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Tourismus

Kohle für Roland

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Er ist der Hingucker auf Rügens Gleisen: der „Rasende Roland“ – eine Schmalspurbahn anno 1895. Täglich fährt sie auf einer Spurweite von 750 mm im Zwei-Stunden-Takt Fahrgäste auf der 24,1 Kilometer langen Strecke von Putbus über Binz, Sellin und Baabe nach Göhren und andersherum.

Um das touristische Triebwerk etwas zu ölen, bekommt die Bahn jetzt Geld: insgesamt 24 Millionen Euro vom Infrastrukturministerium MV, davon kommen knapp 11,7 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Mit dem Geld will die Betreiberfirma Pressnitztalbahn eine neue Werkstatt am Bahnhof in Putbus bauen. Die bisherige entspreche nicht mehr den technischen und Sicherheitsanforderungen, so Thomas Schneider von der Geschäftsführung. Daher werde nun „eine neue Werkstatt für Wartungs- und Reparaturarbeiten an den Fahrzeugen der Schmalspur- und Normalspurbahnen nebst Betriebs-, Büro- und Sozialräumen sowie Lagerflächen errichtet“. Auch Gleise und eine Waschanlage für die Züge werden um- und teilweise neu gebaut.

Mit der aufgerüsteten Werkstatt kann die Pressnitztalbahn künftig umfangreichere Reparaturarbeiten selbst durchführen als bisher, erzählt Schneider weiter. Zwar keine Generalüberholung wie zuletzt an der Dampflok 53Mh, wofür sie 2020 extra ins Erzgebirge transportiert werden musste. Aber es soll möglich sein, die Lokomotiven vor Ort zerlegen und aufarbeiten zu können. In zwei Jahren soll alles fertig sein. 

Die-Roland-erleben-Erlebniswelt

Im Bahnhof von Putbus ist aber noch mehr geplant: Neben dem Neubau der Eisenbahnwerkstatt soll auch eine touristische Eisenbahn-Erlebnislandschaft entstehen. Die soll nach Angaben von Thomas Schneider voraussichtlich Ende 2023 fertig sein und zur Saison 2024 eröffnen. Der Bau kann aber erst starten, wenn die neue Werkstatt fertiggestellt ist.

In drei historisch nachempfundenen Bahnhofsgebäuden soll die Geschichte der Schmalspurbahn erlebbar gemacht werden, so die Idee des zuständigen Ingenieurbüros IBL Plan aus Magdeburg: in einer 190 Meter langen gläserne Wagenhalle sollen historische Züge der Bäderbahn zu sehen sein. Zudem sind Nachbauten eines alten Lokschuppens aus dem Jahr 1899 und ein Triebwagenschuppen, in dem ein Dokumentationszentrum eingerichtet werden soll, geplant. Auf einem neu gebauten Wasserturm entsteht noch eine Aussichtsplattform und ein altes Viadukt soll restauriert werden, um dort historische Züge auszustellen. Dafür gibt das Wirtschaftsministerium rund neun Millionen Euro. Ziel ist nach Angaben der Pressnitztalbahn, die Streckenabschnitte des Rasenden Rolands aufzuwerten und einen weiteren touristischen Anziehungspunkt in Putbus zu schaffen, so Schneider.

Geplante Werkstatt und Eisenbahnerlebnislandschaft für den Rasenden Roland in Putbus (Bild: Ingenieurbüro IBL Plan)
Geplante Werkstatt und Eisenbahnerlebnislandschaft für den Rasenden Roland in Putbus (Bild: Ingenieurbüro IBL Plan)

Bilanz so weit zufriedenstellend

Auch ohne Werkstattmodernisierung und Erlebniswelt hat der Rasende Roland in diesem Jahr bereits eine gute Saison eingefahren, meldet die Betreiberfirma. Zwar kam auch die Kleinbahn an pandemiebedingten Einschränkungen nicht vorbei – so war bis einschließlich Juni die Auslastung zunächst etwas verhalten. Mit Beginn der Sommerferien in Meck-Vorp stiegen die Fahrgastzahlen aber schon wieder auf Vorjahresniveau an, heißt es vom kaufmännischen Leiter. Auch zum nächsten geplanten Rügener-Bäderbahn-Fantag am 23. Oktober erwarten die Mitarbeiter:innen wieder viele Besucher.  

Schmalspurbahnland Meck-Vorp

Waren in Meck-Vorp Anfang des 20. Jahrhunderts noch 15 Schmalspurbahnen unterwegs, sind es neben dem Rasenden Roland auf Rügen heute nur noch drei. Zwischen Kühlungsborn und Bad Doberan verkehrt die Mecklenburgische Bäderbahn namens „Molli“, die Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahn zwischen Schwichtenberg und Uhlenhorst, von Klütz bis Reppenhagen können Interessierte mit „De Lütt Kaffeebrenner“ fahren. Und nicht zu vergessen: all die Minibahnen, die uns durch Seebäder und zu Fährlinien kutschieren!

Und wer sich noch fragt, wie der „Rasende Roland“ eigentlich zu seinem Namen gekommen ist – hier die Auflösung: Der Name Roland bedeutet „Beschützer” oder „der Mächtige”. Den Zusatz „rasend“ bekam die Kleinbahn im Laufe ihrer Dienstzeit eher ironisch. Die 30 km/h, die sie heute fährt, sind im Vergleich zu früher tatsächlich rasend. Da war sie nämlich noch langsamer.

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