Am Freitag beteiligten sich bundesweit junge Menschen in über 90 Städten an Schulstreiks und Demonstrationen. Auch in Neubrandenburg, Greifswald und Rostock gingen Hunderte auf die Straße. Hintergrund ist die Abstimmung zum sogenannten Wehrdienst-Modernisierungsgesetz im Bundestag. Junge Menschen fühlen sich von der Regierung im Entscheidungsprozess zur Wehrpflicht übergangen.
Nachdem die Demonstration in Rostock nicht wie zunächst geplant als Schulstreik stattfinden konnte, versammelten sich ab dem frühen Nachmittag bis zu 500 Schüler:innen am Rosengarten beim Steintor. Bei kaltem Regenwetter zogen sie auf einer etwa zweistündigen Route durch die Stadt, dazu gab es drei Kundgebungen. Unterstützt wurden sie von Angehörigen sowie verschiedenen Initiativen, wie der Freien Arbeiter:innen-Union, der Sozialistischen Jugend der Falken und dem Kinder- und Jugendbeirat Rostock. Anfangs mischten sich zudem einzelne Vertreter:innen der regelmäßigen Montags- oder Friedensdemonstrationen unter die Schüler:innen.
Musterung wird Pflicht
Das neue Wehrdienstgesetz, welches am 5. Dezember vom Bundestag beschlossen wurde, tritt ab 2026 in Kraft. Danach wird für alle Männer, die ab dem 1. Januar 2008 geboren sind, die Musterung wieder zur Pflicht.1 Laut Bundesregierung werde ein Dienst auf freiwilliger Basis angestrebt. Sollten sich allerdings nicht ausreichend junge Menschen dafür entscheiden, kann mit neuem Bundestagsbeschluss die sogenannte Bedarfswehrpflicht eingeführt werden – der Wehrdienst könnte dann beispielsweise mittels Losverfahren aufgestockt werden.2 Begründet wird die Notwendigkeit des neuen Wehrdienstgesetzes vom Verteidigungsministerium mit der „sicherheitspolitischen Lage in Europa zur Landes- und Bündnisverteidigung“.
Kein „Kanonenfutter“
Auf den Kundgebungen in Rostock forderten die Schüler:innen in ihren Redebeiträgen einerseits klar ihr Mitspracherecht ein. Die Politik solle sie als junge Menschen ernstnehmen. Es sei ihnen nicht egal, was in der Politik passiere, so eine Rostocker Pfadfinderin mit Blick auf das Engagement junger Menschen – durch Motivation, nicht durch Pflicht. Andererseits lehnten es alle Redner:innen deutlich ab, für Deutschland in den Krieg zu ziehen und auf andere zu schießen. „Ich habe mehr mit dem gegnerischen Soldaten gemeinsam als mit (Bundeskanzler) Merz“, betonte ein Schüler in seinem Redebeitrag.
Weitere angemeldete Beiträge kamen von der Deutschen Friedensgesellschaft, dem Feministischen Kampfkollektiv, der linksextremen Roten Jugend und der Sozialistischen Organisation Solidarität. Auch die politische und menschenrechtliche Lage in Palästina war während der Protestaktion und den Kundgebungen unter den Teilnehmenden präsent.
Als einziger Parteivertreter meldete sich Christian Albrecht (Linke) zu Wort. Er sprach in seinem Redebeitrag diverse Jugendthemen und -probleme an und adressierte den Frust der Schüler:innen: „Wofür solltet ihr auch dankbar sein?!“ Ein Staat müsse für die Menschen da sein, statt die Menschen für den Staat, so Albrecht.





Nächster Streik im März geplant
Die dreistündige Protestaktion verlief friedlich und ohne Zwischenfälle. Zeitweise kam es zu kalkulierten Verkehrsbeeinträchtigungen. Die Veranstalter:innen zählten zum Höhepunkt der Demonstration bis zu 500 Teilnehmende. Die Polizei ging zwischenzeitlich von 420 aus.
Der nächste bundesweite Schulstreik ist für den 5. März 2026 geplant.
- Deutscher Bundestag (Hg.): Bundestag stimmt für neues Wehrdienstgesetz, auf: bundestag.de (5.12.2025). ↩︎
- Bundesministerium der Verteidigung (Hg.): Alles Wichtige rund um den neuen Wehrdienst, auf: bmvg.de (13.11.2025). ↩︎

