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Corona-Demos am 24. Januar

Zu- und abnehmende Professionalisierung

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Anklam

Nachdem bereits in den vergangenen Wochen wiederholt Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen stattfanden, wurde in Anklam gestern das erste Mal angemeldet „spaziert“. Auf dem Marktplatz befanden sich gegen 18 Uhr nach Polizeiangaben 250 Protestierende mit Leuchtschildern, Trommeln und Lautsprechern, 300 waren angemeldet. Eine Frau in gelber Warnweste trug die Bedingungen für den Protestzug vor: kein Alkohol, keine Waffen, Maskenpflicht. Laute Buhrufe seitens ihrer Anhänger:innen waren die Antwort. „Wir haben heute Gegenprotest, ist aber nicht so doll. Wir ignorieren die einfach“, schloss sie.

Dieser Gegenprotest, organisiert vom Bündnis „Anklam für alle“, fand – wie schon in den vergangenen zwei Wochen – direkt vor dem Rathaus statt. Mit ihren Mahnwachen werben sie für Solidarität, Gewaltfreiheit und Demokratie. Gestern waren es etwa 30 bis 40 Teilnehmende, weniger als in den Wochen zuvor. Mitorganisator Marius Denda führt das auf die Sitzungswoche im Bundes- und Landtag zurück, denn einige Teilnehmer:innen sind politisch aktiv. Für die kommende Woche ist in Anklam erneut eine Aktion geplant.

Um 18.09 Uhr setzte sich die Demonstration der Maßnahmengegner:innen in Bewegung. Geführt von einem Auto mit großen Lautsprechern ging es vom Marktplatz die Burgstraße hinunter und durch die Stadt. Die Maskenpflicht war bei den meisten schon wieder vergessen. Diese Verstöße seien auch von der Polizei festgestellt worden, so ein Sprecher der Polizeiinspektion Anklam heute. Der Aufzug, an dem in der Spitze 450 Personen teilnahmen, sei deswegen gegen 18.30 Uhr in der Hirtenstraße gestoppt worden. Die Polizei habe Kontakt mit der Versammlungsleitung aufgenommen, die Teilnehmer:innen seien einer erneuten Aufforderung teilweise gefolgt, sodass der Protestzug fortgesetzt werden konnte. Von der Polizei wurden vor Ort vier Personen identifiziert, die sich den Hygienemaßnahmen dauerhaft verweigerten. Diese müssen nun mit einer Anzeige rechnen.

Louise Blöß und Swantje Furtak


Greifswald

Gegen 19 Uhr versammelten sich auf dem Markt nach eigener Schätzung etwa 300 bis 400 Teilnehmer:innen einer Demo gegen die Corona-Maßnahmen. Ein Absperrband, das um den Marktplatz herum verlief, grenzte sie ab. Die Polizei war relativ entspannt. Augenscheinlich waren auch „Demo-Touristen“ vor Ort, die nur für die Teilnahme an der Demonstration nach Greifswald gekommen waren. Das war daran zu merken, dass diese sich lautstark darüber unterhielten, woher sie kommen. Auf dem Weg zur Veranstaltung wurden wir zudem gefragt, wo es denn zum Marktplatz gehe. Wie viele Menschen von außerhalb gekommen waren, lässt sich nicht sagen. Um 19 Uhr wurde die Veranstaltung eröffnet, der Versammlungsleiter Andreas Pieper sprach eine gute Dreiviertelstunde, unter anderem von „Test-Pandemie“ und „Fake-Pandemie“. Neben der Demo positionierte sich unterdessen eine Protestgruppe von zehn bis zwanzig Leuten mit einem Banner: „Solidarität statt Hass und Hetze, Querdenken ist das Letzte“.

Benjamin Fredrich

Anti-Corona-Maßnahmen-Demo in Greifswald am 24.1. Versammlungsleiter Andreas Pieper spricht von „Test-Pandemie“ und erklärt die Auflagen der Versammlung. (Video: Benjamin Fredrich)
Etwa 200 bis 300 Leute befinden sich direkt vor der Veranstaltung auf dem Greifswalder Markt. (Foto: Benjamin Fredrich)

Grimmen

In Grimmen versammelten sich nach Polizeiangaben bis zu 300 Personen zu einem angemeldeten Protest-Spaziergang zwischen 17.30 Uhr und 19 Uhr. Der Zug führte vom „Kulturhaus Europas“ durch die Grimmener Innenstadt zurück zum Ausgangspunkt. Motto: „Friedlicher Protest-Spaziergang gegen die Corona-Maßnahmen“. Eine Gegenveranstaltung fand nicht statt.

