Zum Inhalt springen

Schweriner Demokratiekonferenz

Wer versteht die Jugend?

Von

Lesedauer: ca. 4 Minuten

MV-Karte mit eingezeichneten kommunalen Gremien der Kinder- und Jugendbeteiligung: Sassnitz, Bergen, Bad Sülze, Grimmen, Greifswald, Anklam, Torgelow, Strasburg, Neustrelitz, Malchow, Wismar, Dorf Mecklenburg, Warin, Parchim, Balow, Ludwigslust, Eldena, Hagenow, Zarrentin, Schwerin, Schönberg, Hohenkirchen und Landkreis Nordwestmecklenburg.

Artikel teilen

In Schwerin sind die Menschen im Durchschnitt 46,5 Jahre alt. Das Durchschnittsalter nimmt stetig zu und deshalb stellt sich mit Blick auf den Generationenkonflikt die Frage, welche Räume sich die Jugend dauerhaft erschließen und wie sich junge Erwachsene wirksam an politischen Entscheidungen beteiligen können. Diesen Fragen geht die Demokratiekonferenz der Initiative Partnerschaft für Demokratie Schwerin morgen zwischen 10 und 16 Uhr im Wichernsaal in der Apothekerstraße 48 nach. Die Koordinatorin der Veranstaltung, Katrina Schmitz, rechnet mit ungefähr 100 Teilnehmer:innen.

Eröffnen wird die Veranstaltung Reem Alabali-Radovan (SPD), Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Die Schweriner Bundestagsabgeordnete ist überzeugt, dass junge Leute zu einem wichtigen Perspektivwechsel beitragen und deshalb die Anliegen junger Engagierter ernstgenommen werden sollten.

Möglichkeiten der Mitmachdemokratie nutzen

Es folgt um 10.15 Uhr das Impulsreferat „Deutschland und ich“ der 19-jährigen Schülerin Karolina Życzyńska. Die gebürtige Polin wohnt seit sieben Jahren in Schwerin und berichtet auf der Konferenz über ihre Erfahrungen und Erlebnisse als Ausländerin in Deutschland. Życzyńska engagiert sich als Schülersprecherin in der integrierten Gesamtschule Bertolt Brecht, ist seit drei Jahren Mitglied im Kinder- und Jugendrat der Stadt und engagiert sich außerdem im Vorstand des Stadtschülerrates. Seit 2020 erhält sie ein Stipendium im Rahmen von Start, einem Bildungs- und Engagementprogramm für Schüler:innen mit Einwanderungsgeschichte. Sie schätzt die Mitwirkungsmöglichkeiten in Schwerin: „Im rechtsnational geprägten Polen gibt es in vielen Städten keine Beteiligungsmöglichkeiten wie ein Kinder- oder Jugendparlament. Und wenn es sie gibt, werden sie nur selten genutzt“, beschreibt die Gymnasiastin die Situation in ihrem Herkunftsland.

Karolina Życzyńska mit einem blau-gelben Schild mit der Aufschrift "Spendenaktion für die Ukraine" in der Hand
Karolina Życzyńska (Foto: privat)

Wahlrecht für Migrant:innen gefordert

Für Życzyńska ist es wichtig, mitzuentscheiden, wer in Land- und Bundestag sitzt. „Da ich aber keine deutsche Staatsangehörigkeit habe, kann ich, wie viele meiner Freund:innen mit Migrationshintergrund, nicht an den Wahlen teilnehmen“, bedauert sie die gegenwärtige gesetzliche Regelung. Das Projekt der Juniorwahlen, bei dem nach einer unterrichtlichen Vorbereitung ein simulierter Wahlakt zu Landtags-, Bundestags- und Europawahlen den Höhepunkt bildet, sei zwar eine Erfahrung gewesen, die verbreitet werden solle, aber es war dann eben doch „nur eine Simulation“. Auf der Demokratiekonferenz will sie Themen wie die ihrer Meinung nach nötige Reform des Bildungssystems, eine empathische Migrationspolitik, Chancengleichheit und nötige Maßnahmen gegen den Klimawandel diskutieren.

