Die Liste der Veranstaltungen von AfD-Politiker:innen in MV ist lang, genauso wie die ihrer eingeladenen Gesprächspartner:innen bei Bürgerdialogen und den sogenannten Schlossgesprächen im Schweriner Schloss. Eine große Zahl der Gäste lässt sich dabei klar dem radikalen bis extremistischen rechten Spektrum zuordnen. Wie zum Beispiel der rechtsextreme thüringische AfD-Landtagsabgeordnete Björn Höcke. Er traf sich im Januar dieses Jahres mit Hans-Christoph Berndt (Fraktionsvorsitzender der AfD im Brandenburger Landtag), Oliver Kirchner und Ulrich Siegmund aus der AfD-Fraktion im Landtag Sachsen-Anhalt, dem hiesigen Fraktionsvorsitzenden Nikolaus Kramer sowie Jörg Urban (AfD-Fraktionsvorsitzender im Landtag Sachsen) in Schwerin zur selbsternannten „Fraktionsvorsitzenden-Ost-Konferenz“.1 Dort verabschiedeten sie gemeinsam die Schweriner Erklärung „Für eine Wiederbelebung der Demokratie in Deutschland“. KATAPULT MV thematisierte das Pamphlet bereits beim AfD-Parteitag im Januar. Auffällig: Neben Höcke lassen sich Berndt, Kirchner, Kramer und Urban dem formell aufgelösten völkisch-nationalistischen Flügelrund um Höcke zuordnen.2
Nicht weniger extrem ist der Brandenburger Landtagsabgeordnete Dennis Hohloch. Er wurde von den beiden Landtagsabgeordneten Paul Timm und Jan-Phillip Tadsen Ende Januar nach Grevesmühlen zum Bürgerdialog eingeladen.3 Hohloch wurde vom Brandenburger Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft.4 Zudem wurde der Bundestagsabgeordnete und ehemalige Bundesvorsitzende der inzwischen aufgelösten rechtsextremen Jungen Alternative, Hannes Gnauck,5 von Kramer und MVs rechtsextremen Bundestagsabgeordneten Enrico Komning6 Mitte März nach Pasewalk zum Bürgerdialog eingeladen.7 Gnauck wird vom Militärischen Abschirmdienst als Extremist geführt.8 In der letzten Woche wurde ihm vom Bundestag wegen eines fortlaufenden Disziplinarverfahrens aus seiner Zeit bei der Bundeswehr die Immunität entzogen.9
Neben den Bürgerdialogen, die von ein oder mehreren Land- oder Bundestagsabgeordneten organisiert werden, veranstaltet MVs AfD-Fraktion auch sogenannte Schlossgespräche im Schweriner Schloss.
Schlossgespräche mit Rechtslibertären, Internetaktivisten und Publizisten der Neuen Rechten
Das Schlossgespräch im November letzten Jahres hatte das Thema „Wirtschaft. Wohlstand. Freiheit. Wirtschaftliche Freiheit als Motor für Mecklenburg-Vorpommern!“. Als Gastreferenten waren hierfür der Präsident des libertären Thinktanks Ludwig-von-Mises-Institut-Deutschland10 Thorsten Polleit, der Berater des argentinischen Präsidenten Javier Milei Philipp Bagus sowie Jurij Christopher Kofner vom Institut für Marktintegration und Wirtschaftspolitik (Miwi-Institut) vor Ort.11 Laut dem Magazin der rechte rand schrieb Polleit nicht nur gelegentlich für die Wochenzeitung Junge Freiheit (JF), sondern ist auch regelmäßig als Autor für eigentümlich frei – eine libertäre Monatszeitschrift – aktiv.12 Das Miwi-Institut versteht sich als eine Art Thinktank. Nach eigenen Angaben besteht die Mission der Einrichtung darin, libertär-konservative Fraktionen und politische Parteien in Europa mit hochwertiger politischer Beratung zu wirtschaftsnahen Themen zu versorgen.13 Kofner selbst war 2025 gemeinsam mit Rainer Rothfuß zu Gast in Schnellroda.14 Der Ort liegt in Sachsen-Anhalt und ist für die Neue Rechte als Schulungsort von zentraler Bedeutung.15 Rothfuß ist ehemaliger CSU-Politiker,16 der aktuell für die AfD im Bundestag sitzt. Er steht unter anderem in der Kritik, weil er russische Propaganda sowie Verschwörungserzählungen verbreiten soll.17 Das hielt die Landtagsabgeordneten Timm und Martin Schmidt nicht davon ab, Rothfuß 2024 zu einem Bürgerdialog nach Hagenow einzuladen.18
Beim jüngsten Schlossgespräch Mitte April war neben Gabriel Kords, Chefredakteur des Nordkuriers, auch der JF-Verleger Dieter Stein sowie der neurechte Influencer Boris von Jutrzenka-Trzebiatowski,19 der unter dem Pseudonym Boris von Morgenstern bekannt ist, zu Gast auf dem Podium.20 Die JF gilt laut dem Historiker Volker Weiß als ein „ideologisches und organisatorisches Mutterschiff“ des rechtsintellektuellen Milieus in Deutschland.21 Laut der Wochenzeitung Kontext wird Jutrzenka-Trzebiatowski wegen Rechtsextremismus und „verfassungsschutzrelevanter Delegitimierung des Staates“ vom Inlandsgeheimdienst beobachtet.22 Der Influencer ist aber nicht der einzige Internetaktivist, der von AfD-Abgeordneten hofiert wird. Ebenso interessant sind die Gäste des Podcasts „Kramers klare Kante“ des gleichnamigen AfD-Landtagsabgeordneten Kramer. KATAPULT MV berichtete dazu bereits im vergangenen Jahr.
