Thema: Kultursterben im MV. "Nach der Covidpandemie ist der Umsatz um 30 Prozent zurückgegangen. Das hat uns richtig hart getroffen", sagt Murat Demirkaya, Clubbetreiber in Greifswald.
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Lang lebe die Kultur

Das fast stille Kultursterben in MV

Clubs, Bars und andere Veranstaltungsorte sind mehr als Orte, an denen nur gefeiert wird. Als kulturelle Institutionen formen sie im strukturschwachen MV ganze Regionen und halten sie durch ihr primär junges Publikum am Leben. So auch in Greifswald. Dort wird aller Voraussicht nach Ende Januar der beliebte und weit über MV bekannte Club Rosa schließen müssen. Er ist nicht der erste Kulturort, der verschwindet.
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Endlich 18 und ohne Muttizettel die Nacht unsicher machen. Bevor es in den Club geht, noch einen Abstecher in die Lieblingsbar oder Kneipe. Dann nach null Uhr die Tanzfläche betreten. Bunte Lichter, Nebel, Schweiß und der Bass, der deinen Körper durchströmt. Ein bisschen Freiheit und die Sorgen des Alltags vergessen. So oder so ähnlich sah das Lebensgefühl ganzer Generationen aus. Jetzt stirbt vielerorts diese Kultur aus, weil immer mehr Orte schließen. Der Greifswalder Club Rosa ist nur ein Beispiel von vielen und steht dennoch sinnbildlich für das Kultursterben in MV.

Vielfältige Gründe für das Kultursterben

Für den Rosa-Betreiber Murat Demirkaya – von Freund:innen nur Muri genannt – sind es schwere Zeiten. Sein Club muss voraussichtlich Ende Januar 2026 schließen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Neben dem maroden Gebäude am Bahnhof, indem sich der Club befindet, sind es vor allem die gestiegenen Energiekosten, die ihm zu schaffen machen. Hinzu kommt die Zielgruppe, die überwiegend aus Studierenden besteht – und die wenig Geld zum Feiern übrig haben. „Nach der Covidpandemie ist der Umsatz um 30 Prozent zurückgegangen. Das hat uns richtig hart getroffen“, sagt Demirkaya auf einem Panel mit anderen Kulturschaffenden und Politiker:innen.

Auch die Feiergewohnheiten hätten sich geändert. Während es in früheren Generationen üblich war, fast jedes Wochenende unterwegs zu sein, sind diese klassischen Clubgänger:innen heute eher in der Minderheit. Durch TikTok und Co. haben sie zudem gestiegene Erwartungen an Clubs, denen viele Betreiber:innen zu spät oder gar nicht nachgekommen seien, schildert Demirkaya. Probleme, vor denen die meisten kulturellen Veranstaltungsorte stehen.

Das Problem ist politisch

Die Rosa ist nicht der erste kulturelle Ort in Greifswald, der verschwinden wird. Und wird wahrscheinlich auch nicht die letzte Location in MV sein, die schließen muss. Schaut man sich die Fördermöglichkeiten für Clubs an, sind diese begrenzt. Zwei Förderprogramme für sogenannte Live-Spielstätten gibt es aktuell von der Bundesregierung. Für die Landesförderung ist das Kulturministerium in MV zuständig. Über die Clubgagenfounds können Auftritte von Nachwuchskünstler:innen gefördert werden.1 Finanzierungsmöglichkeiten, die nett aber unzureichend sind, Veranstaltungsorte dauerhaft wirtschaftlich zu unterstützen. Doch liegt nicht die Verantwortung auch bei den Städten und Kommunen? Demirkaya ist jedenfalls im Gespräch mit der Stadt Greifswald und dem Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Bündnis 90/Die Grünen). Gemeinsam wollen sie im Januar eine Lösung finden.

  1. PopKW (Hg.): Clubgagenfounds, auf: popkw.de. ↩︎

Autor:in

  • Redakteurin in Greifswald

    Irgendwas zwischen Patchworkwendekid und Halbprovinzbohème. Wohnte in 4 von 16 Bundesländern. Hat einen Meisterbrief und einen Papagei.

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