Die Grafik zeigt eine Deutschlandkarte. Eingezeichnet ist der Anteil der Geringverdiener:innen an die sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten in den einzelnen Bundesländern. Die wenigsten Menschen – 15,4 Prozent – verdienen in Hamburg weniger als 2.750 Euro brutto im Monat. In MV, dem Bundesland mit den meisten, sind es 36,1 Prozent.
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Niedrige Löhne

Mühsam nährt sich MV

Mecklenburg-Vorpommern hat im Bundesvergleich den höchsten Anteil an Beschäftigten mit geringem Einkommen. Mehr als 126.000 Menschen verdienen weniger als 2.750 Euro brutto im Monat. Was bedeutet das für das Bundesland?
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Eine Kleine Anfrage des Rostocker Linken-Politikers Dietmar Bartsch im Bundestag ergab, dass in MV ein Drittel der Beschäftigten einen niedrigen Lohn bekommen. Das sind im Verhältnis zur Gesamtzahl so viele wie in keinem anderen Bundesland.1 Hier leben aber nicht nur besonders viele Menschen, die weniger als 2.750 Euro brutto im Monat verdienen. Mit einem Mediangehalt von 3.294 Euro ist MVs Bevölkerung auch Schlusslicht bei der Höhe des Einkommens.2 Mediangehalt bedeutet, dass die eine Hälfte der Beschäftigten weniger verdient als diesen Betrag und die andere Hälfte mehr.

Die Zahlen zeigten, dass Deutschland ein „millionenfaches Lohnproblem“ habe, so Bartsch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.3 Die niedrigen Löhne machten es der Bevölkerung schwer, die steigenden Kosten für Miete, Energie und Lebensmittel zu zahlen. Auch in Zukunft könnte sich ein Problem ergeben. Anne Zerr, Sprecherin für Arbeitspolitik der Linken im Bundestag, sagt dazu: „Fast die Hälfte aller arbeitenden Menschen wird spätestens zur Rente armutsgefährdet sein.“4 Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert als Konsequenz im Gespräch mit dem NDR einen „armutsfesten Mindestlohn“.5

Dabei sind die Erkenntnisse nicht neu. Bereits 2023 war MV das Land mit dem höchsten Anteil an Erwerbstätigen, die weniger als 14 Euro pro Stunde verdienten.6 Außerdem ist die Zahl der Rentner:innen, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, seitdem gestiegen.7

Weiterlesen:

  1. Deutscher Bundestag (Hg.): Drucksache 21/918: Schriftliche Fragen mit den in der Woche vom 14. Juli 2025 eingegangenen Antworten der Bundesregierung, S. 38, auf: server.bundestag.de (18.7.2025). ↩︎
  2. Bundesagentur für Arbeit (Hg.): Sozialversicherungspflichtige Bruttomonatsentgelte 2024, auf: statistik.arbeitsagentur.de (20.7.2025). ↩︎
  3. Ostsee-Zeitung (Hg.): Löhne in MV am niedrigsten – Bartsch warnt vor Altersarmut, auf: ostsee-zeitung.de (23.7.2025). ↩︎
  4. Zerr, Anne; Bartsch, Dietmar: 9 Millionen Menschen verdienen weniger als 3.500 Euro brutto, auf: dielinkebt.de (21.7.2025). ↩︎
  5. NDR (Hg.): Einkommen bei Vollzeitbeschäftigten: MV ist Schlusslicht, auf: ndr.de (21.7.2025). ↩︎
  6. Nordkurier (Hg.): Trauriger Spitzenreiter – in MV sind Niedriglöhne am weitesten verbreitet, auf: nordkurier.de (27.7.2023). ↩︎
  7. Koslik, Karin: Immer mehr Senioren leben von Grundsicherung, auf: nordkurier.de (15.4.2025). ↩︎

Autor:innen

  • Porträt von Lilly Biedermann Redakteurin Katapult MV in Greifswald

    Redakteurin in Greifswald

    Geboren und aufgewachsen in Sachsen. Ist zum Studieren vom tiefen Osten in den kalten Osten nach Greifswald gezogen.

  • Redakteur in Rostock

    An der Küste MVs aufgewachsen und wieder angekommen; feiert Wind- und Wetterfeste, wie sie fallen. Dazwischen Anthropologe und Kulturaktivist.

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