Gegenwart und Zukunft der Jugend in Schwerin

Beim ersten Panel „Gegenwartsstimmen“ um 11 Uhr tauschen sich die Teilnehmer:innen darüber aus, wie junge Menschen in Schwerin leben. Es geht um soziale Ungleichheit, fehlende jugendgerechte Angebote, das veraltete Bildungssystem, außerdem um Diskriminierung, Rassismus, Sexismus, Klassismus und die fehlende Unterstützung der LGBTQI+-Community durch die Politik.

In der zweiten Diskussionsrunde „Zukunftsgedanken“ um 12.30 Uhr richten die Teilnehmer:innen ihren Blick nach vorne: Was erhoffen sich junge Menschen von einer Zukunft in Schwerin? Was würde sie dazu bewegen, in der Landeshauptstadt zu bleiben? Welche Zukunftsängste haben sie und was sind ermunternde und positive Beispiele in der Stadt?

Filme, Diskussion und Performance

In ihrem bislang unveröffentlichten Kurzfilm RAL 6005 führen die Schülerinnen Hannah L. und Paula P. um 12.15 Uhr Interviews zum Thema Natur, Klima und Müllentsorgung in Schwerin.

Um 14 Uhr stellt Eva Kappl das Projekt „Demo:create“ der Amadeu-Antonio-Stiftung vor. Die Medienpädagogin Kappl war vor zwei Jahren Landratskandidatin im oberpfälzischen Schwandorf und präsentiert auf der Konferenz ihre Ideen zur Beteiligung an demokratischer Willensbildung.

Ab 15 Uhr gehört die Bühne Lili Alexander und Kat Embo, zwei queeren Performer:innen aus Leipzig. Alexander wurde in Schwerin bekannt durch die Hauptrolle in dem queeren Rockmusical Hedwig and the angry Inch, das im E-Werk des Mecklenburgischen Staatstheaters erfolgreich aufgeführt wurde. Gemeinsam werden sie sich „queeren Themen“ widmen.

MV braucht mehr als nur eine Zeitung pro Region. Holt euch ein KATAPULT-MV-Abo!

Autor:innen

haut als freier Journalist in Schwerin für KATAPULT MV in die Tasten. Manchmal knipst er auch.

Neueste Artikel

Foto von der Rehkitzrettung der Unimedizin Rostock: Asl Suchkette gehen Pflegekräfte und Patient:innen ein ganzes Feld ab.

12.07.2024

Forensische Psychiatrie rettet Rehkitze

Bei einer gemeinsamen Aktion der Klinik für Forensische Psychiatrie und der Wildtierhilfe MV haben Patient:innen auf landwirtschaftlichen Flächen geholfen, Rehkitze aufzuspüren. Vor Mäh- und Erntearbeiten suchten sie die Wiesen ab. Elf Rehkitze konnten bei der jüngsten Aktion gerettet werden. Das hilft nicht nur den Tieren, sondern auch den Patient:innen.
Gegenüberstellung der Anzahl an Aquarien im Meeresmuseum Stralsund: 31, im Müritzeum Waren: 25.

12.07.2024

Willkommen zurück zwischen den Fischen

Das Meeresmuseum in Stralsund öffnet am 17. Juli nach vier Jahren wieder seine Türen.
Infografik mit 100 Icons von Häusern, von denen 11 farbig hervorgehoben sind. Anteil an Wohnungen in Malchin, die mit Rohstoffen aus Paludikultur beheizt werden: 11 Prozent.

12.07.2024

Paludikultur seit 25 Jahren auf Erfolgskurs

Seit einem Vierteljahrhundert existiert das Wort „Paludikultur“ im deutschsprachigen Wissenschaftsraum. Wortschöpfer ist der Moorforscher Hans Joosten. Schöpfungsort ist Greifswald! Übersetzt bedeutet „Paludikultur“ Sumpf und Anbau. Und genau das ist das Ziel des Wortspiels: Moore wiedervernässen zu können, sie zu schützen, aber gleichzeitig auch zu nutzen. Davon gibt es in MV schon einige Modellprojekte.