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Vögel zum Verwechseln

Schreiadlerland MV

Von und

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Fischadler. Seeadler. Schreiadler. Auch wenn der Fischadler selbst gar nicht wirklich zu den „echten Adlern“, sondern zu einer eigenen Familie zählt, werden die drei oft zusammen genannt. Das Coole: In Meck-Vorp leben alle. 

Besonderes Augenmerk liegt bei Initiativen und Naturschutzprojekten aber auf dem Schutz des kleinsten in Deutschland lebenden Adlers, dem Schreiadler. KATAPULT MV hat darüber mit Lisa Andresen, Leiterin des Projektes chance.natur vom Landkreis Vorpommern-Rügen, gesprochen. 


KATAPULT MV: In MV leben drei Adlerarten – Seeadler, Fischadler und Schreiadler. Warum ist der Schutz des letzteren so wichtig und akut? 

Andresen: Grundsätzlich ist der Schutz aller drei Arten wichtig. Der Weltbestand beim Schreiadler gilt zwar nicht als gefährdet, allerdings ist der deutsche Bestand stark zurückgegangen und liegt aktuellen Schätzungen nach bei etwa 130 Brutpaaren. Grund hierfür ist hauptsächlich der Verlust von geeigneten Nahrungsflächen und Brutwäldern. Die Tiere ernähren sich bei uns insbesondere von Amphibien und Kleinsäugetieren. Diese wiederum fühlen sich in einer strukturreichen und nachhaltig bewirtschafteten Kulturlandschaft am wohlsten, also auf Äckern und Wiesen oder Weiden. Wichtig ist allerdings, dass die Schreiadler sogenannte „Kulturfolger“ sind und nur aufgrund der landwirtschaftlichen Nutzung überhaupt bei uns leben können. 

In Mecklenburg-Vorpommern kommen rund 80 Prozent der Brutreviere in Deutschland vor, die restlichen liegen in Brandenburg. Dennoch ist der Schutz dieser Brutreviere sehr wichtig. Sie tragen einerseits zur genetischen Vielfalt der gesamten Schreiadler-Population bei. Andererseits profitieren auch viele andere Tierarten von Maßnahmen zur Förderung von Schreiadlern, wie zum Beispiel Greifvögel mit ähnlichen Ansprüchen, etwa Rotmilan oder Mäusebussard. So dient der Schreiadlerschutz insgesamt der Förderung einer nachhaltigen Kulturlandschaft in unserer Region. 

Was konnte bisher schon umgesetzt werden, was noch nicht? 

Seit etwas über sieben Jahren konnten wir in der nordvorpommerschen Waldlandschaft durch den Kauf und Tausch von landwirtschaftlichen Flächen und Wald über 400 Hektar als Nahrungs- und Brutgebiete langfristig sichern. Darüber hinaus konnten wir bisher zehn Kleingewässer neu einrichten beziehungsweise renaturieren, Hecken pflanzen und für den Schutz von Waldmooren sorgen. Alle Maßnahmen sind auf freiwilliger Basis und daher nur im Einvernehmen mit den jeweiligen Flächeneigentümer:innen und -bewirtschafter:innen möglich. Oft entstehen im Gespräch gute Ideen, wie sich die Nutzung mit dem Schreiadlerschutz verbinden lässt, sodass dies naturschutzfachlich wertvoll und gleichzeitig wirtschaftlich tragbar ist. Hierzu arbeiten wir mit Ausgleichszahlungen oder verringern die Pachtzahlungen für extensiv bewirtschaftete Flächen. Ohne die Bereitschaft der vielen lokalen Land- und Forstwirtschaftsbetriebe, mit unserem Projekt zusammenzuarbeiten, hätten wir nicht die Möglichkeit gehabt, so viele Maßnahmen umsetzen zu können.

Darüber hinaus arbeiten wir daran, weitere Nahrungsflächen für die Schreiadler zu sichern. Außerdem arbeiten wir an der Verstetigung unseres Projektes in eine dauerhafte, institutionelle Struktur, da im März 2025 unsere Bundesförderung auslaufen wird. Wir hoffen sehr, weiterhin die Unterstützung des Landes und des Landkreises Vorpommern-Rügen sowie unserer Partnergemeinden und der regionalen Partnerschaft zu erhalten. 

Der Schreiadlerschutz steht im Zusammenhang mit dem Bau neuer Windkraftanlagen sehr in der Kritik. Dagegen steht die Umstellung auf erneuerbare Energien. Wie geht ihr damit um, was wären Alternativen, um beides unter einen Hut zu bekommen? 

Zum Glück sind wir bisher nicht direkt von Windkrafteignungsgebieten innerhalb unseres Projektgebietes betroffen, da unser Gebiet größtenteils innerhalb von Vogelschutzgebieten liegt. Die Schwierigkeit, Artenschutz mit Klimaschutz zu vereinen, ist jedoch nicht von der Hand zu weisen. Bei der Auswahl neuer Standorte für Windkraftanlagen sollten immer die Bedürfnisse seltener und gefährdeter Arten berücksichtigt und geprüft werden, welche Möglichkeiten zur Reduktion von Störungen und Beeinträchtigungen der Lebensräume es gibt. Es ist notwendig, den Windkraftausbau in sensiblen Bereichen grundsätzlich zu unterlassen. In unserem Projektgebiet beispielsweise gibt es rund 15 Brutreviere. Der Bruterfolg liegt jedoch pro Jahr nur bei circa drei bis vier Jungtieren – es kommt also auf jedes Küken an.

Um ein genaues Bild von den Auswirkungen der Windkraftanlagen auf einzelne Arten zu bekommen, sind mehr Untersuchungen notwendig, die belastbare Zahlen liefern können. Wenn diese vorliegen, lassen sich verschiedene Schutzmaßnahmen, wie zum Beispiel das zeitweilige Abstellen von Anlagen, sicherlich effektiver einsetzen. So lassen sich die Klimaschutzziele mit den Artenschutzzielen vereinbaren.

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Autor:innen

Redakteurin bei KATAPULT MV.

Redaktionsleitung bei KATAPULT MV.

Ist in Greifswald geboren, hat in Augsburg studiert und zog für den Lokaljournalismus wieder zurück nach Meck-Vorp.

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