Nachfragen unzureichend beantwortet
Auf die Frage, welcher Zweck mit der Einladung der teils einschlägig bekannten Rechtsextreme zu AfD-Veranstaltungen beziehungsweise als Podcast-Gäste verfolgt werde, äußerte sich die AfD-Landtagsfraktion nur knapp. „Ihre Kategorisierung einer Personengruppe im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit von Mandatsträgern ist nicht nachvollziehbar“, teilte Karolina Vöge, die stellvertretenden Leiterin der Pressestelle, mit.23
Die Pressestelle von MVs Innenministerium antwortete auf Nachfrage, dass sich zu etwaigen Prüf- oder Verdachtsfällen der hiesigen AfD nicht geäußert werden kann, da laut Gesetz nur über gesicherte extremistische Bestrebungen öffentlich berichtet werden darf. Unabhängig davon beobachtet und bewertet der Verfassungsschutz MV fortlaufend relevante Entwicklungen im Hinblick auf mögliche Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, heißt es in der Antwort.24
Offen bleibt auch die Frage, ob Gäste Geld für ihre Tätigkeit bekommen haben und wenn ja, aus welchen Mitteln diese bezahlt wurden. Könnte es sein, dass hier Extremisten mit Steuergeldern finanziert wurden oder handelt es sich um kostenlose Freundschaftsdienste? Was jedoch bleibt ist die Erkenntnis, dass MVs AfD-Abgeordnete nicht davor zurückschrecken, ein buntes Potpourri an rechtslibertären bis rechtsextreme Akteure einzuladen, um so weiter einen antidemokratischen Nährboden zu kultivieren.
- @afdfraktion_mv: Beitrag vom 19.1.2026, auf: instagram.com. ↩︎
- spiegel.de (Hg.): Verfassungsschutz stuft „Flügel“ als rechtsextrem ein, auf: spiegel.de (12.3.2020) / Dernbach, Andrea: Die AfD – bürgerlich und populistisch? Nein, rechtsextrem und rassistisch, auf: tagesspiegel.de (7.6.2021). ↩︎
- @afdfraktion_mv: Beitrag vom 22.1.2026, instagram.com. ↩︎
- Fritsche, Andreas: Behördlich bestätigte Rechtsextremisten, auf: nd-aktuell.de (9.7.2025). ↩︎
- tagesschau.de (Hg.): Immunität von AfD-Abgeordnetem Gnauck aufgehoben, auf: tagesschau.de (16.5.2024) / tagesschau.de (Hg.): AfD-Jugendorganisation löst sich auf, auf: tagesschau.de (1.2.2025). ↩︎
- Blöß, Louise; Zillmann, Erik Tove: Wie MVs AfD-Mitglieder zur rechtsextremen Einstufung beitragen, auf: katapult-mv.de (20.5.2025). ↩︎
- @afdfraktion_mv: Beitrag vom 12.3.2026, auf: instagram.com. ↩︎
- Lassiwe, Benjamin: Hannes Gnauck will in den Bundestag, auf: tagesspiegel.de (30.7.2021). ↩︎
- rbb24 (Hg.): Immunität von Brandenburger AfD-Abgeordnetem Gnauck aufgehoben, auf: rbb24.de (24.4.2026). ↩︎
- LobbyControl – Initiative für Transparenz und Demokratie (Hg.): Mises Institute, auf: lobbypedia.de. ↩︎
- @afdfraktion_mv: Beitrag vom 18.11.2025, auf: instagram.com. ↩︎
- Teidelbaum, Lucius: Die AfD und das liebe Gold: Millionen stehen hinter ihr, auf: der-rechte-rand.de (Juli/August 2020). ↩︎
- Miwi-Institut (Hg.): About us, auf: miwi-institut.de. ↩︎
- Miwi-Institut (Hg.): AfD Calls for Germany Economic Sovereignty Instead of Sanctions Policy, auf: miwi-institut.de. ↩︎
- Baeck, Jean-Philipp: Video zeigt Angriffe auf Journalisten bei Kubitschek-Treffen, auf: taz.de (2.2.2026). ↩︎
- Schäbischer Verlag (Hg.): Lindauer Ex-OB-Kandidat wechselt von der CSU zur AfD, auf: schwaebische.de (29.6.2018). ↩︎
- Augustin, Dirk: Umstrittener Friedenspreis für Rainer Rothfuß, auf: schwaebische.de (19.2.2018). ↩︎
- @afdfraktion_mv: Beitrag vom 18.11.2025, auf: instagram.com (21.10.2024). ↩︎
- von Jutrzenka-Trzebiatowski, Boris (Hg.): Impressum, auf: von-morgenstern.com.
↩︎ - @afdfraktion_mv: Beitrag vom 27.3.2026, auf: instagram.com. ↩︎
- Mahlberg, Gaby: Ein Besuch im „ideologischen Mutterschiff“ des Rechtspopulismus, auf: welt.de (31.3.2017). ↩︎
- Schopp, Fides: Zielgruppe Schulkinder, auf: kontextwochenzeitung.de (11.2.2026). ↩︎
- E-Mail von Karolina Vöge vom 28.4.2026. ↩︎
- E-Mail von der Pressestelle des Ministeriums für Inneres und Bau Mecklenburg-Vorpommern vom 30.4.2026. ↩︎

