Von Paul Kühl
Wer am Ende einer grandiosen Fußball-Saison auf dem ersten Platz steht und fast jeden Gegner besiegt hat, sollte eigentlich auch in eine höhere Liga aufsteigen. Jedoch nicht in Deutschlands vierthöchster Spielklasse. Denn dort müssen Teams, wenn sie aus dem Norden, Osten oder Bayern kommen, noch Relegationsspiele bestreiten. Und wenn sie diese verlieren, spielen sie, trotz ihrer Meisterschaft, im nächsten Jahr wieder in der Liga, aus der sie kommen. Denn für fünf Regionalligen gibt es nur vier Aufstiegsplätze. Dagegen regt sich seit Jahren Widerstand.
Große Enttäuschung gab es beim 1. FC Lok Leipzig in dieser Saison nach dem wiederholt verpassten Aufstieg in die 3. Liga, der den Sprung in den Profifußball bedeutet hätte. Denn obwohl die Sachsen am Ende der Saison Meister in der Regionalliga Nordost wurden, stiegen sie nicht auf. Der Grund: Seit der Saison 2020/21 können nur vier der fünf Meister aus den verschiedenen Ligen Deutschlands aufsteigen.
Das Aufstiegssystem der Regionalliga
Die Erstplatzierten aus dem Westen und Südwesten dürfen in jeder Saison den direkten Weg nach oben antreten. Der DFB begründete diese Entscheidung damit, dass es in diesen Regionen bevölkerungsreiche Ballungsräume gebe und mehr als 50 Prozent aller gemeldeten Männermannschaften in Deutschland aus diesen Gebieten stammen.1
Die Meister aus den Ligen Nord, Nordost und Bayern hingegen spielen im sogenannten Rotationsprinzip. Das heißt, einer der drei Meister steigt ebenfalls direkt auf, während die beiden anderen in Aufstiegsspielen gegeneinander antreten in einem Relegationsspiel. Welche Liga den direkten Aufsteiger stellt, wechselt jedes Jahr durch.
Unfair für Vereine der ehemaligen DDR?
Besonders unfair finden Vereine aus dem Nordosten diese Regelung. Dort spielen viele ehemalige Vereine aus der Zeit der DDR, die eine große und weitreichende Tradition haben und wieder zurück in den Profifußball wollen. Denn als nach der Wende die Trägerbetriebe wegfielen, die die Vereine finanzielle abgesicherten, mussten zahlreiche Clubs Insolvenz anmelden oder stiegen in unterklassige Ligen ab.2
Auch das Ballungsraum-Argument des DFB sorgt für Kritik, denn im Osten kamen in der vergangenen Saison fast eine Millionen Zuschauer zu den Spielen – fast doppelt so viel wie im Südwesten.3
Um gegen die Ungerechtigkeit vorzugehen, gründeten 17 Nordostvereine Anfang 2025 die Initiative ,,Aufstiegsreform 2025”. Ende des Jahres gehörten ihr bereits 57 Clubs aus ganz Deutschland an. Sogar Vereine aus der 1. und 2. Bundesliga, die gar nicht von der Aufstiegsregel betroffen sind, schlossen sich der Initiative an – darunter FC Schalke 04 und der 1.FC Union Berlin.
Profi-Fußball in Mecklenburg-Vorpommern
Die drei höchstklassigen Fußballclubs aus Mecklenburg-Vorpommern – der Greifswalder FC, Hansa Rostock und die TSG Neustrelitz – sind ebenfalls Mitglied der Initiative. Der Greifswalder FC spielt derzeit in der Regionalliga Nordost, ist 2024 fast aufgestiegen und wäre damit der zweite Club aus MV im deutschen Profifußball gewesen. Auch die TSG Neustrelitz hätte diese Sensation geschafft, wäre sie nicht 2014 in den Relegationsspielen gegen die zweite Mannschaft des 1.FSV Mainz 05 gescheitert. Derzeit spielt der Verein in der fünftklassigen Oberliga.

Ende Juni 2026 trafen sich Vereine aus der 3. bis 5. Liga, um über eine Reform abzustimmen. Doch am Ende konnte man sich nicht auf ein einheitliches System einigen, da jede Liga für ein anderes Konzept stimmte.
Uneinigkeit bei Fußballreform
Der Westen, Norden und Nordosten stimmten für das sogenannte Kompassmodell. Dabei gibt es vier Staffeln mit je 20 Clubs, die nach jeder Saison mithilfe einer KI neu eingeteilt werden, um die Fahrzeiten und damit auch die für die Vereine verbundenen Kosten zu verringern.
Der Südwesten hingegen sprach sich für das Regionenmodell aus. Das sieht vor, aus den Staffeln Nord, Nordost und Bayern zwei Ligen zu formen, während die beide anderen Ligen bestehen bleiben würden. Die Regionalliga Bayern sprach sich dagegen dafür aus, zunächst ein völlig neues Modell auszuarbeiten.4
Trotz des gemeinsamen Ziels, dass jeder Meister am Ende der Saison auch aufsteigt und nicht in den Relegationsspielen scheitert, kam es zu keiner Einigung. Der Streit um die Zukunft der Regionalligen geht damit weiter.
Hinweis
Dieser Artikel und die Grafik erscheinen im Rahmen eines Schüler:innen-Praktikums bei KATAPULT MV. Die Idee und Umsetzung kommen von Praktikant Paul Kühl. Wir haben den Artikel und die Grafik redaktionell begleitet und redigiert – und freuen uns, dass er jetzt hier zu lesen ist. Danke Paul!
- DFB (Hg.): Aufstieg von Regionalliga zur 3. Liga: Fragen und Antworten, auf: dfb.de (5.6.2023). ↩︎
- Ostfußball & mehr (Hg.): Das Schicksal der Ostvereine nach der Wende, auf: youtube.com, (14.5.2022). ↩︎
- Die falsche 9 (Hg.): Zuschauer und Auswärtsfahrer 2025/26, auf: diefalsche9.de.
↩︎ - Sportschau (Hg.): Der Streit um die Regionalligen geht weiter, auf: sportschau.de (30.6.2026). ↩︎

