Das Ablegen von Schweineköpfen vor Moscheen ist eine Straftat, die nicht nur die Religionsausübung stört, sondern vor allem Muslim:innen in ihrer Menschenwürde angreifen soll. Jüngst kam es vor der Al-Nour Moschee im Rostocker Stadtteil Toitenwinkel zu so einer Tat. Der Staatsschutz ermittelt.1
Jeden Tag mehr als elf muslimfeindliche Taten in Deutschland
Blickt man auf die aktuellen Zahlen zu antimuslimischen Vorfällen in Deutschland, offenbart sich folgendes Bild: Jeden Tag kommt es im Durchschnitt zu elf muslimfeindlichen Vorkommnissen. So wurden 2025 bundesweit 4.096 antimuslimische Vorfälle dokumentiert – darunter Diskriminierung, Beleidigung, Bedrohung, Sachbeschädigung sowie körperliche Gewalt sowie zwei Tötungsdelikte. Die Zahl ist deutlich gestiegen: 2024 waren es noch 3.080 Fälle. Das zeigen die Zahlen aus dem aktuellen bundesweiten zivilgesellschaftlichen Lagebild antimuslimischer Rassismus von Claim.2 Die Organisation setzt sich bundesweit gegen antimuslimischen Rassismus sowie gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit ein.
Da viele Vorfälle nicht gemeldet werden, dürfte die Dunkelziffer weitaus höher ausfallen. So gibt es in MV bislang keine spezifische Meldestelle. Betroffene und Zeug:innen können sich hierzulande unter anderem an die landesweite Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt, Lobbi MV, wenden. Oder bundesweit auch online Vorfälle melden über die Webseite i-report.eu.
Ostdeutschland: Muslim:innen treffen auf viel Hass
In MV und Brandenburg zusammen machen Muslim:innen nur 1,1 Prozent der Gesamtbevölkerung aus (2021). In Sachsen unter einem Prozent und in Thüringen und Sachsen-Anhalt unter drei Prozent. Hingegen waren laut der Leipziger Autoritarismus Studie 2024 rund 43 Prozent der Ostdeutschen gegen eine Zuwanderung von Muslim:innen nach Deutschland.3 Die Zahlen zeigen ein Paradoxon auf: Hass bzw. Ablehnung von Bevölkerungsgruppen, zu denen kaum oder gar kein Kontakt besteht. Und hier beginnt das Problem: Fehlender Austausch öffnet Tür und Tor für Vorurteile, Ängste und falsche Informationen.
Eine Tatsache, die insbesondere die rechtsextreme AfD für ihre politischen Zwecke zu nutzen weiß. Islamfeindlichkeit ist ein zentraler programmatischer Inhalt der Partei. „Der Islam gehört nicht zu Deutschland”, heißt es in ihrem Grundsatzprogramm.4 Bei Schriftstücken bleibt es aber nicht. Der Hass gegen Muslim:innen wird auch auf die Straßen getragen. So mobilisierte die AfD zum Beispiel 2019 gegen zwei mögliche Moscheebauten in Schwerin und Rostock.5 Im Juni dieses Jahres wurde zudem nach dem Parteiaustritt des damaligen Vorsitzenden der AfD-Fraktion in der Rostocker Bürgerschaft, Toni Marten, öffentlich, dass AfD-Mitglieder mutmaßlich planten Schweineköpfe vor eine Moschee zu legen.6
- NDR (Hg.): Staatsschutz ermittelt: Schweinekopf vor Rostocker Moschee, auf: ndr.de (19.8.2026). ↩︎
- CLAIM (Hg.): 4.096 antimuslimische Vorfälle in Deutschland – im Schnitt mehr als 11 Vorfälle pro Tag, auf: claim-organisation.de (24.6.2026). ↩︎
- Wolf, Carsten; Kreuzfeld, Lennart; Steinar, Lina: Muslime in Ostdeutschland, auf: mediendienst-integration.de (16.1.2025). ↩︎
- AfD (Hg.): Programm für Deutschland, S. 49, auf: afd.de (2023). ↩︎
- Endstations Rechts (Hg.): Schwerin und Rostock: AfD macht gegen Moscheebauten mobil, auf: endstation-rechts.de (18.3.2019). ↩︎
- NDR (Hg.): Austritt von Rostocker AfD-Fraktionschef: Mitglieder wollten Schweineköpfe vor Moschee legen, auf: ndr.de (5.6.2026). ↩︎

