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MV-Werften

Mehr Interessenten als erwartet

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Auf der Suche nach Investoren für die beiden verbleibenden Standorte Wismar und Rostock der insolventen MV-Werften stehen einige potenzielle Käufer:innen auf der Liste des vorläufigen Insolvenzverwalters Christoph Morgen. Auch für das Fertigmodulwerk in Wismar und das fast fertig gebaute Kreuzfahrtschiff „Global One“ sei man schon mit Interessenten in ersten Gesprächen. Bis Anfang April können noch unverbindliche Angebote abgegeben werden. Um allen potenziellen Käufer:innen die gleichen Chancen zu geben, wäre es daher ungünstig, wenn vorab schon Namen kursieren würden. So hatte das Landeswirtschaftsministerium bereits verlauten lassen, dass sich der Kieler U-Bootbauer Thyssenkrupp Marine Systems für den Standort Wismar interessiere. Dagegen sprach sich sogleich die Landesvorsitzende der Linken, Vanessa Müller, via Twitter aus: „Als Linke lehnen wir die Rüstungsindustrie und ihre Konzerne ab. Rüstungsgüter sind ausschließlich dafür gemacht, Menschen zu verletzen oder zu töten. Die aktuelle Situation zeigt uns, dass Konzerne wie Thyssenkrupp vom Leid der Menschen profitieren. Das werden wir nicht hinnehmen.“ Dagegen setzte der FDP-Landesvorsitzender David Wulff, dass Rot-Rot eine Gefahr für den Wirtschaftsstandort MV sei. „Durch die Insolvenz der MV-Werften stehen viele Arbeitsplätze auf der Kippe und Fachkräfte drohen abzuwandern. Ein Einstieg von Thyssenkrupp darf nicht kategorisch aus ideologischen Gründen abgelehnt werden.“ Müller verwies daraufhin auf weitere Interessent:innen für die Werften, die nicht ignoriert werden dürften.

Transfergesellschaft muss verlängert werden

Das sieht auch Insolvenzverwalter Morgen so und betonte, dass man für die Prüfung alle Zeit brauche, um eine langfristig gute Lösung zu finden. Dabei gehe es ihm insbesondere darum, die Arbeitskräfte zu halten und dass Wismar dauerhaft ein Industriestandort bleibt. „Das ist keine Arbeit von heute auf morgen“, sagte er. Auch die interessierten Unternehmen müssten Zeit für die weiterführenden konkreten Kaufangebote bekommen. Das könnte auch über den Mai hinausgehen. Da die Transfergesellschaft allerdings nur bis Anfang Juni finanziert ist, müsse diese unbedingt noch einmal verlängert werden, um die Fachkräfte an den Standorten zu sichern. Die Gefahr bestehe, dass sich die Mitarbeitenden sicherheitshalber ab Juni neue Jobs suchen. Eine Verlängerung ist laut der Gewerkschaft IG Metall für bis zu zwölf Monate möglich. Entscheiden müsse das aber die Landesregierung.

Nach Einschätzung von Morgen wird für alle noch offenen Standorte und Projekte bis Ende Mai sicher ein neuer Investor gefunden werden. Es sei aber nicht zu schaffen, bis dahin auch schon neue Arbeitsverträge auszustellen.

Fertigstellung der „Global One“ als Übergangslösung?

Für das weltweit größte Kreuzfahrtschiff, das die insolvente Werftengruppe Genting für den asiatischen Markt bauen wollte, gibt es nach Angaben von Christoph Morgen grundsätzlich fünf potenzielle Käufer. Drei von ihnen haben sich für eine Fertigstellung des Schiffes ausgesprochen, allerdings mitunter nicht am Standort Wismar. Diese müsse laut Betriebsrätin Ines Scheel aber dringend durchgesetzt werden. Etwa drei bis sechs Monate Vorbereitungszeit bräuchte ein neuer Investor, um sich am Standort zu etablieren. Da wäre die Vollendung des Schiffes eine „perfekte Übergangslösung“. Das Schiff steht kurz vor seiner Fertigstellung: Laut Mitarbeiter Jörg Peukert hätte es lediglich noch ein Vierteljahr gedauert, bevor alle Arbeiten abgeschlossen worden wären. Nun sei alles gestoppt. Die Mitarbeitenden vor Ort hätten viel investiert.

Die Global One auf der Werft in Wismar ist zu 70 Prozent fertiggestellt. (Foto: M. Rust)

Das Schiff für 9.000 Passagiere und 3.500 Besatzungsmitglieder ist als schwimmendes Casino geplant. Ursprünglich war damit gerechnet worden, die Baukosten von 1,5 Milliarden Euro durch ein Jahr Schiffsbetrieb einzunehmen.

Auch für die Global One soll es bis Ende Mai eine Entscheidung geben. Sollte der Zuschlag an einen Investor gehen, der den Bau weiterführt, könne die Produktion im August oder September wiederaufgenommen werden, schätzt Morgen.

Zukunft der Wismarer Azubis ungewiss

Ein wichtiges Thema bei der Insolvenzverwaltung ist Gewerkschaft, Betriebsrat und Ortsvertretung auch die Sicherung der Ausbildungsplätze am Standort Wismar. Momentan helfen viele Partnerbetriebe wie die Stadtwerke oder die Beschichtungsfirma Krebs aus, um die Lehrlinge zu beschäftigen. Auch eine Kooperation mit der Hochschule Wismar werde aufgebaut, erzählt Jörg Peukert, der auch Ausbildungskoordinator ist. Besonders die in Wismar ausgebildeten Fachkräfte müssten in der Region gehalten werden. Das würde mit neuen Investoren sicher schnell gelingen. Die Qualifikation der Lehrlinge sei sehr nachgefragt. Besonders in der Schweißerausbildung gebe es einen hohen Standard. Noch könne die Grundausbildungen betreut werden. Allerdings seien ja auch die Lehrenden in der Übergangslösung Transfergesellschaft angestellt.

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Redakteurin bei KATAPULT MV.

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