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Friedensfest vs. Neonazi-Aufmarsch

Zwischen bunt und braun in Demmin

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Um 15 Uhr startet das Aktionsbündnis Demmin Nazifrei das Friedensfest auf dem Marktplatz der Kleinstadt. Neben einer Bühne mit Livemusik sind Stände der Parteien SPD und Linke aufgebaut. Kinder können mit Sprühfarbe die Steine des Platzes verzieren, Essen und Getränke wurden von der Greifswalder Volksküche organisiert. Alle Generationen sind vertreten.

Auf einer Tafel neben der Bühne können die Teilnehmer:innen ihre Wünsche für den 8. Mai notieren.

Nach einem gemeinsamen Friedensgebet in der evangelischen Kirche versammeln sich die Teilnehmer:innen zu einem gemeinsamen Spaziergang durch die Stadt. Dieser wurde zusätzlich zum Aktionstag organisiert, nachdem erst in der vergangenen Woche die NPD-Demonstration angemeldet worden war.

Etwa 250 Menschen kommen nach Angaben des Bündnisses. Diese Zahl bestätigt am Abend auch die Polizei.

Vom Marktplatz zieht der Spaziergang durch die Frauenstraße.

Während in der vergangenen Woche laut Landkreis für Demmin noch fünf Kundgebungen angemeldet waren – darunter eine von Bündnis 90/Die Grünen und eine von der NPD –, informiert die Polizei schlussendlich über sieben. Dazu sind etwa 600 Beamt:innen verschiedener Abteilungen der Landespolizei angerückt.

Am deutlichsten zeigt sich die Polizeipräsenz beim Einzug in die Clara-Zetkin-Straße.

Während das Aktionsbündnis und auch die Grünen mit ihren Aktionen der Opfer des Nationalsozialismus gedenken und an das Ende des Zweiten Weltkriegs erinnern wollen, hat die NPD erneut einen sogenannten Trauermarsch geplant. Damit wird wie bereits in den vergangenen Jahren versucht, den Tag der Befreiung zu instrumentalisieren, um an den Massensuizid in Demmin gegen Ende des Krieges zu erinnern.

Aufmarsch der NPD in der Clara-Zetkin-Straße

Im Vorfeld des eigenen Spaziergangs erklärte Kerstin Lenz vom Aktionsbündnis Demmin Nazifrei, warum das Engagement direkt vor Ort in Demmin so wichtig ist.

Demmins Bevölkerung halte sich seit Jahren unverändert zurück, was die Teilnahme am Friedensfest und den Umzügen gegen Nazis angehe, erzählen Teilnehmer:innen des Friedensfestes. Viele Einheimische scheuten sich unter anderem deshalb, weil viele vom Aktionsbündnis von außerhalb Demmins kämen, so ein Erklärungsversuch. Viele Demminer:innen würden meist an ihren Fenstern sitzen und zuschauen.