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Naturschutz

Schutzgebiete für die Natur: Noch nicht abgeschlossen

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Die Natur zu schützen, ist eine noch relativ junge Idee. Als Pionierflächen kann man den Bamberger Hain und den Drachenfels bei Königswinter bezeichnen. Die wurden aber erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Sinne der Natur gesichert. Dort hatten sich die Menschen vor Ort dafür eingesetzt, die Gebiete unter Schutz zu stellen, anstatt sie herunterzuwirtschaften. Der Drachenfels zum Beispiel sollte als Steinbruch genutzt werden. Im Jahr 1820 formierte sich dort eine bürgerliche Bewegung, 1836 kaufte die preußische Regierung daraufhin einen Teil der Fläche und bewahrte sie vor dem Abbruch. Damals wurde der Erhalt nur ästhetisch begründet, bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts rückte dann auch mehr und mehr die Bewahrung der Natur- und Artenvielfalt in den Fokus.

Das Plagefenn, ein Moor im heutigen Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, kann als erstes offizielles Naturschutzgebiet in Norddeutschland angesehen werden. Eine solche Ausweisung von Schutzgebieten wurde 1920 im preußischen Feld- und Forstpolizeigesetz verankert. Das übernahmen später auch andere deutsche Staaten. Es folgte eine ganze Reihe neuer Naturschutzgebiete nach preußischem Recht: 1921 das Neandertal bei Düsseldorf und die Lüneburger Heide, 1922 das Siebengebirge. Bereits drei Jahre nach dem neuen Gesetz hatte Preußen zwölf neue Naturschutzgebiete. Das waren nicht nur Wiesen und Wälder, sondern auch Moore, Gewässer und Küstenabschnitte.

Somit stellt das Naturschutzgebiet die erste bekannte Kategorie für die Bewahrung der Natur in Deutschland dar und gilt bis heute als das klassische Instrument für den Arten- und Biotopschutz. Es gibt aber noch weitere Unterscheidungen. Seitdem begonnen wurde, den Naturschutz gesetzlich festzuschreiben, wurden immer weitere Möglichkeiten und Kategorisierungen gebildet – auf internationaler, nationaler und auf Landesebene. Das Spektrum reicht von Großschutzgebieten über Naturschutzgebiete, Reservate bis hin zum Schutz einzelner Naturdenkmäler. 

Die in der Regel bekanntesten Flächen sind die Naturschutzgebiete und die sogenannten Großschutzgebiete.

Naturschutzgebiet und Großschutzgebiet: Was ist was?

Zu den flächenmäßig bedeutendsten Schutzgebieten in Deutschland, die auch im Bundesnaturschutzgesetz verankert sind, gehören Naturschutz­gebiete, Nationalparks, Biosphären­reservate und Naturparks. Sie unterscheiden sich vor allem in dem, was sie genau bewahren, und in ihren Nutzungsmöglichkeiten. Denn die Natur zu schützen geht nicht nur, indem man Flächen sperrt, sondern indem man sie schont, nachhaltig nutzt und über sie informiert.

Ein Naturschutzgebiet auszuweisen, ist dafür in der Regel der erste Schritt. In Meck-Vorp sind etwa 95.000 Hektar Naturschutzgebiete, das sind 3,1 Prozent der Landesfläche. Sie sind „rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, die als Rückzugsorte für bedrohte Tier- und Pflanzenarten dienen“, heißt es vom Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt MV. Für das Pflegen und Kontrollieren von Naturschutzgebieten sind die Unteren Naturschutzbehörden der Kreise und kreisfreien Städte zuständig.

Die andere höchste Form des Flächenschutzes sind die Nationalparks. Das sind Flächen, die einen „möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge gewährleisten sollen“, so das Bundesumweltministerium. Drei Nationalparks gibt es in Meck-Vorp: Vorpommersche Boddenlandschaft, Jasmund und Müritz. Alle drei wurden 1990 ausgewiesen.

Dann wären da noch die Biosphärenreservate; ebenfalls drei von deutschlandweit 13 liegen in Meck-Vorp: Schaalsee, Südostrügen und ein Teil des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe. Mit Ausnahme kleiner, nutzungsfreier Kernzonen werden hier im Gegensatz zum Nationalpark auch Flächen nachhaltig bewirtschaftet. So soll die dort gewachsene Kulturlandschaft erhalten werden. Biosphärenreservate sind also laut dem Bundesumweltministerium Modellregionen für das Zusammenleben von Mensch und Natur. Koordiniert wird das von den Biosphärenreservatsämtern.