Victoria Flägel und Benjamin Fredrich

Grimmen, vor dem „Kulturhaus Europas”, kurz vor Beginn des angemeldeten Aufzugs. (Foto: Victoria Flägel)

Neubrandenburg

Bei leichtem Nieselregen fanden, wie in der Vorwoche, zwei angemeldete Veranstaltungen in Neubrandenburg statt, allerdings nacheinander. Unter dem Motto „Solidarität statt Schwurbelei“ versammelten sich um 17 Uhr rund 50 Menschen, um sich solidarisch mit den Maßnahmen der Regierung zu zeigen. Sie zündeten Kerzen an und zeichneten damit die Zahl 1.607 auf dem Boden des Marktplatzes nach. 1.607 Menschen in MV sind seit Beginn der Pandemie an oder mit Corona verstorben. Ab 19 Uhr versammelten sich laut Angaben der Polizei rund 1.650 Maßnahmenkritiker:innen, um einen etwa vier Kilometer langen „Spaziergang“ durch die Stadt zu machen. Somit wurde einer direkten Konfrontation aus dem Weg gegangen.

Martje Rust und Laura Heinisch

„Wir glauben der Wissenschaft“, lautet die Nachricht dieser Maßnahmenbefürworter:innen. (Foto: Laura Heinisch)

Neustrelitz

Maßnahmenkritikier als Litfaßsäule verkleidet. (Foto: T. Fiß)
Maßnahmenkritiker als Litfaßsäule verkleidet. (Foto: T. Fiß)

Am Abend versammelten sich hier wieder rund 50 Personen zu einer Mahnwache parallel zur Demonstration gegen die Corona-Politik, zu der etwa 400 Menschen kamen. Zu Beginn der Mahnwache auf dem Markt trafen beide Versammlungsleiter für einen kurzen Austausch zusammen und einigten sich auf gegenseitigen Respekt. Auch wolle sich die Organisationsleiterin der Neustrelitzer Anti-Maßnahmen-Demo nach eigenen Aussagen von extremistischen Tendenzen in ihrer Gruppe distanzieren. In ihren Ansprachen ging es vor allem um „verklebte Augen durch Politik und Medien“ und „Kapital als Ursache der Pandemie“. Während die Mahnwache gegen 19.40 Uhr endete, zogen die Teilnehmer:innen der Demonstration noch einmal durch die Neustrelitzer Innenstadt.

Martje Rust

Mahnwache auf dem Neustrelitzer Markt für die Einhaltung der Hygienemaßnahmen. (Foto: T. Fiß)

Rostock

(Foto: Heiner L. Beisert)

Auch in Rostock fanden sich in dieser Woche wieder Hunderte Demonstrant:innen zusammen, um gegen die geltenden Corona-Vorschriften zu protestieren. Ihrer Empörung wollten die Teilnehmer:innen ursprünglich durch eine am Stadthafen angemeldete, stationäre Kundgebung Ausdruck verleihen. Diese beendete der Veranstaltungsleiter Jens Kaufmann jedoch bereits gegen 17.30 Uhr. Grund dafür waren der Mangel an ausgewiesenen Ordner:innen und die Aufforderung zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung – dies sorgte schon in den vorangegangen Wochen für Komplikationen bei der Durchführung der Veranstaltung.

(Foto: Heiner L. Beisert)

Infolgedessen säumten die nach Angaben der Rostocker Polizei etwa 300 Maßnahmenkritiker:innen die Straßen der Hansestadt unter polizeilicher Begleitung. Insgesamt waren an dem Abend über 800 Kräfte in Rostock im Einsatz. Eine Konfrontation von Maßnahmenkritiker:innen mit Gegendemonstrant:innen sowie den Staatsbeamt:innen blieb seitens der losen Gruppen jedoch nicht aus. Es gab Anzeigen wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt sowie weiterer tätlicher Übergriffer – darunter auch 15 Verstöße gegen die Corona-Landesverordnung. Die Bilanz des Abends zählt sechs verletzte Beamte – unter anderem durch einen Böllerwurf, der sich in der Langen Straße ereignete, wie die Polizeiinspektion auf Nachfrage mitteilte. Ein Tatverdächtiger sei daraufhin vorläufig festgenommen worden. Eine weitere Anzeige wegen „gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr“ werde noch geprüft, da der im Einsatz befindliche Polizeihubschrauber aus einer Personengruppe heraus mit einem Laserpointer geblendet worden sei.

