Zwei Jahre und eine Petition mit über 1.000 Unterschriften ist die Initiative von Seyhmus Atay-Lichtermann her. Der damalige Vorsitzende des Migrantenrats kannte Mehmet Turgut persönlich und forderte anlässlich seines 20. Todestages die Umbenennung des Neudierkower Wegs. Damals scheiterte der Versuch an dem zuständigen Ortsbeirat Dierkow Ost/West. Bereits zwölf Jahre zuvor wurde ein Antrag zur Umbenennung in den Mehmet-Turgut-Weg durch das Gremium einstimmig abgelehnt.1
„Wäre ein deutliches Zeichen“
Hassan Jansar ist Mitglied im aktuellen Migrantenrat und würde einen Mehmet-Turgut-Weg genau wie Atay-Lichtermann unterstützen: „Ich fände das ein sehr wichtiges und deutliches Zeichen.“ Seiner Ansicht nach sollten die terroristischen Taten nicht vergessen werden. Außerdem könnte eine Namensänderung symbolisieren, dass Migrant:innen in Rostock jetzt frei und sicher leben können. Nicht zuletzt würde es auch Respekt gegenüber der Familie zeigen.2
Auch in anderen Städten Deutschlands, in denen der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) Menschen ermordet hatte, wurden Straßen und Plätze nach den Opfern benannt. So zum Beispiel der Enver-Şimşek-Platz in Nürnberg oder die Tasköprüstraße in Hamburg – benannt nach Süleyman Taşköprü. In Rostock ist das bisher nicht geschehen. 2014 wurde am Tatort allerdings ein Denkmal für Mehmet Turgut eingeweiht.3

Kein Weg, dafür Platz und Haltestelle
Anke Knitter (SPD) ist aktuell Vorsitzende des Ortsbeirats Toitenwinkel. Nur ein Teil des Neudierkower Wegs gehört zum Einzugsbereich ihres Gremiums. Da sich die Zusammensetzung des benachbarten Ortsbeirats Dierkow Ost/West in den letzten Jahren kaum verändert hat, sieht sie in naher Zukunft keine Chance für einen Mehmet-Turgut-Weg.4
Sie könnte sich hingegen vorstellen, den Platz, auf dem das entsprechende Denkmal steht, Mehmet-Turgut-Platz zu nennen. Da es keine Anwohner:innen mit einer Adresse gibt, die davon betroffen wären, sei dies leichter umzusetzen. Letztlich könnte auch die benachbarte Straßenbahnhaltestelle Martin-Niemöller-Straße/Mehmet-Turgut-Platz heißen. „Wenn jeden Tag in der Bahn sein Name durchgesagt wird, denken vielleicht auch viel mehr Menschen darüber nach“, so Knitter. Ihrer Meinung nach ist eine Umbenennung gegen den Willen der Anwohner:innen nicht förderlich für ein würdiges Gedenken.
Dialogbereitschaft vom Bündnis und ein Ja aus dem Rathaus
Auch das Bündnis Mord verjährt nicht sieht die Bemühungen um einen Mehmet-Turgut-Weg in eine Sackgasse verlaufen. Jedes Jahr organisieren seine Mitglieder die Gedenkveranstaltungen am 25. Februar. Bisher hatten sie jedoch immer das Gefühl, dass ein Wille zur Umbenennung gefehlt habe, so ein Mitglied des Bündnisses. Die Aktivist:innen seien aber bereit, über die Umbenennung mit Anwohner:innen und Politiker:innen zu sprechen, sollten die entsprechenden Gremien daran Interesse zeigen. Die Maßnahme sei ausdrücklicher Wunsch der Familie Turgut.5
Die Oberbürgermeisterin Eva Maria Kröger (Linke) sieht die Verantwortung über die Entscheidung „in den Händen des Ortsbeirates, bzw. der Ortsbeiräte.“ Obwohl ihre Verwaltung keinen Einfluss hat, habe sie als Politikerin immer dazu ermutigt, sich für die Umbenennung zu entscheiden.6
Es liegt also beim Ortsbeirat Dierkow Ost/West. Bis Redaktionsschluss war dessen Vorsitzender Uwe Friesecke (CDU) für unsere Anfrage nicht zu erreichen.
Jährliches Erinnern
Am Mehmet Turgut Denkmal findet am 25. Februar um 17 Uhr eine Gedenkfeier des Bündnisses Mord verjährt nicht statt. Sie wollen an Turgut selbst erinnern, sein Leben und daran, dass er von einer neonazistischen Terrorgruppe ermordet wurde. Zusätzlich zur Umbenennung des Weges fordern sie eine lückenlose Aufklärung der Tat und der Strukturen dahinter. Auch Turguts Familie wird anwesend sein. In ihrem Namen hält Gamze Kubaşık, die Tochter von Mehmet Kubaşık eines weiteren Mordopfers des NSU, eine Rede.
- Flägel, Victoria: Der Mord an Mehmet Turgut – 20 Jahre danach, auf: katapult-mv.de (20.2.2024). ↩︎
- Telefonat mit Hassan Jansar am 24.2.2026. ↩︎
- NDR (Hg.): Als der NSU Mehmet Turgut in Rostock ermordete, auf: ndr.de (26.2.2024). ↩︎
- Telefonat mit Anke Knitter am 24.2.2026. ↩︎
- Telefonat mit Paul vom Bündnis Mord verjährt nicht am 24.2.2026. ↩︎
- E-Mail von Kerstin Kanaa stellvertretende Pressesprecherin der Stadt Rostock vom 24.2.2026. ↩︎

