Die CDU MV befindet sich in einer Art Sturzflug nach unten. Aktuelle Umfragewerte zur Landtagswahl im September sehen die Partei bei 10 Prozent.1 Und damit weit abgeschlagen von SPD (27 Prozent) und AfD (36 Prozent). Diese Entwicklung ist für MVs Christdemokrat:innen nicht neu und könnte eher mit den allgemein sinkenden Zustimmungswerten zu den ehemaligen Volksparteien CDU und SPD zu tun haben, als mit den jeweiligen führenden Politiker:innen.
In weniger als 100 Tagen findet die Landtagswahl statt. Bis dahin kann noch viel passieren. Ein Blick ins Wahlprogramm der Christdemokrat:innen könnte verraten, wohin die Reise geht.
Diese Punkte finden sich sowohl im CDU- als auch im AfD-Programm
- Förderschulen: Sowohl CDU als auch AfD wollen die Förderschulen im Land erhalten. Während die AfD in Inklusion eine „Last für leistungsstarke“ Schüler:innen sieht,2 möchte die CDU die Wahlfreiheit von Eltern stärken.3 Die im AfD-Wahlprogramm erwähnte „politisch verordnete pauschale Inklusion“ von SPD und CDU, die auf eine Abschaffung der Förderschulen hinauslaufen würde, ist damit eine Falschbehauptung. Während die AfD offen Inklusion ablehnt, zeigt sich bei der CDU hingegen nur ein anderes Verständnis davon.
- Geschlechtergerechte Sprache: Beide Parteien möchten das Gendern verbieten und sehen darin eine „Ideologisierung der deutschen Sprache“.4 Während die CDU nur in Ämtern und Behörden Gendersprache unterbinden will, geht die AfD noch weiter: Sie möchte per Verordnung erlassen, dass „im gesamten amtlichen Sprachgebrauch des Landes Mecklenburg-Vorpommern sowie in allen öffentlichen Bildungseinrichtungen die Regeln des Rates für deutsche Rechtschreibung verbindlich gelten“. Auf den Rechtschreibrat gehen beide Parteien ein und gehen dabei von einer falschen Annahme aus. Denn der Rat spricht sich offen für eine gendergerechte Sprache aus, empfiehlt jedoch derzeit noch nicht das Gendern mit Sonderzeichen.5
- Handyfreie Schulen: Die AfD wirbt in MV dafür, die private Handynutzung in Schulen bis einschließlich zur siebten Klasse zu unterbinden.6 Die Christdemokrat:innen sind hierbei sogar noch ein bisschen drastischer und setzen auf ein Verbot bis zur zehnten Klasse.7
CDU MV schafft es nicht, sich von der AfD abzugrenzen
Blickt man auf den möglichen Ausgang der Landtagswahl, bleiben den demokratischen Parteien nicht viele Optionen bei der Regierungsbildung. Neben der AfD würden aktuell nur die SPD, CDU und Die Linke (13 Prozent) im Landtag vertreten sein. Ob es Bündnis 90/Die Grünen (vier Prozent) und das BWS (fünf Prozent) hinein schaffen, ist noch offen. Es würde also auf eine Minderheitsregierung hinauslaufen, die die notwendigen Stimmen entweder von der CDU oder den Linken benötigt. Bislang fiel die CDU MV im Wahlkampf eher mit einer scharfen Kritik gegenüber der rot-roten Landesregierung auf. In einem kürzlich erschienenen Interview spricht CDU-Landeschef Daniel Peters davon, dass Die Linke ein Fall für den Verfassungsschutz sei. Eine Regierung mit der AfD könnte er sich „eher nicht” vorstellen.8
Hinweis: Wir haben bewusst von der AfD als etablierte Partei geschrieben, um dem eigenen Narrativ der rechtsextremen Partei die Realität entgegenzusetzen. Die AfD ist im Bund in 15 von 16 Bundesländern – mit Ausnahme von Schleswig-Holstein – vertreten.9 Im 21. Deutschen Bundestag ist sie nach der Union die größte Fraktion und in MVs Landtag die größte Oppositionspartei. Stand Januar 2026 hat die rechtsextreme Partei bundesweit über 73.000 Mitglieder.10 Zudem existiert sie seit über 13 Jahren. Der populistische Vorwurf der AfD, dass die demokratischen Parteien „Altparteien“ seien, dient der Partei dazu, sich selbst als „Anti-establishment-Partei“ darzustellen. Dabei ist sie selbst längst etabliert.
- Zicht, Wilko; Cantow, Matthias: Umfragen Mecklenburg-Vorpommern, auf: wahlrecht.de. ↩︎
- AfD MV (Hg.): Bereit für die blaue Wende, S. 29 (2026). ↩︎
- CDU MV (Hg.): Entwurf Wahlprogramm 2026, S. 48 (2026). ↩︎
- AfD MV, 2026, S.21. ; CDU MV, 2026, S.130. ↩︎
- Reiche, Matthias: Auf der Suche nach den richtigen Worten, auf: tagesschau.de (15.7.2023). ↩︎
- AfD MV, 2026, S.31f. ↩︎
- CDU MV, 2026, S.53. ↩︎
- Rutz, Rainer: „Die Linkspartei ist ein Fall für den Verfassungsschutz“, auf: taz.de (27.5.2026). ↩︎
- Decker, Frank: Wahlergebnisse und Wählerschaft der AfD, auf: bpb.de (16.5.2026). ↩︎
- Die Zeit (Hg.): Linke verdoppelt Zahl der Mitglieder innerhalb eines Jahres, auf: zeit.de (7.3.2026). ↩︎