Aufseiten der Gegendemonstration habe der Abend einen reibungslosen Verlauf genommen, alle 250 Teilnehmerinnen hätten sich friedlich verhalten. Störaktionen habe die Einsatzleitung nach eigenen Angaben unterbinden können, wie die Polizeiinspektion in einer Pressemitteilung erklärt.

Heiner L. Beisert und Patrick Hinz

(Foto: Heiner L. Beisert)
(Foto: Heiner L. Beisert)
(Foto: Heiner L. Beisert)

Schwerin

In der Landeshauptstadt blieben die Corona-Proteste erneut weitestgehend friedlich. Die Maßnahmenkritiker:innen sammelten sich, wie in der Vorwoche, ab 18 Uhr auf dem Bertha-Klingberg-Platz in Sichtweite des Schweriner Schlosses. Gegen 18.30 Uhr setzte sich ihr Aufzug durch das Regierungsviertel und die Innenstadt in Bewegung. Nach Polizeiangaben beteiligten sich 2.000 Personen. Anmelder Daniel Gurr sprach während der Abschlusskundgebung von 3.000 Teilnehmer:innen.

(Foto: Martin Schöler)
(Foto: Martin Schöler)
(Foto: Martin Schöler)
Jan Ole Rieck von der Linksjugend. (Foto: Martin Schöler)

An einer stationären Gegenkundgebung der Linksjugend auf dem Bertha-Klingberg-Platz beteiligten sich laut Polizei etwa 35 Menschen. Die Ordnungshüter trennten beide Lager durch eine engmaschige Polizeikette. Trotz wechselseitiger Provokationen blieb es bei verbalen Scharmützeln.

(Foto: Chris Loose)
(Foto: Chris Loose)

Zur einzigen brenzligen Situation kam es an diesem Abend für die etwa 100 eingesetzten Polizist:innen in Höhe der Staatskanzlei. Dort nahm Ministerpräsidentin Manuela Schwesig am Montag per Videoschalte an der Bund-Länder-Konferenz mit Bundeskanzler Olaf Scholz teil. Dementsprechend herrschte in den Räumlichkeiten am frühen Abend noch reger Geschäftsbetrieb. Der Norddeutsche Rundfunk war mit einem Übertragungswagen vor Ort. Demonstrant:innen blieben mehrmals vor dem Gebäude stehen, um ihren Unmut kundzutun. Manche leuchteten mit ihren Taschenlampen in das Gebäude hinein. Das NDR-Team wurde mit „Lügenpresse“-Rufen goutiert. Die Polizei hatte die Lage aber jederzeit unter Kontrolle.

Martin Schöler (Text) und Chris Loose (Liveberichterstatter)


Stralsund

Mahnwache für die 36 Coronatoten in Stralsund. (Foto: Anna Hansen)

Der Protestabend in der Hansestadt begann mit einer Mahnwache unter dem Motto „Für Solidarität und Zusammenhalt“, zu der die SPD Vorpommern-Rügen und SPD Stralsund aufgerufen hatten. Erstmals in diesem Jahr gab es zu den montäglichen „Spaziergängen“ der Maßnahmenkritiker:innen eine Gegenveranstaltung. Gegen 18 Uhr trafen sich die Teilnehmer:innen auf dem Alten Markt vor dem Rathaus. 36 Grabkerzen wurden für die Stralsunder:innen aufgestellt, die mit und an Corona verstorben sind. Auch die CDU-Landtagsabgeordnete Ann-Christin von Allwörden verteilte Grabkerzen zum Gedenken an die Corona-Toten. Gegen 18.15 Uhr hielt die Landtagsabgeordnete Beatrix Hegenkötter (SPD) eine Ansprache, anschließend legte die Mahnwache eine Schweigeminute ein. Über 60 Leute befanden sich zu dem Zeitpunkt vor dem Rathaus auf dem Weihnachtsmarkt – doppelt so viele, wie die Anmelder:innen erwartet hatten.

Schweigeminute für die Corona-Ttoten vor dem Stralsunder Rathaus. (Foto: Anna Hansen)

Die Maßnahmenkritiker:innen trafen sich an der Fährbrücke unter dem Motto „Kultur erhalten“. Gegen 18.30 Uhr startete der angemeldete Zug zu einem lautstarken Rundgang durch die Innenstadt, vorbei an der Mahnwache, durch die Einkaufsmeile Ossenreyerstraße und wieder zurück zum Hafen, den sie gegen 19.30 Uhr erreichten. Laut Polizeiangaben waren es 300 bis 400 Teilnehmer:innen.

Anna Hansen

Der Zug der Maßnahmenkritiker:innen führt direkt an der Mahnwache vorbei. (Foto: Conny Eisfeld)
(Video: Conny Eisfeld)

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