebiet und grinst wie ein Honigkuchenpferd. Dem Nordkurier fällt dazu nichts Besseres ein, als den Klimawandel zu verharmlosen.

Die Twitter-Community ließ sich nicht lange bitten: Der Nordkurier wird von allen Seiten auseinandergepflückt und die erste Beschwerde beim Deutschen Presserat ist eingegangen. Seit 2000 hat der rechte Nordkurier bereits drei Rügen vom Deutschen Presserat bekommen, mehr als alle anderen Medien in Meck-Vorp in diesem Zeitraum zusammen.

Hat Gabriel Kords, stellvertretender Chefredakteur des Nordkuriers, zu viel Bild gelesen? 

Bei Twitter ist der Kommentar viel diskutiert. Kords sucht einen Schuldigen für die jüngste Hochwasserkatastrophe mit über 150 Opfern. Jetzt mehr Klimaschutz zu fordern, verhöhne die Opfer der Flut, so der Tenor seines Kommentars.

Kords kritisiert viel, die von ihm angebotenen Ursachen sind jedoch eindimensional und unterkomplex. Kompetenz, Sachverständnis oder eine grobe Ahnung vom Thema sucht man vergeblich.

Katastrophen würden sich mit Klimaschutz nicht verhindern lassen; das Handynetz hätte nach zwei Tagen funktionieren müssen, so der Kommentar. Dass einige Orte nicht einmal zugänglich waren beziehungsweise sind, erwähnt er nicht. Die langsame Wiederherstellung des Funknetzes und der fehlende Überblick der Rettungskräfte seien „unwürdig für ein Land wie Deutschland“ – puh. Dazu wettert Kords gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der die Gebührenzahler nicht rechtzeitig gewarnt habe.

Was fehlt: Extremwetterereignisse werden häufiger, sowohl Dürren als auch Starkregen. So eine Katastrophe haben die deutschen Behörden und Rettungskräfte jedoch nicht erwartet – weil es sehr viel heftiger war als vorstellbar. Was jetzt wichtig wäre: aus der Katastrophe lernen, Bevölkerung, Politik und Behörden sensibilisieren, es besser machen. Was sich der Nordkurier dazu überlegt: Populistischen Kommentar schreiben, die Lage nicht ernst nehmen und den Klimawandel leugnen, eine Katastrophe instrumentalisieren und für eigene Meinungsmache und populistische Phrasen nutzen: Das verhöhnt die bisherigen Opfer, unterstützt das Narrativ von Verschwörern und hat langfristig fatale Folgen.

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Autor:innen

Redakteurin bei KATAPULT MV.

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