Auch in Naturparks findet eine wirtschaftliche und touristische Nutzung statt, dort ist diese aber umfassender. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es bisher sieben Naturparks. Ähnlich verhält es sich auch mit den durch EU-Recht gesicherten Schutzzonen, den sogenannten Natura-2000-Gebieten.

 Allen Schutzgebieten ist gemein, dass sie auch der Umweltbildung dienen sollen, etwa für wissenschaftliche Forschungen und die Wissensvermittlung für Besucher:innen.

Wie MV zu seinen Schutzgebieten kam

Die heutigen Großschutzgebiete in Ostdeutschland sind zu einem großen Teil ehemalige Staatsjagdgebiete, Truppenübungsplätze und Grenzstreifen der DDR-Zeit. Der heute in Greifswald lebende Biologe Michael Succow setzte sich 1990 maßgeblich dafür ein, diese Flächen für den Naturschutz umzuwidmen. Seine Leidenschaft dafür begann schon in der Kindheit, erzählt er gegenüber Katapult MV. Als Student begann sein Engagement für den Naturschutz. Nach dem Prager Frühling durfte er nicht mehr als wissenschaftlicher Assistent an der Greifswalder Universität arbeiten. Vier Jahre lang war er im Volkseigenen Meliorationskombinat Bad Freienwalde eingeteilt, um neue Flächen für eine intensive, also möglichst ertragreiche, Landwirtschaft zu erschließen. Die Zeit in Bad Freienwalde habe seinen Drang zum Naturschutz noch weiter geprägt, erzählt er. Seine Doktorarbeit schrieb er damals trotzdem weiter, sodass er ab 1974 eine Lehrtätigkeit aufnehmen konnte. Und er arbeitete weiter daran, den Naturschutz im Land voranzutreiben. Zusammen mit anderen Mitgliedern des Kulturbundes der DDR erarbeitete er Vorschläge zur Umsetzung, wie etwa die Ausgrenzung geeigneter Flächen. Da die Idee der Nationalparks aber aus den USA stammte, sei die Regierung wenig begeistert gewesen, berichtet Succow. Am Ziel hielten sie aber fest und arbeiteten hinter den Kulissen weiter: So entstand 1987 ein erstes Papier für Naturschutzmaßnahmen.

1990 kam dann die Chance: Mit der Wende wurde der bisherige Regierungsapparat aufgelöst und ein neuer aufgebaut, Forderungen nach einem Naturschutzministerium wurden lauter. Wegen seines vorherigen Engagements wurde Michael Succow zum stellvertretenden Minister für Ressourcenschutz und Landnutzungsplanung ernannt. In dieser Funktion konnte er seine Ideen in die Tat umsetzen: „Ich erlebte die Zeit der größten Freiheit meines Lebens“, erinnert sich Succow. „Ich durfte mein Team zusammenstellen und habe die Engagiertesten aus meinen Kreisen geholt.“ Zwischen Januar und März 1990 habe die DDR-Regierung ganz andere Probleme gehabt, als sich um die alten Staatsjagdgebiete und Grenzsicherungsstreifen zu kümmern. Anträge auf ein Unterschutzstellen dieser Flächen wurden kurzerhand unterzeichnet, das Konzept wurde vom DDR-Ministerrat abgesegnet und mit der Unterstützung auch von westdeutschen Naturschützern in den Einigungsvertrag übernommen.

So schaffte es Succow zusammen mit seinem Team, ein Nationalparkprogramm zu entwickeln und damit nicht nur in der ehemaligen DDR Gebiete zu sichern, sondern auch die BRD zu motivieren, nach diesem Konzept Flächen für den Naturschutz umzuwidmen. Für diese Leistung wurde Michael Succow 1997 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Das Preisgeld nutzte er dazu, zwei Jahre später die Michael-Succow-Stiftung zu gründen. Bis heute arbeiten die Mitarbeiter:innen daran, weltweit Schutzgebiete zu etablieren, unter anderem in der Ukraine, Zentralasien und Äthiopien. Rund 1.400 Hektar hat die Stiftung in MV und Brandenburg übernommen, um sie zu renaturieren.

In diesem Jahr feierte Michael Succow seinen 80. Geburtstag. Heute blickt er zufrieden auf das bisher Geleistete. Abgeschlossen ist allerdings noch nichts, betont er. Es müssen noch einige Ecken gesichert werden, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Einige Flächen hat er auch in MV noch im Visier. Dazu gibt es aber momentan erst inoffizielle Vorgespräche.

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Autor:innen

Redakteurin bei KATAPULT MV.

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