Am Dienstag, den 30. September, protestierten Akteur:innen vom Moorbündnis, Rostock for Future und Ende Gelände Rostock zu Wasser und zu Land gegen die geplante Hafenerweiterung. Anlass war der überarbeitete Entwurf des neuen Raumentwicklungsprogrammes zur Hafenerweiterung, dessen Genehmigung langfristige Auswirkungen für die Stadt, deren Umwelt und Klimaschutz bedeuten würde.
Bis 2030 soll der Rostocker Hafen vergrößert werden. Geplant sind beachtliche Gebietserweiterungen und wirtschaftliche Expansionen, die viele Arbeitsplätze und einen nachhaltigen Hafen mit Wasserstoffenergie und Windkraft entstehen lassen sollen. Dass dafür ausgerechnet unter anderem ein intaktes Moorgebiet weichen soll, stößt auf Unverständnis.
Bereits im Dezember 2021 wurden die Pläne zur Hafenerweiterung vor der Bürgerschaft Rostock präsentiert. Die Pläne fanden Zuspruch, etwa bei Vertreter:innen von SPD und FDP, lösten aber ebenso Irritationen bei den Grünen aus. Der erste Entwurf des Planungsverbandes Region Rostock erschien im Januar 2024 mit dem Ziel, das vorläufige Konzept zu konkretisieren und die Öffentlichkeit über wesentliche Regelungsabsichten zu informieren. Zu diesem Zeitpunkt noch ohne Umweltbericht und einer Bewertung der voraussichtlichen Umweltauswirkungen der Planung.1
Mit dem daraufhin produzierten Dokumentarfilm Moor Stadt Hafen versuchte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) auf die blinden Flecken des Hafenentwicklungsplanes aufmerksam zu machen und Argumente zu formulieren: Allgemein stellen Moore natürliche CO₂- und Schadstoffspeicher dar, die klimaregulierend wirken. Die bedrohte Fläche in Rostock sei aufgrund ihrer einzigartigen Lage als Küstenmoor mit Flachwasserbereichen außerdem wichtiger Lebensraum für seltene und bedrohte Arten. Insbesondere gehen die Akteur:innen auf die Gegebenheiten des Biotops rund um den Peezer Bach ein, die spezielle Anpassung seiner Flora und Fauna und die langfristigen Folgen eines massiven Eingriffs auf die Umwelt.

Mehr Hafen für weniger Moor
Durch die Proteste von BUND, Initiativen und Bürger:innen seien bereits kleine Fortschritte erreicht worden, berichtet Hendrik Selzener vom Moorbündnis auf der Kundgebung mit Kanudemo am 30. September. Die geplante Hafenfläche umfasse nun 471 Hektar anstatt der ursprünglich veranschlagten 660 Hektar. Die großflächige Zerstörung des Peezer Baches und der Oldendorfer Tannen sei zwar mit dem zweiten Entwurf „vorerst vom Tisch“, aber nach wie vor kein angemessener Kompromiss.
Trotz punktueller Aussparung bliebe die unmittelbare Angrenzung an ein intaktes Moor am Peezer Bach und dem ausgewiesenen Erholungsgebiet Stuthof/ Schnatermann. Laut aktuellem Erweiterungsplan wären diese Gebiete umfassend vom Hafengelände umschlossen.2 „Im Vorranggebiet Hafenerweiterung liegen 25,6 Hektar im Landschaftsschutzgebiet Peezer Bach, also rund 35 Fußballfelder“, betont das Moorbündnis während der Kundgebung am Stadthafen. Die hiesigen Moorflächen nicht zu schützen, sei außerdem nicht mit dem Bundesnaturschutzgesetz vereinbar – gemäß Paragraf 30 gelten Moore explizit als gesetzlich geschützte Biotope.3 Das Vorgehen der Hafenerweiterung sei daher „nicht nur ökologisch, sondern auch rechtlich nicht haltbar“. Dass die ökologische Situation durch die geplanten Maßnahmen verschlechtert werden würde, sei außerdem im Umweltbericht des Entwicklungsplanes bestätigt worden, was klar gegen eine Genehmigung der Vorhaben sprechen würde, so das Moorbündnis.
Michael Fengler, Leiter der Geschäftsstelle des Planungsverbandes Region Rostock, besuchte die Kundgebung für eine kurze Stellungnahme und um die Beteiligten zur Kompromissfindung einzuladen. Dabei sprach er seinerseits eine klare Dialogbereitschaft aus, dementierte jedoch auch, dass die Erweiterungspläne nicht rechtens seien.
Gerald Jurasinski, Professor für Moorforschung an der Universität Greifswald, berief sich in seinem Redebeitrag auf den Stand der Wissenschaft: „Es braucht keine neue Inanspruchnahme, sondern eine clevere Nutzung bereits versiegelter Flächen.“ Moore seien unabdingbar für einen langfristigen Klimaschutz und dürften nicht durch „kurzsichtige“ Pläne gefährdet werden.
Auch der Landtagsabgeordnete Hannes Damm (Grüne) betonte eindringlich, man könne 2025 keine Moore und Biotope mehr versiegeln, die das Klima schützen. Er warf außerdem SPD und Linke „Doppelmoral“ vor, die sich auf einen nachhaltigen Hafen berufen, den Schutz der Moorfläche jedoch nicht unterstützen würden.

Kompromiss mit einer Tausendjährigen
Wären die tausend Jahre alten Moorflächen erstmal zerstört, könnten diese nie wiederhergestellt, geschweige denn kompensiert werden, fasst Hendrik Selzener zusammen. Ein Kompromiss wäre der aktuelle Entwicklungsplan daher noch lange nicht. Mit der Genehmigung der aktuellen Bauvorhaben würden irreversible Prozesse in Gang gesetzt werden. Die Beteiligten der Kundgebung beschreiben ihre bisherigen Bemühungen als „Kampf gegen Windmühlen“ und hoffen umso mehr auf eine rege Bürger:innenbeteiligung.
Bis zum 8. Dezember 2025 können alle öffentlichen Stellen sowie Bürger:innen zum aktuellen Entwurf Stellung nehmen, bevor weitere und langfristige Entscheidungen getroffen werden.
- Planungsverband Rostock (Hg.) Neuaufstellung des Raumentwicklungsprogrammes für die Region Rostock – Veröffentlichung des ersten Entwurfes, auf: planungsverband-rostock.de
↩︎ - Planungsverband Rostock (Hg.) Detailkarte Vorranggebiete für Industrie und Gewerbe, 2. Entwurf vom regionalen Raumentwicklungsprogrammes, auf: planungsverband-rostock.de
↩︎ - Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (Hg.) Bundesnaturschutzgesetz, Paragraf 30: Gesetzlich geschützte Biotope.
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